Sektion Oberland stößt die Prager Hütten ab
Die Schutzhütten werden im Zweierpack veräußert und das Arbeitsgebiet in deren Umfeld aufgegeben. Eine Übernahme durch die ÖAV-Sektion Matrei wird als beste Lösung gehandelt.
Naturgewalten, Geldnot, Kriege, Grenzziehungen, wieder Geldnot und neue Besitzer: Die Prager Hütten mit Großvenediger, Schwarzer Wand, Schlaten- und Viltragenkees vor den Türen, haben eine bewegte Geschichte. Und - nach ruhigeren Zeiten sieht es für die Bauten im Innergschlöss, dem schönsten Talschluss der Ostalpen, nicht aus. Im Gegenteil: Die Sektion Oberland des Deutschen Alpenvereines (DAV) hat beschlossen, Besitz, Bewirtschaftung und Betreuung sowohl für die Alte als auch für die Neue Prager Hütte aufzugeben.
Auch ihr Arbeitsgebiet wird übertragen, sobald es neue Hüttenbesitzer gibt. Walter Treibel, Erster Vorsitzender der Sektion, betont, dass man sich der Verantwortung im Innergschlöss nicht entledigen wolle. "Vielmehr sieht sich die Sektion Oberland angesichts der bevorstehenden Sanierungs- und Erhaltungsaufgaben finanziell nicht mehr in der Lage, die Anforderungen zu erfüllen", begründen Treibel und Andreas Roth als Zweiter. Sektionsvorsitzender den Veräußerungsschritt. Die Hütten wurden dem DAV-Gesamtverband angetragen.
Neue Besitzer gesucht
Nun stehen wieder Schicksaltage bevor: Von 28. bis 30. Oktober tagt die Bundesversammlung des Deutschen Alpenvereines in Osnabrück. Dort soll sich entscheiden, ob sich eine andere Sektion des DAV künftig im Inner- gschlöss engagiert oder ob man die Hütten dem Österreichischen Alpenverein (ÖAV) anbietet. Darüber hinaus soll es auch Pläne geben, die zwei Hütten abzutragen und eine neue aufzubauen.
In Matrei harrt man der Entscheidung. Für Bürgermeister Andreas Köll ist unbestritten: "Die Prager Hütten sind wichtig für den Sommertourismus, der in der Nationalparkregion stark stottert". Er hofft, dass die Sektion Matrei des ÖAV bei der Eigentumsübertragung zum Zug kommt. Mit dem Matreier Sektionsobmann Raimund Mühlburger führe er diesbezüglich bereits Gespräche. "Meine Überlegungen gehen dahin, dass Bund, Land und Gemeinde die Hüttensanierungen und einen neuen Materialaufzug finanzieren". Die Neue Prager Hütte solle als Nächtigungsstützpunkt dienen, die Alte habe wichtige Nahversorgerrolle für den Gletscherschaupfad. Kritik übt Köll am DAV: "Was Hüttenpächter in unserer Region betrifft, muss dieser Verein seine Politik überdenken". Mit auswärtigen Pächtern hätten die Hütten viel an Reputation verloren.
Peter Hasslacher vom ÖAV hängt am Innergschlöss. Und er leidet. "Wir waren mit der Sektion Oberland mit einer Generalsanierung Innergschlöss schon einmal sehr weit". Der tödliche Unfall des engagierten Architekten Stefan Hichert habe wieder alles zerschlagen. Auch Hasslacher sieht in einer Übernahme der Hütten und des Arbeitsgebietes durch die Sektion Matrei die Ideallösung.
Features
DATEN UND FAKTEN
Historisches. Die Alte Prager Hütte in 2489 Metern Seehöhe wurde 1873 von der Sektion Prag erbaut, vier Jahre nach Eröffnung von einer Lawine zerstört und erneut errichtet. Zwischen 1901 und 1903 entstand die Neue Prager Hütte (2776 Meter). 1904 wurde sie eröffnet. Federführend am Bau beteiligt war Johann Stüdl, der Gründer der Sektion Prag. Die Sektion Oberland hat die Hütten vor 18 Jahren von der Sektion Prag übernommen.
DAV-Hütten. Essener-Rostocker-Hütte, Clara-Hütte (beide Sektion Essen), Johannishütte (Sektion Oberland), Sudetendeutsche Hütte (Sektion Sudeten), Stüdlhütte (Sektion Oberland), Barmer Hütte (Sektion Barmen), Karlsbader Hütte (Sektion Karlsbad).














