Sein und Schein bei "Bergsteigerdörfern"
Alpenverein bewirbt die "Bergsteigerdörfer" Villgratental und ließ dafür eigens deren Alpingeschichte ausheben. Bergsteigerdorf Kals steht hingegen vor dem Ausstieg aus der Initiative.
Unverbrauchte Natur- und Kulturlandschaft, authentische Ortsbilder: Das sind Kernpunkte, die Dörfern und Tälern die Chance geben, in den erlesenen Kreis der "Bergsteigerdörfer" aufgenommen zu werden. Neben dem Tiroler Gailtal ist gerade das Villgratental mit seiner Landschafts- und Umweltqualität prädestiniert dafür, im Reigen zu sein. Seit 2008 gehört es den "Bergsteigerdörfern" an. Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) und die Alpenkonvention als Schirmherrin der "Bergsteigerdörfer" legten das Tal auf die Werbeschiene. Das Ziel: Stärkung des Alpintourismus.
"Die Finanzierung der Werbemittel erfolgt über Geld aus dem Programm für ländliche Entwicklung der EU", sagt Peter Haßlacher (ÖAV). Maßgeschneiderte Angebote müssen Gemeinden und Tourismusverbänden schnüren. Josef Schett, Villgrater und Obmann des Regionalausschusses der Ferienregion Hochpustertal, betont: "Wir haben uns bewusst für die Marke Bergsteigerdörfer entschieden, da wir gesehen haben, es ist etwas, das die Entwicklung des Villgratentales positiv beeinflusst."
Alpingeschichte
Wichtiger Mosaikstein zum Erarbeiten der Grundlagen für ein erfolgreiches Bergsteigerdorf-Projekt ist die fundierte Darstellung der Alpingeschichte von Orten oder Tälern. Für das Villgratental hat Benedikt Sauer in den Archiven gestöbert. "Dabei habe ich manches entdeckt, das selbst die Villgrater nicht wissen", sagt er.
"Kurz und bündig" brachte Sauer die Alpingeschichte auch zu Papier und verrät, dass die Berge rund um Villgraten als "Hochbelvedere" gepriesen wurden. Vorgestellt wurde das Buch Freitagabend in Kalkstein in Innervillgraten. "Klein und fein" ist das Villgratental ein Aushängeschild der "Bergsteigerdörfer".
Produktwahrheit
Den Rang als solches Aushängeschild vermasselt hat sich Kals am Großglockner. Es ist zwar noch "Bergsteigerdorf", wird in der aktuellen Liste der "Bergsteigerdörfer", die sich vom Walsertal bis zur Rax finden, aber nicht mehr geführt. Der Grund: Entgegen den Kriterien ließ sich Kals auf technische Erschließungen ein. Auch der Bau des mehr als 500-Betten-Chaletdorfes ist Störfaktor. Haßlacher bestätigt: "Kals entspricht nicht mehr den Kriterien und es laufen Abstimmungsgespräche."
Den Antrag für Aufnahme in den Kreis der "Bergsteigerdörfer" stellten Virgen und Prägraten. Eine Entscheidung dazu fällt in der Förderperiode 2014-2020.
Features
FAKTEN
Bergsteigerdörfer. Eine Initiative des ÖAV und ein Umsetzungsprojekt der Alpenkonvention. Derzeit gibt es 17 Bergsteigerdörfer in Österreich, Osttirol: Tiroler Gailtal und Villgratental.
Finanzierung. 800.000 Euro von 2007 bis 2010 aus dem EU-Programm für ländliche Entwicklung, dieselbe Summe wird von 2011 bis 2013 erwartet.














