"So stark sein, um aktiv Politik mitzugestalten"
Nach elf Jahren legt SPÖ-Bezirksparteivorsitzender Ernst Vergeiner sein Amt nieder. Ein Rückblick mit Freude, ein Ausblick mit Hoffnung.
V or elf Jahren haben Sie die SPÖ übernommen. Haben Sie diesen Schritt jemals bereut?
ERNST VERGEINER: Nein! Diesen Schritt habe ich nie bereut. Das war ein Lebensabschnitt, der die Möglichkeit geschaffen hat, viele Persönlichkeiten kennenzulernen und der Spaß machte.
Vieles lag Mitte der 1990er-Jahre bei der SPÖ im Argen, intern regierten Feindseligkeiten?
VERGEINER: Die ersten drei Jahre waren sehr schwierig, alles musste neu aufgebaut werden.
Wie konnte dieser verfahrene Karren flottgemacht werden?
VERGEINER: Das Wichtigste war, Ruhe hineinzubringen und nicht ständig über die Medien täglich neue Bosheiten auszurichten. Der zweite Schritt war, langjährige, verdiente Funktionäre, die der damaligen Lage neutral gegen- überstanden, wieder zurückzuholen und gute Leute wie Siegfried Schatz aufzubauen.
Die SPÖ ist in Osttirol eine "Minderheitspartei", ärgert das?
VERGEINER: Natürlich wäre es super so stark zu sein, um aktiv Politik mitgestalten zu können. Aber eine Demokratie braucht viele Lager - links und rechts.
Warum kommt die SPÖ im Bezirk Lienz nicht vom Fleck?
VERGEINER: Das liegt an der ländlichen Struktur Osttirols, die eine Basis für die Heimat der ÖVP ist. Aber wie sagte Bundespräsident Heinz Fischer: Politik ist ein ständiges Bohren harter Bretter und Osttirol ist besonders hart.
Gibt es überhaupt klassische Themen für die SPÖ?
VERGEINER: Ja natürlich: Arbeit und Einkommen, oder auch der Tourismus ist ein riesiges Thema, da fehlen klare Konzepte - wo soll da die Reise hingehen?
Was war Ihre größtes Ärgernis?
VERGEINER: Ich will nicht sagen Ärgernis, sondern Enttäuschung. Diese war die M99-Debatte in Lienz. Fast wäre es gelungen, eine Stadt zu spalten.
Die größte Freude?
VERGEINER: Irrsinnig gefreut habe ich mich 2003 über das Mandat von Elisabeth Blanik. Damit kann sie Osttiroler Anliegen vertreten und in den Landtag bringen.
Ohne Mandat politisch arbeiten, war das für Sie einfach?
VERGEINER: Ich habe meine politische Tätigkeit nie so verstanden, in der Öffentlichkeit etwas sagen oder zu erklären müssen.
Wo wäre es schöner gewesen - im Landtag oder im Nationalrat?
VERGEINER: Ich wäre für beides nicht geschaffen gewesen.
Welche Ratschläge geben Sie ihrem Nachfolger mit auf den Weg?
VERGEINER: Das ist etwas, was ich mit Sicherheit nicht tun werde.
Ihre Ziele für die Zukunft?
VERGEINER: In einer tollen Firma, eine tolle Arbeit leisten. Aber ein politischer Mensch werde ich immer bleiben, daher warte ich gespannt darauf, was mit den Wahl- anfechtungen in Lienz passiert. Die Möglichkeit einer Aufhebung ist sehr groß, vermute ich.
INTERVIEW: GÜNTHER HATZ
Features
ZUR PERSON
Name. Ernst Vergeiner
Geboren. Am 14. April 1965
Geburtsort. Lienz
Wohnort. Assling
Familienstand: Ledig und vergeben
Beruf: Schlosser, Mitarbeiter der Brauerei Falkenstein und dort Betriebsratsvorsitzender
Hobbys. Touren gehen, Bergsteigen, Lesen: täglich fast alle Zeitungen und das Buch "Deutschland schafft sich selbst ab" von Thilo Sarrazin
Kandidat. Zwei Mal kandidierte Vergeiner für die SPÖ in Osttirol: 2006 und 2008 bei den Nationalratswahlen
Vorgänger. Vor Ernst Vergeiner waren unter anderem Sigi Ronacher, Karl Blecha, Jörg Panzl und Karl Oberbichler an der Spitze der Osttiroler SPÖ.














