Der Zauber Frankreichs zog sie in ihren Bann
Die gebürtige Lienzerin Gerlinde Chômet-Durin lebt seit 37 Jahren in der "Grande Nation". Als Präsidentin der "Association Amitié France Tarn Autriche" fördert sie kulturellen Austausch.
Am 15. Oktober im Jahr 1973, um Punkt sieben Uhr früh, fuhr die aus Osttirol stammende Gerlinde Chômet-Durin, eine geborene Lukasser, im Ostbahnhof in der französischen Metropole Paris ein und war somit für immer in ihrem Traumland Frankreich angekommen. Heute lebt die 69-Jährige in Albi im Süden des Landes. Sie ist Präsidentin der "Association Amitié France Tarn Autriche" und ist als Fremdenführerin tätig.
Bereits mit 14 Jahren verließ die Lienzerin ihre Heimatstadt. Sie zog aus beruflichen Gründen ihres Vaters nach Wörgl in Nordtirol um. Mittlerweile lebt sie seit 37 Jahren in der "Grande Nation". Nach dem Besuch der Ferrarischule in Innsbruck arbeitete die Osttirolerin bei Firmen in Kufstein und in Kundl, bevor es sie als Au-pair-Mädchen nach Paris und Mailand zog. Ab diesem Zeitpunkt packte die Auslandsosttirolerin das Fernweh. Doch bis es wirklich so weit kam, verstreiften noch einige Jahre.
Mit Sack und Pack
Nach dem Abschluss ihrer Fachlehrerausbildung für Bekleidung in der Michelbeuernschule in Wien lehrte sie an ihrer ehemaligen Schule in Innsbruck das Fach Bekleidungstechnik, bis schließlich der Kontakt mit dem Franzosen Lucien Chômet-Durin nach neun Jahren Funkstille durch einen Brief wieder aufflackerte. Es folgte die Hochzeit im Jahr 1973 in Innsbruck. "Ich bin dann mit Sack und Pack von Wörgl nach Frankreich übersiedelt", erinnert sich die Osttirolerin, die anfangs mit ihrem Mann in Paris lebte. Später zog es sie in den Großraum der Millionenmetropole und anschließend weiter nach Laon im Norden des Landes.
Seit knapp drei Jahrzehnten haben die beiden in der 50.000-Einwohner-Stadt Albi im Süden Frankreichs eine neue Heimat gefunden. "Das ehemalige Bischofsviertel ist das Herzstück von Albi. Der historische Stadtteil ist Anwärter als Weltkulturerbe der Unesco", berichtet Chômet-Durin, die in ihrer Wahlheimat Frankreich ihre Liebe für Kunst und Kultur entdeckte: "Das Interesse dafür kam zwar sehr spät, aber dafür umso intensiver", so die Lienzerin, die nach einer Egon-Schiele-Ausstellung im Museum "Henri de Toulouse-Lautrec" die "Association Amitié France Tarn Autriche" mit Freunden ins Leben rief, der sie als Präsidentin vorsteht: "Ich wollte schon immer etwas zwischen Österreich und Frankreich organisieren. Diese Ausstellung war der Auslöser dafür", berichtet Chômet-Durin, die mit ihrer Vereinigung den kulturellen Austausch fördert. Seit 1992 ist die Osttirolerin auch als geprüfte regionale Fremdenführerin tätig.
Osttiroler Dialekt sprudelt
Das umfangreiche Wissen eignete sie sich durch das Lesen von unzähligen Büchern selbst an. Bei ihren großteils auf Deutsch geführten Führungen sprudelt bei ihr immer wieder der Osttiroler Dialekt hervor. "Ich werde oft darauf angesprochen", so die Lienzerin, der die französische Sprache mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen ist. "Die ganze Art zu leben und die Atmosphäre hier in Frankreich hat mich von jeher fasziniert", schwärmt Chômet-Durin, die der Charme des Landes seit ihrer Au- pair-Zeit in Paris und darüber hinaus verzauberte.
Obwohl sie sich im Laufe der Jahre eine bestimmte Lockerheit aneignete, kommt das überdisziplinierte immer wieder einmal durch. "Den Ursprung kann und soll man nicht leugnen", so die Osttirolerin, die stolze Mutter zweier Töchter Barbara (35) und Verena (31) ist. Ihre ältere Tochter lebt mittlerweile in Portugal und ist Mutter von zwei Kindern. Tochter Verena ist als freischaffende Künstlerin in Toulouse, 80 Kilometer von Albi entfernt, tätig. "Portugal ist mittlerweile meine dritte Heimat. Ab und zu springe ich bei meiner berufstätigen Tochter nämlich als Babysitter ein", so die gebürtige Lienzerin, die dabei ist, die portugiesische Sprache zu erlernen.
Festtagstracht im Schrank
Ihre Osttiroler Wurzeln machen sich auch in ihrer Küche bemerkbar. Sie ist bekannt für ihre leckeren Buchteln. "Gerade in der Adventzeit kommen bei mir Heimatgefühle auf. Ich feiere immer noch wie zu Hause mit einem richtigen Tannenbaum und Wachskerzen", hält sie an Traditionen fest. Außerdem ziert ihren Kleiderschrank nach wie vor eine Innsbrucker-Festtagstracht. Ihren Lebensabend möchte die Auswanderin in Frankreich verbringen. Eine Rückkehr nach Osttirol scheint nicht in Planung zu sein. "Aber sag niemals nie. Auf Reisen komme ich immer wieder gerne in Osttirol vorbei", so Chômet-Durin, die in ihrer Freizeit viel mit dem Fahrrad unterwegs ist und mit viel Liebe Handarbeiten fertigt.
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