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Zuletzt aktualisiert: 27.09.2010 um 12:27 UhrKommentare

Neustart für Kraftwerk in St. Jakob

Verwaltungsgerichtshof hob negativen Naturschutzbescheid wegen Rechtswidrigkeit auf. Gemeinde St. Jakob nimmt nun neuen Anlauf.

An der Schwarzach im Bereich Patsch will man im Falle eines Kraftwerkbaues ökologisch wertvolle Schotterinseln einzäunen und sichern

Foto © KLZ/RuggenthalerAn der Schwarzach im Bereich Patsch will man im Falle eines Kraftwerkbaues ökologisch wertvolle Schotterinseln einzäunen und sichern

Ein eigenes Kraftwerk an der hinteren Schwarzach betreiben: Dieses Vorhaben verfolgt die Gemeinde St. Jakob seit dem Jahre 2006. Aus einer schnellen Umsetzung des Projektes, wie sie der damalige Landeshauptmann Herwig van Staa in Aussicht stellte, wurde aber nichts. 220.000 Euro Planungskosten fielen in der Ära Bürgermeister Hubert Jesacher an.

Allein 70.000 Euro berappte die Gemeinde 2007 für ein ökologisches Gutachten. Die Bemühungen und Kosten für die Expertise, in der auch geplante Maßnahmen erarbeitet wurden, um Eingriffe durch den Kraftwerksbau in der Natur wieder auszugleichen, waren zumindest aus Landessicht umsonst. Die Tiroler Landesregierung durchkreuzte die Pläne der Gemeinde mit einem negativen Naturschutzbescheid.

Um Zustimmung bemüht

Der Verwaltungsgerichtshof hob diesen Bescheid aber auf. "Weil die von der Gemeinde angeführten ökologischen Maßnahmen im Naturschutzverfahren praktisch nicht berücksichtigt wurden", sagt Gerald Hauser, der die Kraftwerkscausa nun als Bürgermeister weiter betreibt. St. Jakob begab sich nach dem Spruch der Verwaltungsrichter mit den Plänen zurück an den Start. Mit Begehungen und runden Tischen, an denen Politiker und Behördenvertreter sitzen, versucht Hauser ein Projekt auf die Beine zu stellen, das klare Zustimmung erlangt. "Unsere Hauptaktivität besteht darin, noch bessere Maßnahmen zu erarbeiten, um Eingriffe zu kompensieren. Wir wollen eine positive ökologische Gesamtbilanz für den Bach herstellen. Wir nehmen, geben aber aus meiner Sicht mehr zurück."

Die Ökologie ist ein Thema, für das Hauser in die Bresche springt. Ein weiteres Thema ist aber "das öffentliche Interesse". Ein Kraftwerk sichere einer Gemeinde über Jahrzehnte sprudelnde Einnahmen, um kommunal wichtige Vorhaben zu finanzieren. "In Naturschutzverfahren müsste das öffentliche Interesse schon deshalb viel mehr berücksichtigt werden", so Bürgermeister Hauser, der darauf verweist, dass beim Kraftwerk der Gemeinde Kals das öffentliche Interesse höher bewertet worden sei, als Interessen des Naturschutzes.

MICHAELA RUGGENTHALER

Projektdaten und ökologische Maßnahmen

Gemeindekraftwerk. Gemeinde St. Jakob plant an der Schwarzach Anlage mit 6,2 Megawatt Ausbauleistung.

Einzugsgebiet. 80,6 Quadratkilometer.

Druckrohrleitung. 5,5 Kilometer Länge.

Erzeugung. Die Regeljahresenergieerzeugung ist mit 23 Millionen Kilowattstunden angegeben.

Restwassermenge. 30 Prozent.

Maßnahmen. Insgesamt 14 Ausgleichsmaßnahmen zum Schutz der Ökologie geplant, darunter Weideverbot auf ökologisch wertvollen Schotterflächen oberhalb der geplanten Wasserfassung oder Aufweitung und Renaturierung im Bereich Erlsbach (Wiederherstellen von Grauerlenwäldern, Herstellen von Ufergehölzsaum).

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