Pleite sitzt wie ein Stachel im Fleisch
Erster Schock nach Konkurs der Bergbahnen St. Jakob ist überwunden. Es folgen Ernüchterung, aber auch Enttäuschung. Causa wird zum Spiegelbild der Lokalpolitik. Geteilte Meinung über Ursachen.
Die Pleite der heimischen Liftgesellschaft geht in St. Jakob tief. Freitag früh fanden viele Hausbesitzer Partezettel an ihre Türen geklebt. "Für uns alle unfassbar, geben wir die Nachricht bekannt, dass unser lieber Lift, die Bergbahn St. Jakob im Defereggental, nach langer schwerer Krankheit viel zu früh zu Tode gewirtschaftet wurde" - so steht es auf der Parte geschrieben. Polemik, Polarisierung aber auch Schmerz finden ihren Ausdruck. "Um dich trauert das ganze Defereggental" - damit ist manifestiert: Der Konkurs sitzt wie ein Stachel im Fleisch.
Keine verunsicherten Gäste
Den ersten Schock über die Insolvenz haben die Menschen im Dorf, das nach außen hin nur Winteridyll verbreitet, überwunden. Die Dorfbewohner reden bereitwillig zum Thema. Voraussetzung: Ihre Anonymität wird gewahrt. "Es ist traurig", sagt eine Einheimische, die gerade vom Einkauf kommt. Bei anderen St. Jakobern fällt das Wort Misswirtschaft. Die Phrase vom Sparen in der Zeit, um zu Haben in der Not, taucht mehrmals auf. Im Tourismusbüro ist die Diskussion um den Konkurs der Lifte zweitrangig. "Es gibt keine Verunsicherung bei den Gästen. Wir haben keine Anfrage wegen der Pleite, sondern nur Anfragen wegen der Schneeverhältnisse und die sind hervorragend", räumt Robert Wieser mit Fehlinformationen auf. Ab 26. Dezember ist der Ort so gut wie ausgebucht.
Enttäuschung und Flucht
Ein paar Häuser weiter im Zentrum sitzt Erich Heinzle in seinem Büro. Der Gründervater der Bergbahnen, 89 Jahre alt, telefoniert. Er ist über die Entwicklung rund um den Konkurs bestens informiert, hat er doch selbst alle Bemühungen unternommen, einen solchen zu vermeiden. Und er ist enttäuscht: "Vor einem Jahr bei der Eröffnung des Großglocknerresorts Kals-Matrei hat Landeshauptmann Günther Platter gesagt, dass St. Jakob als Nächstes bedient wird." Heinzle spricht auch davon, dass zwischen BTV und Land der Weg zum Konkursrichter abgesprochen worden sei. Er zuckt mit den Schultern: "Die Frage ist, wer ist das Land?" Im Gemeindeamt von St. Jakob ist das Bürgermeister-Zimmer leer. Hubert Jesacher, auch Vertreter des größten Gesellschafters der Bergbahnen - die Gemeinde St. Jakob ist mit 24 Prozent beteiligt - scheut seit Tagen die Öffentlichkeit und blieb den Bürgern bisher jede Erklärung oder Aufklärung schuldig.
Wortkarger Bürgermeister
Zwei Stunden später ist Jesacher da. Er bleibt wortkarg. "In der Konkurscausa wird viel Hetze betrieben und ich werde mit Äußerungen nicht auch noch dazu beitragen", sagt er, bittet um Verständnis und verschwindet im Stiegenhaus. An Theken und Tischen der Kaffee- und Gasthäuser ist der Konkurs ein Thema. "Recht hat er gehabt, der Kleinlercher mit dem Konkursantrag. Die jahrelange Fretterei muss ein Ende haben", lässt ein St. Jakober seinen Gedanken freien Lauf. Mit seinem Nachbarn ist er sich einig: "Es ist Zeit, neu anzufangen und mehr Zusammenhalt im Ort wäre wichtig."
"Feindliche Übernahme"
Wie der Neuanfang aussehen könnte, erfährt man auf Straßen und an Theken nicht. Einen Plan hat Heinzle: "Fünf Millionen vom Land, drei, vier Millionen von Osttirol-Invest und fünf Millionen Nachlass der Banken, dann hätten die Bahnen wieder Luft. Die Zukunft vom Herzstück des Deferegger Tourismus ist völlig offen. In St. Jakob fürchten viele eine "feindliche" Übernahme. "Wir begleiten unseren lieben Lift nach der Wintersaison in die Hände des Liftgott Heinrich Schultz", steht auf dem eingangs erwähnten Partezettel. Schultz selbst schließt nicht aus, dass das Schigebiet St. Jakob für sein Unternehmen interessant sei. "Derzeit stehe ich aber in keinerlei Verhandlungen."











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