"Es war Zeit für ein großes Abenteuer"
Der Lienzer Bernhard Forcher lebt seit vier Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika. Der ehemalige Musicaldarsteller versucht derzeit als Schauspieler in der Filmmetropole Los Angeles Fuß zu fassen. Er drehte seinen ersten Spielfilm ab.
Mit dem Kauf seiner ersten "Guns N' Roses"-CD änderte sich das Leben des Osttirolers Bernhard Forcher auf einen Schlag. Der Grundstein für seine musikalische Laufbahn war somit gelegt. Mittlerweile lebt der 31-jährige Lienzer, der zuvor als Musicaldarsteller quer durch Europa tourte, in Hollywood und bastelt an einer Karriere als Schauspieler.
Seine Begeisterung für das Genre "Musical" entdeckte der Lienzer, der in seiner Jugend als Leadsänger der Bands "Angel Dust" und "Mainstream" auf der Bühne stand, im Alter von 18 Jahren. Nach der Matura zog es ihn an die Performing Art Studios Vienna, wo er drei Jahre lang eine Ausbildung zum Musicaldarsteller genoss. Bereits während des Studiums stand der Lienzer immer wieder bei kleineren Aufführungen auf der Bühne, bis ihn der Ruf der großen deutschen Stadttheater ereilte. Nach seinem Engagement bei "Mamma Mia" in Hamburg, begeisterte er das Publikum im Musical "Aida", wo er tagtäglich als Radames auf der Bühne stand. Im November 2006 war die Zeit reif für eine Veränderung. Er zog in die Millionenmetropole New York.
Umzug nach Übersee
"Nachdem ich in Aida mehr als 500 Mal in derselben Rolle auf der Bühne stand, war es Zeit für ein Abenteuer", beschreibt Forcher seinen Schritt nach Übersee. Mit dem Ziel, seinen Stern am Broadway aufgehen zu lassen, kämpfte er sich durch den Großstadtdschungel.
"Die Stadt an sich ist ein Abenteuer. Das Leben ist schnell, laut und anstrengend. Ich wollte das damals aber unbedingt erleben", so Forcher, der gleich Bekanntschaft mit dem amerikanischen Alltag machte: "Trotz Arbeitsvisum machen es einem die Gewerkschaften fast unmöglich, als Ausländer dort zu arbeiten und auch Geld zu verdienen", berichtet der Lienzer, der sein ganzes Erspartes in Schauspielunterricht und in das Ansehen von Theater in jeglicher Form steckte. "Ich habe dort eigentlich nie richtig Fuß gefasst. Im Nachhinein bin ich aber froh, dass es am Broadway nicht geklappt hat, denn so hat es mich schneller in die Welt des Films verschlagen", informiert der 31-Jährige, der im Juni 2009 mit Sack und Pack an die Westküste übersiedelte und in der Filmmetropole Los Angeles seine Liebe zum Film entdeckte.
"Inzwischen ist mir klar geworden, dass Filme meine wirkliche Leidenschaft im Bereich der Unterhaltungsbranche sind", so der Lienzer, der seit Kurzem nach West Hollywood umgezogen ist, wo er sich seine vier Wände mit einer Handvoll fremder Menschen teilt.
Ersten Spielfilm gedreht
Im Mai dieses Jahres stand der Lienzer für seinen ersten Spielfilm "Qualia" vor der Kamera. "Das war eine große Rolle und eine ganz schöne Herausforderung. Man unterschätzt die Schwierigkeit, eine Szene, die am Schluss des Films spielt, gleich anschließend an eine Szene auf den ersten Seiten drehen zu müssen. Das erfordert gute Vorbereitung", gibt Forcher Einblick in den Set-Alltag, der die Rolle des Neurologen "Greg Jenkins", durch ein übliches Vorsprechen ergatterte. Der Film macht im Moment bei diversen Festivals die Runde.
Film bei Festivals
"Wir hoffen, dass eines der großen Festivals den Film zeigt und sich daraus ein DVD-Vertrieb oder vielleicht sogar eine Kinoveröffentlichung ergibt", berichtet der Auswanderer, der gern in die Rolle anderer schlüpft: "Man kann über sich, aber auch über andere Menschen viel lernen, da man quasi gezwungen ist, sich in das Leben einer anderen Person einzufühlen. Ob historisch oder fiktiv spielt keine Rolle", sagt Forcher, der sich zurzeit mit jeder Menge "Survival Jobs" über Wasser hält: "Im Moment ist es eine Mischung aus Kaffeemacher, Synchronsprecher, Übersetzter und Schauspieler. Aber das kommt schon noch. Der Wirtschaft ging es in den letzten Jahren nicht gerade rosig. Auch das Showbusiness hat ziemlich darunter gelitten. Da ist es für einen unbekannten Emporkömmling fast unmöglich, Aufmerksamkeit zu erlangen. Aber das bessert sich langsam wieder", so der Auslandsosttiroler, der sich nichts vormacht und sich in Zukunft nicht ausschließlich in aufregenden Rollen vor der Kamera sieht.
Drehbücher schreiben
Er hat auch begonnen Drehbücher zu schreiben: "Das kann ein unglaublich schönes Gefühl sein." An seiner neuen Heimat Los Angeles schätzt der Osttiroler vor allem das milde Klima und die Sonne Kaliforniens. Die kalten Winter, die ihm in New York das Frösteln lehrten, gehören nun Gott sei Dank der Vergangenheit an. "Ich bin gerne mit dem Auto unterwegs. Mir macht es großen Spaß bei Sonnenuntergang über den Hollywood-Freeway zu düsen. Auch kann man in Hollywood zu Hause sein und nicht wie in New York das Gefühl haben, dass man unbedingt hinaus-muss, weil man sonst etwas verpasst", berichtet der Lienzer, der sich mitten in der Filmmetropole wohlfühlt.
Aus seiner alten Heimat Osttirol vermisst der Lienzer vor allem seine Familie, die ihm viel Liebe, Unterstützung und Zuversicht gibt.
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