Auf Lavanter Feldern ist Stichtag
Bei Osttirols einzigem Spargelbauer geht es heuer "drunter und drüber": Während Grünspargel oberirdisch sprießt, wächst der weiße in der Erde. Die Ernte dauert bis zum Johannistag.

Foto © Pranter-KreuzerIn der Spargelzeit packt die ganze Familie mit an: Junior Lukas Kaplenig mit den Spargelbauern Elisabeth und Josef Kaplenig in Lavant
Die Spargelzeit ruft! Wohin man auch schaut. Auf Speisekarten in Restaurants und Gasthäusern oder als Rezeptideen in diversen Magazinen wird einem der Spargel derzeit schmackhaft gemacht. Das edle Gemüse hat wieder Saison. Die Kleine Zeitung machte einen Abstecher bei Osttirols einzigem Spargelbauer und schaute der Familie Kaplenig bei der Ernte in Lavant über die Schulter. Seit knapp zwanzig Jahren hat es Josef Kaplenig das weiße Stangengemüse angetan. Seit dem Vorjahr sprießt auch Grünspargel aus der Osttiroler Erde.
Die Idee, auf seinem Hof Spargel anzubauen, kam eigentlich spontan. Ein Feriengast überließ dem Lavanter durch Zufall ein paar Spargelsamen. Was anfänglich mit dem Anbau im eigenen Garten begann, weitete sich auf zwei Feldreihen aus, bis Kaplenig richtig auf den Geschmack kam. Mittlerweile ist die Anbaufläche des "Micheler-Bauern" auf 20 Spargelreihen angewachsen. 24.000 Weiß- und 5000 Grünspargelpflanzen umfasst derzeit seine Anbaufläche. "Das soll auch so bleiben. Die Qualität steht im Vordergrund. Es soll ein Nischenprodukt bleiben", so Sepp Kaplenig.
Mikroorganismen
Seit zwei Jahren düngt der Spargelbauer mit Mikroorganismen. "Dadurch kann das Gemüse kontrollierter aufwachsen. Der Boden wird lockerer. Die Qualität ist auch heuer wieder hervorragend", informiert der Lavanter, der seit Ende April mit seiner Familie jeden Tag beim Spargelstechen verbringt. Auch Junior Lukas Kaplenig (10) ist von dem edlen Gemüse begeistert und packt beim Ernten kräftig mit an. Dabei ist viel Fingerspitzengefühl gefordert. Denn das Spargelstechen ist nicht so einfach.
Viel Fingerspitzengefühl
Geerntet werden beim weißen Spargel nämlich nur jene Triebe, die aus dem Boden in den sogenannten "Dämmen" hervorlugen. "Diese Sprossen werden ausgebuddelt und dann mit einem langen Stechmesser abgeschnitten", erklärt der Spargelbauer. Dabei ist jedoch zu beachten, dass jüngere Triebe, die noch im Erdreich versteckt sind, nicht verletzt werden. "Der Spargel wächst im Schnitt fünf bis sieben Zentimeter pro Tag", klärt der Experte auf. Anders als weißer Spargel wächst das grüne Pendant oberirdisch. Die Stangen sind auch wesentlich dünner. Durch das Sonnenlicht nimmt er seine satte grüne Farbe an.
Frische mit Spargeltaxi
Die täglich frische Ausbeute wird in kleinen weißen Kisten zwischengelagert, bis Elisabeth Kaplenig mit ihrem Spargeltaxi auf dem Feld vorfährt und die Ware zum nahe gelegenen Hof bringt. Dort werden die weißen und grünen Stangen per Hand im Brunnentrog gründlich gewaschen und nach Längen sortiert. "Wir teilen in Solospargel, Spargelspitzen und Spargelköpfe ein", erklärt die Frau des Hauses. Bei Grünspargel gibt es zwei Sortierungen.
Die Spitzen des königlichen Gemüses werden gerne für Vorspeisen verwendet, Spargelköpfe finden unter anderem in Risottos Verwendung. "Die Köpfe lassen sich auch gut einfrieren. Sie werden auch gerne für Gemüse und Suppen verwendet", gibt Elisabeth Kaplenig nützliche Tipps. Der frische Spargel wird, bis zur Auslieferung, in Vitrinen im Verkaufsraum am Michelerhof gelagert, wo er auch ab Hof käuflich erworben werden kann.
Kirschen rot, Spargel tot
Der Osttiroler Spargel wird an heimische Gastronomiebetriebe und Hotels geliefert und ist auch in ausgewählten Geschäften in Lienz sowie am Stadtmarkt erhältlich. In hochprozentiger Form ist das Lavanter Edel-Produkt als "Spargelgeist" von Rudolf Schwarzer zu genießen sowie im Spargelbrot der Bäckerei Joast. Die Osttiroler Spargelzeit in Lavant dauert bis zum Johannistag am 24. Juni. "Kirschen rot, Spargel tot", zitiert Sepp Kaplenig ein Sprichwort. Die Saison für den grünen Spargel geht mit circa 20. Mai zu Ende.














