Kraftwerk nähert sich dem Tauerntal
Deutsche Spezialfirma untersucht im Auftrag der Tiroler Wasserkraft AG (Tiwag) geologische Bedingungen entlang des Tauernbaches. Bauern und Grundbesitzer sind aufgeschreckt.

Foto © KK/PrivatNeue Kraftwerk-Diskussion: Idyllisch präsentiert sich das Tauerntal mit dem zugefrorenen Tauernbach
Das "Kraftwerk Raneburg" ist tot, es lebe das "Kraftwerk Tauernbach". Nach den Turbulenzen um das geplante Pumpspeicherkraftwerk mit Stausee kehrte im Tauerntal die Idylle ein. Die Tiwag hatte nach dem Widerstand der Grundbesitzer, Bauern und Bevölkerung die Idee eines Kraftwerkes mit Flutung des halben Tales unterhalb der Felbertauern Straße mit Zähneknirschen zu Grabe getragen.
Den Tauernbach haben die Kraftwerksplaner nie ganz aus den Augen gelassen und 2009 das "Kraftwerk Tauernbach" zum Leben erweckt. Für das Ausleitungskraftwerk - Wasserfassung des Tauernbaches bei der "Schildalm" in eine 9,6 Kilometer lange Druckrohrleitung bis zum Krafthaus Prossegg - werden nun Bohrungen an drei Stützpunkten durchgeführt. "Ich bin nicht befugt, etwas zu den Arbeiten zu sagen", meinte Horst Thelemann von der deutschen Bohrgesellschaft "Roßla". Nur soviel ließ der Bauleiter aus dem Harzgebiet wissen: "Mit vier Bohrgeräten untersuchen wir die Geologie."
Positive Grundstimmung
Wesentlich gesprächiger gibt sich Johann Neuner, Tiwag-Projektleiter für das "Kraftwerk Tauernbach": "Die Probebohrungen sind die Grundvoraussetzung für die spätere Umweltverträglichkeitsprüfung." An drei neuralgischen Punkten werde in die Tiefe gebohrt. Gleichzeitig klappert Neuner die Grundbesitzer im Tauerntal ab und holt sich die Zustimmungserklärungen für die Untersuchungen beziehungsweise Deponieräume für das Aushubmaterial während des Stollenbaues ab. Wenn es die Witterung zulässt, sollen bis Frühjahr die Untersuchungen abgeschlossen sein und die Detailplanung beginnen. Neuner: "Der Grundtenor für das neue Projekt ist gut und toi, toi, toi, dass es so bleibt." In Matrei sind die Betroffenen nach den harten Konfrontationen betreffend "Kraftwerk Raneburg" gebrannte Kinder.
Friedrich Schneeberger, Grundbesitzervertreter und Obmann der Bezirkslandwirtschaftskammer, hat selbst an vorderster Front gegen den Monsterstaudamm in Raneburg gekämpft. Er sieht lediglich Widerstände gegen das neue Wasserkraftprojekt der Tiwag im Detail. "Die Messungen müssen ergeben, dass unsere Quellen geschützt sind und diese nicht nach ein, zwei Jahren wie bei anderen Projekten im Bezirk versickern", argumentiert Schneeberger. Sei dies gewährleistet, dürften weder die betroffenen Agrargemeinschaften noch die Grundbesitzer Einwände gegen die Nutzung des Tauernbach-Wassers haben.
Features
Im Detail
Kraftwerkstyp. Ausleitungs-Laufkraftwerk (ohne Pump-speicherung)
Ausbauleistung. 55,5 Megawatt
Arbeitsvermögen. 124 Gigawattstunden (GWh)
Realisierungszeitraum. Planungs- und Behördenverfahren 3,5 Jahre, Bauzeit 3 Jahre
Geschätzte Investitionskosten. 100 Millionen Euro
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Mit einem riesigen Bohrer arbeitet die deutsche Firma im TauerntalFoto © KK/Privat














