150 Lawinen verschütteten 1951 Osttirol
Gestern vor 60 Jahren donnerten überall im Bezirk Schneemassen zu Tal. Die Timmelbachlawine in Prä- graten war tödlich.

Foto © Ruggenthaler
Der "Weiße Tod" machte in den Tagen rund um den 21. Jänner 1951 in Tirol reiche Ernte. 54 Menschen starben unter Lawinen. Das Ausmaß in Osttirol: Zwischen 20. und 21. Jänner 1951 sind 150 Lawinenabgänge dokumentiert. Viele von ihnen erreichten Siedlungsräume, zerstörten Gebäude. Eine von ihnen war todbringend: die Timmelbachlawine in Prägraten.
"Nach tagelangen, intensiven Schneefällen brach von der Wunspitze ein riesiges Schneebrett los, raste das Timmeltal herunter, knapp an unserem Haus vorbei, bis an das Schulhaus heran." Zeitzeugin Erna Unterwurzacher hielt die Ereignisse des 21. Jänner 1951 in Prägraten in ihrem Büchlein "Geschichten aus meiner Zeit" fest. Sie schildert dramatische Momente, in denen sie einen dunklen Wolkenberg vom Timmeltal herausschießen sah.
Zeitzeugen im Film
"Die Antoniuskapelle, etwas oberhalb unseres Hauses, hielt dieser Gewalt nicht stand, sie wurde mitgerissen." Die Tragödie folgte: Die Witwe Theolinde Pichler wurde dabei verschüttet. Die Frau starb unter den Trümmern jener Kapelle, die sie immer betreut hatte. Neben Unterwurzachers Aufzeichnungen existiert auch der Dokumentarfilm "Prägraten im Banne der Naturgewalten" von Karl Steiner.
Zeitzeugen, die heute zum Teil nicht mehr am Leben sind, berichten im Film in O-Tönen von den Katastrophentagen vor 60 Jahren - als die Theolinde unter die "Lahne" kam und was acht weitere große Lawinen angerichtet haben. Prägraten ist auch heute noch eines der lawinengefährdetsten Dörfer Tirols. Im Jahr 2000 wurde festgestellt, dass 80 Prozent des Siedlungsgebietes in der roten Zone liegen.
Verbauung rückt näher
Im Ortszentrum sind es mehr als die Hälfte aller Objekte. Das heißt: Höchstes Gefährdungspotenzial durch die Timmelbachlawine. An einem Verbauungsprojekt wird seit Jahren gearbeitet. 2010 galt als realistisch, um mit der Verbauung zu starten. Jetzt ist 2012 im Plan. Otto Unterweger von der Wildbach- und Lawinenverbauung in Lienz: "Das Projekt ist fertig. Im Frühjahr soll es die fachliche Genehmigung geben und dann beginnen die erforderlichen Verfahren."
Features
DOKUMENTE EINES KATASTROPHENT
Aufzeichnungen. In der Chronik der Wildbach- und Lawinenverbauung sind am 21. Jänner 1951 die Lawinenabgänge von Prägraten dokumentiert: Alingtal-Lawine (19 Uhr), Fenstermähder Lawine (9 Uhr), Stegerwald Lawine (20 Uhr), Timmelbachlawine (17 Uhr), Hohes Tal Lawine, Wallhornermähder Lawine, Wallhorn Lawine, Zopsen Lawine, Zucheltal Lawine.
Film. "Prägraten im Bann der Naturgewalten"- Dokumentarfilm von Karl Steiner - unter anderem mit Zeitzeugenberichten vom 21. Jänner 1951.














