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Zuletzt aktualisiert: 05.04.2010 um 11:29 UhrKommentare

"Die Arbeit geht Richtung Süden "

Über Ostern will Bürgermeister Johannes Hibler "in sich gehen": Aber alles deutet auf eine Reduzierung der Stadtgremien in Lienz hin. Einer möglichen Wahlanfechtung sieht er gelassen entgegen.

Hibler mit den Vorgängern Hubert Huber und Helga Machne

Foto © HatzHibler mit den Vorgängern Hubert Huber und Helga Machne

14 Stimmen Unterschied, vom Bürgermeister-Stichwahl-Krimi schon erholt?

Johannes Hibler: Ja, es war bis zum Schluss des Wahlabends Dramaturgie pur, und diese innere Spannung hat bis Mittwoch angehalten. An diesem Tag habe ich mir eine Auszeit gegönnt, um den Kopf wieder freizubekommen.

Ärgert es Sie, wenn Ihre politische Gegnerin Elisabeth Blanik (SPÖ) am Wahlergebnis zweifelt?

Johannes Hibler: Nein, überhaupt nicht, denn auch eine Wahlanfechtung oder nachzählen ändert am Wahlergebnis in Lienz nichts.

Wie war die Stimmung am Wahlabend, sind da erste Fragen zum Endergebnis aufgetaucht?

Johannes Hibler: Am Wahlabend war alles in Ordnung, es hat keinerlei Ansätze zu Unregelmäßigkeiten gegen, die Beisitzer haben ihre Protokolle unterschrieben. Es waren unter anderem immer SPÖ-Beisitzer wie Hofrat Gerwald Lentner oder der Lebensgefährte von Vizebürgermeisterin Elisabeth Blanik, Ralf Vergeiner, anwesend.

Warum werden die 6509 Stimmen noch in der Liebburg aufbewahrt?

Johannes Hibler: Weil es das Gesetz so vorschreibt, alle Stimmzettel der vergangenen Wahlen - auch jene von 1992, 1998 oder 2004 - werden versiegelt in Kuverts in der Liebburg aufbewahrt.

13 Wahlkarten sollen Anlass zur SPÖ-Kritik sein, warum?

Johannes Hibler: Bei den Wahlkarten lag ich in beiden Durchgängen der Bürgermeister-Stichwahl mit 60 zu 40 Prozent vor Blanik. Daher habe ich keine Angst davor, dass ein Nachzählen dieser ein anderes Endergebnis bringt. Im Gegenteil: Der Abstand zwischen uns könnte sich verdoppeln.

Vom Blick in die Vergangenheit in die Zukunft: Wann wird sich der neue Gemeinderat konstituieren?

Johannes Hibler: Der Termin steht schon fest: am 8. April um 18 Uhr.

Bleibt die bisherige Anzahl der fünf Stadträte aufrecht?

Johannes Hibler: Die SPÖ hat das Gespräch mit uns noch nicht gesucht. Meine Fraktion wird über Ostern entscheiden, ob wir auf vier Sitze reduzieren oder auf sechs erhöhen.

Erste Machtdemonstration der neuen ÖVP-Absoluten in Lienz?

Johannes Hibler: Meine Leute sind nach den Blanik-Attacken im Wahlkampf heiß. Ihre ständigen Untergriffe wie "Freuderlwirtschaft, Machtmissbrauch oder Geheimniskrämerei" sind nicht in Vergessenheit geraten.

Es wird also keine Ostergeschenke für SPÖ oder LSL geben?

Johannes Hibler: Auch darüber entscheidet meine Liste und nicht der Bürgermeister allein. 85 Prozent der Lienzer Wähler haben am 14. März ÖVP oder SPÖ gewählt. In der abgelaufenen Periode war dieses Verhältnis auf drei Gruppen - ÖVP, SPÖ und LSL - aufgeteilt, jetzt nur mehr auf zwei.

Auf die Stadt kommt Großes zu: Neubau Hallenbad oder Hochstein-Rodelbahn, was soll zuerst in Angriff genommen werden?

Johannes Hibler: Die Ganzjahres-Rodelbahn ist ein Projekt des Tourismusverbandes gemeinsam mit der Stadt, beim Hallenbad geht es in die Detailplanung. So wie beim Jugendzentrum. Dann kommt das Schulzentrum Nord an die Reihe. Die Verhandlungen mit der Osttiroler Siedlergenossenschaft laufen bereits.

Gibt es eine konkrete Erneuerung, die die Bürger sofort spüren?

Johannes Hibler: Das Wahlergebnis hat gezeigt, dass es ein Nord-Südgefälle zwischen ÖVP und SPÖ gibt. Dabei haben wir im südlichen Stadtbereich in den letzten sechs Jahren am meisten investiert. Scheinbar hat aber gerade dort der Blanik-Slogan im Wahlkampf "Macht nicht nur in einer Hand" am stärksten gezählt. Meine Arbeit in den nächsten Jahren wird sich in Sprechstunden Richtung Süden ausrichten.

Wie wird der Bürgermeister in den nächsten Jahren den Lienzern begegnen?

Johannes Hibler: Darüber habe ich schon intensiv nachgedacht, denn die abgewählten Bürgermeisterkollegen in Telfs, Kufstein oder Wörgl waren auch Anwälte oder Steuerberater. Es ist also schwer in Städten, mit viel sachlicher Arbeit, diese auch in der Wählergunst umzusetzen. Ich werde mich aus vielen Gremien zurückziehen, um realisierte Projekte den Bürgern näherzubringen.

Wenn Sie 2016 Bilanz ziehen, was darf da auf Ihrer Liste für diese Amtsperiode nicht fehlen?

Johannes Hibler: Die einzige Devise kann nur lauten: Wir haben unsere Wahlversprechen aus dem Jahr 2010 umgesetzt. Mit der Mehrheit im Gemeinderat dürfte uns das leichter gelingen. Außerdem will ich keinen Anlass geben, dass sich in den nächsten sechs Jahren eine Protestbewegung findet, die unser hindert, in Ruhe 2016 eine positive Bilanz zu ziehen.

INTERVIEW: GÜNTHER HATZ

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