Teil des Forums im Osttiroler Aguntum freigelegt
Archäologen legten im Osttiroler Aguntum einen Teil des Forums frei. Das gesamte Forum soll in den nächsten fünf Jahren ausgegraben sein. Die Grabungen nach dem Tempel starten 2012.

Foto © APAArchäologen legten im Osttiroler Aguntum einen Teil des Forums frei
Archäologen der Universität Innsbruck haben bei Ausgrabungen in Osttirol weitere 500 Quadratmeter des Forums im Stadtzentrum der einzigen früheren Römerstadt Tirols, Aguntum, freigelegt. Insgesamt zwölf Räume des 3000 Quadratmeter großen Areals in Dölsach bei Lienz sind ausgegraben worden, erklärte Grabungsleiter Michael Tschurtschenthaler der APA am Mittwoch. Im Norden des Stadtzentrums sei man mittels eines Georadars zudem auf ein großes Gebäude, vermutlich einen Tempel, gestoßen. Diesen wolle man laut Tschurtschenthaler "in den nächsten beiden Jahren" freilegen. In fünf Jahren sollen die Grabungen am gesamten Forum abgeschlossen sein.
Keine sensationellen Funde
Bisher habe man rund ein Viertel des Forums, vor allem den Süd- und Teile des Osttraktes, freilegen können. "Die ganz sensationellen Funde sind heuer nicht zutage getreten", meinte Tschurtschenthaler, der in Aguntum einem 23-köpfigen Wissenschaftsteam vorsteht. Man habe aber "wichtige Einblicke in die Frühzeit der Stadtentwicklung" erhalten und gehe beispielsweise davon aus, dass Aguntum keine gewachsene Stadt ist, sondern "eine am Reißbrett entworfene Planstadt", erklärte der Archäologe. Das Forum sei den bisherigen Funden nach zwischen 41 und 54 nach Christus "in einem Zug errichtet" worden. Dies gehe auch aus der Restaurierung der im vergangenen Jahr entdeckten Wandmalerei hervor.
In den freigelegten Räumen seien heuer unter anderem Fragmente von Glasgefäßen, Öllampen, zahlreiche römische Münzen, ein besonders teueres Tafelgeschirr, Teile von Holztüren, eine kleine Glocke aus Bronze sowie eine große Zahl an Tierknochen gefunden worden, teilte der Grabungsleiter mit. Nächstes Jahr gelte es vor allem, zuerst weiter die drei Meter dicke Murenschicht zu entfernen und anschließend zu entsorgen.
Funde in Innsbruck restauriert
"Alle Funde werden nun nach Innsbruck mitgenommen, wissenschaftlich bestimmt und wenn nötig restauriert. Bei den Münzen wollen wir beispielsweise die Prägezeit und den Prägeort feststellen", erklärte Tschurtschenthaler. Anschließend soll ein Großteil der Fundstücke im Museum in Aguntum ausgestellt werden.
Aguntum wurde vor fast 2000 Jahren in der Mitte des ersten Jahrhunderts nach Christus von Kaiser Claudius zur Stadt erhoben. Sie war das Handelszentrum der Region im heutigen Osttirol. Eine frühchristliche Kirche, eine Stadtmauer, Therme, Handwerkerviertel sowie das Atriumhaus und ein Aussichtsturm sind bereits freigelegt und zu besichtigen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden archäologische Ausgrabungen bei Dölsach durchgeführt. 2012 begeht man das einhundertjährige "Ausgrabungs-Jubiläum".














