Nach 40 Jahren: Noch Freude am Schulbeginn
Helmut Schneider unterrichtet seit dem Jahr 1972 Volksschüler und ist seit 30 Jahren Direktor. Vieles hat sich seither verändert. Nur eines nicht: Er freut sich wie jedes Jahr auf den Schulbeginn.
Was man landläufig nicht vermutet: Man trifft einen Schuldirektor auch in der Woche vor Schulbeginn in der Schule an. "Ich nutze während der ganzen Ferien meist die Schlechtwettertage, um Vorbereitungsarbeiten zu machen", sagt Helmut Schneider. Er ist Direktor der Volksschule Sillian.
Im Schuljahr 1972/1973 hat er zu unterrichten begonnen - damals schon in der Volksschule der Oberländer Marktgemeinde. Und obwohl er seit 30 Jahren Direktor ist, hat er bis auf zwei Schuljahre immer auch unterrichtet. "Gott sei Dank, weil die direkte Arbeit mit den Kindern ist ja mein eigentlicher Beruf", sagt er.
Wie geht's Schulanfängern?
Viel hat sich in den letzten 40 Jahren im Schulwesen verändert. Was aber immer gleich geblieben ist: "Ich freue mich jedes Jahr wieder auf den Schulbeginn, vor allem auf die Kinder, die ich schon kenne", sagt der Direktor und "man ist auch jedes Jahr in freudiger Erwartung, wie es den Schulanfängern gehen wird." Da liege auch eine gewisse Spannung drinnen. "Die Kinder haben jetzt neue Bezugspersonen und wie bei allen Beziehungen muss man abwarten, wie sie funktionieren." Der Pädagoge kommt jetzt auf eine eklatante Änderung zu sprechen, die sich in den Jahrzehnten seines Schuldienstes ergeben hat. "Die Kinder sind viel offener geworden." Das sei heutzutage ein großer Vorteil. "Früher haben die Lehrer oft bis Weihnachten Arbeit gehabt, bis das letzte Kind geredet hat." Jetzt ergäben sich schneller gute Beziehungen zwischen Schülern und Lehrern, und "das ist das Wichtigste für den Lernerfolg und die Entwicklung des Kindes."
Neue Medien nutzen
Diese Entwicklung würden heute die modernen Medien, wie Fernseher, Computerspiele und Internet in einem großen Maße beeinflussen. "Damit lernen die Kinder zwar viel, sie werden aber auch reichlich abgelenkt", beklagt der 59-Jährige. Aufgabe der Lehrer sei es, dem Nachwuchs den sinnvollen Umgang mit diesen neuen Informationsquellen beizubringen. "Wir nutzen ja selbst diese Medien. Im Deutschunterricht kommt ab der ersten Schulstufe ein computerunterstütztes Leselernprogramm zum Einsatz, das uns sehr hilft."
Im Zusammenhang mit Computern kommt Schneider aber auf ein Problem zu sprechen. "Die Kinder bewegen sich immer weniger. Vor allem Bewegung im Freien ist für die Gesundheit der Kinder sehr wichtig", sagt er. Es gäbe am Land dafür unzählige Möglichkeiten. "Viele Eltern sorgen für die Bewegung der Kinder, und wir arbeiten mit den Sportvereinen zusammen. Zwei Turnstunden in der Woche sind einfach zu wenig", erklärt er. "Wichtig ist, dass die Kinder wenigstens einen Teil des Schulweges zu Fuß zurücklegen." Und etwas betont der erfahrene Pädagoge auch noch: "Mir ist es ein großes Anliegen, die heimische Kultur und Tradition an die Kinder weiterzugeben." Dafür besuchen die Sillianer Volksschüler ein Mal im Monat gemeinsam eine Schülermesse. Oder sie lernen auf einem Bauernhof den Arbeitsalltag kennen. "Mit einem Förster sind wir in den Wald gegangen und haben gemeinsam einen Baum aufgearbeitet", freut sich Schneider.
"Die Kinder sollen wissen, wo ihre Wurzeln sind, weil viele Osttiroler müssen sowieso nach der Schule berufs- oder ausbildungsbedingt auswärts leben."
Features
FAKTEN
Name. Helmut Schneider
Geboren. 5. August 1952
Aufgewachsen. In Unterpeischlach, Gemeinde Kals
Wohnort. Abfaltersbach
Familie. Zwei erwachsene Kinder, drei Enkelkinder
Hobbys. Familie, Radfahren, Langlaufen, Schifahren
Ehrenamtlich tätig. Sportunion und Osttiroler gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft















