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Zuletzt aktualisiert: 26.02.2011 um 20:16 UhrKommentare

Großangriff auf heimische Gewässer

Energiewirtschaft hat im Bezirk Lienz große Pläne zum Ausbau der Wasserkraft. Wir geben Ihnen einen Überblick über diese Vorhaben.

Egal ob am Tauernbach, an der Isel, der Schwarzach oder am Debantbach: Kein Fluss oder Gebirgsbach in Osttirol soll ohne ein, zwei oder drei Kraftwerken talauswärts fließen. Aber nicht nur die Tiroler Wasserkraft Ag (Tiwag) will die Bäche zur Energienutzung anzapfen, auch Gemeinden und private Investoren sind scharf darauf.

Landeckbach. Der Landeckbach hat in den 1970er-Jahren im äußeren Bereich bereits den Großteil seines Wassers verloren: Die Österreichischen Bundesbahnen leiteten es in ihre Kraftwerksanlagen im Stubachtal über. Jetzt wird geprüft, ob nicht eine Zuleitung zum geplanten Ausleitungskraftwerk am Tauernbach in Matrei (siehe nächster Punkt) möglich ist.

Tauernbach. Die Tiwag wollte in Raneburg ein Pumpspeicherkraftwerk mit einem Schüttdamm errichten. Fassungsvermögen für den Speicher: 20 Millionen Kubikmeter Wasser. Nach lauten Protesten aus der Bevölkerung erfolgt die Kehrtwende zu einem Ausleitungskraftwerk. Jetzt ist eine neue Variante im Gespräch: Bei der Schildalm sollen Teile des Tauernbaches in eine Druckrohrleitung bis zum Krafthaus in Prossegg umgeleitet werden.

Dorferbach. Den Dorferbach zur Stromgewinnung in einem Kleinkraftwerk ausleiten darf die Gemeinde Kals bereits. Die Naturschutzbehörde schrieb für diesen Kraftwerksbau nicht einmal naturschutzgemäße Ausgleichsmaßnahmen vor, es fehlt auch der Auftrag für eine ökologische Begleitplanung.

Isel. Im Optionenbericht der Tiroler Landesregierung scheint auch ein Laufkraftwerk an der Isel zwischen Matrei und Lienz auf. Heimische Umweltschützer fordern schon seit Jahren, dass der letzte unberührte Gletscherfluss der Ostalpen im "Natura 2000"-Schutzprogramm Aufnahme findet.

Debantbach. Einer, der schon am meisten Wasser zur Energiegewinnung abliefert, ist der Debantbach. Drei Kraftwerk sind zwischen der Ortschaft Debant und dem Gasthof "Zur Säge" schon in Betrieb. Jetzt will ein Gewerbetreibender aus Lienz den noch unberührten Teil von der Talsperre bis zum Gasthof "Zur Säge" in einer Druckrohrleitung ableiten. Trotz negativer Bescheide, dem entschiedenen "Nein" der Anrainergemeinden Nußdorf-Debant und Dölsach will der Betreiber nicht aufgeben und führt zurzeit Klage beim Verwaltungsgerichtshof.

Sägebach. Eine private Kleinkraftwerksanlage soll am Sägebach in der Pustertaler Gemeinde Heinfels entstehen. Kurios: Zur Belebung des Sägebaches plant die Gemeinde Heinfels die Errichtung eines Erlebnisbereiches, der über einen Rundweg durch eine Wassererlebniswelt mit Weideniglus, terrassierten Relaxzonen, einem Spielbach mit Matschbecken sowie einer Fähre mit Floß führt. Breitenbach. Eine private Kleinkraftwerksanlage soll am Breitenbach in Außervillgraten entstehen. Die Verfahren sind noch offen.

Staller- und Kalksteinbach. Jenes Kraftwerk, das die Gemeinde Innervillgraten am Stallerbach und am Kalksteinbach plant, ist der Verwirklichung einen Riesenschritt nähergekommen. Das Amt der Tiroler Landesregierung hat nun die Bewilligungen nach dem Wasser-, Forst- und Starkstromwegerecht sowie Naturschutzrecht erteilt. Seit 2007 bemüht sich die Gemeinde mit Bürgermeister Josef Lusser um die Errichtung des Kraftwerkes mit einer Jahresregelleistung von mehreren tausend Megawattstunden. Betroffen ist auch die bekannte "Wegelate Säge" mit einem historischen Venezianergatter, das als Kulturerbe prämiert wurde. Verschiedene Einsprüche haben das fünf Millionen teure Vorhaben bisher verzögert, doch mit den jetzigen Bescheiden zeichnet sich ein Erfolg der Villgrater Gemeinde als Projektwerber ab.

Schwarzach. Ein eigenes Kraftwerk an der hinteren Schwarzach zu betreiben, dieses Vorhaben verfolgt die Gemeinde St. Jakob seit dem Jahre 2006. Allein 70.000 Euro bezahlte die Gemeinde 2007 für ein ökologisches Gutachten. Die Bemühungen und Kosten für die Expertise, in der auch geplante Maßnahmen erarbeitet wurden, um Eingriffe durch den Kraftwerksbau in der Natur wieder auszugleichen, waren zumindest aus Landessicht umsonst. Die Tiroler Landesregierung durchkreuzte die Pläne der Deferegger Gemeinde mit einem negativen Naturschutzbescheid. Der Verwaltungsgerichtshof hob diesen Bescheid aber wieder auf.

Stallerbach. Kraftwerkspläne lassen in St. Jakob schon seit Jahren die Emotionen hochgehen. Altbürgermeister Armin Ladstätter will den Stallerbach für ein privates Kleinkraftwerk nutzen. Hoteliers und Fischereibesitzer steigen auf die Barrikaden. Durch die Wasserableitung wird nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch immenser ökologischer Schaden vermutet.

GÜNTHER HATZ

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