In der Schweiz brachte sie das Eis zum Schmelzen
Die Matreierin Gertraud Müller-Steiner zog vor 29 Jahren in die Schweiz. Sie lebt in Airolo im Tessin und fieberte bei Olympia mit Tochter Katrin, die bei den Skicrossern ihr Debüt feierte.

Foto © PrivatIm Tessin hat die gebürtige Matreierin ihr Glück gefunden
In die Welt - hinaus ins Leben", sang die Matreierin Gertraud Müller-Steiner bei der Abschlussmesse der Frauenfachschule in Lienz. Jahre später ließ sie sich auf das Abenteuer ein und lebt nun seit 29 Jahren in der Schweiz. Im Tessin hat sie ihr Glück gefunden. Nach der Frauenfachschule zog es die Matreierin als Rezeptionistin in Hotels nach Salzburg und auf den Arlberg. Ausschlaggebend für den Schritt über die Grenze war die Liebe. Ihre erste Station führte sie nach der Hochzeit mit einem Schweizer in die Nähe von Zürich, wo sie als Empfangssekretärin in einer Schweizer Großbank ihr Geld verdiente. Das geforderte "Schwyzerdütsch" stellte für die "Mottingerin" kein großes Problem dar.
Mit ihrer Lockerheit brachte sie das Eis der Schweizer zum Schmelzen: "Wenn man die Menschen erst einmal kennt, sind alle höflich, freundlich und hilfsbereit." Während sie das Fahrschulsekretariat ihres Mannes führte, arbeitete sie auch als Sekretärin eines Rechts- und Steuerberaters in der Nähe von Zürich. Nach der Geburt ihrer beiden Kinder Lukas (22) und Katrin (20) entschloss sie sich, ins Ferienhaus nach Airolo im Tessin zu ziehen.
Nahe dem Lago Maggiore
Der Ort am Fuße des Gotthard-Passes gilt im Winter als schneesicher und im Sommer als warm. "Im Winter kann man Schifahren, im Sommer ist der Lago Maggiore mit seinem Mittelmeerklima nur einen Katzensprung entfernt", berichtet die Matreierin, die der Kinder wegen in die Berge der italienischen Schweiz zog. Nur die italienische Sprache musste die Osttirolerin noch lernen. "Perfekt wird's wohl nie sein", so Müller-Steiner, die seit ihrer Scheidung vor zehn Jahren im Hotel Forni als Sekretärin tätig ist. Ihre Kinder sind zweisprachig aufgewachsen. In der viersprachigen Schweiz lernen sie in der Schule noch Französisch und Englisch dazu. Die Parallelen zu Matrei nach dem Motto "Jeder kennt jeden" sind groß. Nach der Trennung von ihrem Mann überlegte sie die Rückkehr nach Österreich, hauptsächlich der Kinder wegen, da die beiden ausgezeichnete Schifahrer im Tessiner Schikader waren.
Olympia-Fieber
"In der Schweiz ist die Förderung von Talenten im Gegensatz zu Österreich gering", berichtet die Matreierin, welche die Sportbegeisterung ihrer Kinder unterstützte und im "Schiclub Airolo", in welchem Schigrößen wie Doris De Agostini und Michela Figini groß wurden, die richtige Basis gefunden hat. So kommt es auch, dass die Osttirolerin bei Olympia ordentlich mitfieberte. Ihre Tochter Katrin nahm in Vancouver als Skicrosserin teil. "Das Talent und die Freude hat sie ein wenig in den Genen, aber den Trainingswillen und den Mut hat sie sich selbst erarbeitet", so die Osttirolerin, die die spektakulären Rennen auf Video aufzeichnet und diese sich erst anschaut, wenn sie weiß, dass ihrer Tochter nichts passiert ist. Nach so viel Adrenalin geht es Müller-Steiner in ihrer Freizeit gemütlicher an und entspannt sich beim Schneeschuhlaufen oder Langlaufen. "Ich wandere auch gerne oder fahre an den See", so die Osttirolerin, die viel unterwegs ist und gerne nach Winterthur reist, wo ihr jetziger Partner lebt.
Zu ihrer alten Heimat hat sie sehr guten Kontakt. Ihre Eltern und Geschwister samt Familien leben alle in Matrei: "Es ist für mich wie ein ,nach Hause' kommen. Ich fühle mich dann, als wäre ich nie fortgewesen." Im Tessin vermisst sie außer den "Schmalz-Plattlin", die ihre Schwägerin Gerlinde kocht, wenig. Über die Webcam in Bichl verfolgt sie das Wetter und über die Internetseite der Kleinen Zeitung informiert sie sich täglich über den Bezirk. Eine Rückkehr nach Osttirol schließt sie nicht aus. "Ich warte ab, bis meine Kinder ihren Weg finden. Ich lebe gern in Airolo. Vielleicht zieht es mich in die Deutschschweiz oder ins Südtessin. Es kann auch sein, dass ich zurückkomme und Matrei zum Ausgangs- und Endpunkt meiner Reisen durch Europa mache", so Müller-Steiner.
Der Kreis würde sich schließen. "Da ich mich eigentlich nicht als Auswanderin fühle, könnte ich jederzeit wieder zur Einwanderin werden."
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Tochter Katrin setzte sich bei Olympia 2010 als Skicrosserin in SzeneFoto © Privat














