Blutnudeln gibt es in der Karibik nicht
Aram G. Zerunian verdiente in seiner Kindheit im Defereggental sein Taschengeld mit dem Verkauf von Pilzen an Restaurants. Heute managt der 42-Jährige das Luxushotel "Half Moon" in Jamaika.

Foto © Hatz
Die berufliche Karriere des Aram G. Zerunian startete im Frühsommer 1988 aus einer spätabendlichen Laune heraus im Lokal eines Freundes in Wien.
Vier Jahre lang hatte der Sohn des Wieners Levon Zerunian und der Ingrid Ladstätter aus St. Jakob im Defereggental nach seiner schulischen Ausbildung mit Matura in der Gastronomie gearbeitet, als ein Mann Names Josef Forstmayr die Bar in der Bartensteingasse betrat und dem 21-Jährigen atemberaubende Geschichten aus der Karibik erzählte.
"Nach sechs Wochen saß ich im Flugzeug in die Karibik", erinnert Zerunian sich. Im Gepäck hatte er eine Anstellung als Assistents-Manager im Hotel "Trident" in Port Antonio in Jamaika. Schon ein Jahr später wechselte der Österreicher ins "Plangen Inn" in Ochos Rios, wo er 1993 auf seinen Landsmann Heinz E. Simonitsch traf. Der Steirer überredete Aram G. Zerunian, als Villen-Manager am Aufbau des "Half Moon" in Montego Bay mitzuarbeiten. "Ein Jahr lang war ich nur mit der Bauleitung beschäftigt", sagt er. Kurz nach der Eröffnung 1997 war nach einem verheerenden Brand in der Hauptküche das Chaos perfekt, denn die Hotelanlage blieb auch während des zehn Millionen Dollar teuren Wiederaufbaus geöffnet. Nach einer stressbedingten "Auszeit" als Hotelmanager zweier Fünf-Sterne Hotels in Jamaika lockte 2002 wiederum Heinz E. Simonitsch Zerunian mit einem "Supergage-Angebot" ins "Half Moon" zurück, das er seit 2006 als General Manager mit 850 Angestellten und über 900 Gästen führt. Während viele Amerikaner, Kanadier, Japaner und Europäer ihre Erholung am hoteleigenen Traumstrand suchen, kehrt Zerunian jedes Jahr zu seinen Wurzeln ins Defereggental nach Osttirol zurück.
Berührende Erinnerungen
Das Gespräch auf diese heimatlichen Gefühle gelenkt, beginnen seine Augen vor Freude zu funkeln und es sprudelt in seinem noblen Büro nur so aus ihm heraus. "Wir haben in Feistritz noch ein 380 Jahre altes Bauernhaus und einmal im Jahr komme ich mit meiner Familie dorthin zurück", sagte er. Seine Familie, das sind die jamaikanische Gattin Jacqueline, die Kinder Jakob (13) und Daniel (9). Dieses uralte Haus haben seine Eltern vor 35 Jahren in der Heimat seiner Mutter gekauft, die es heute im Schnitt sechs Monate mit ihrem Lebenspartner, dem Architekten Fred Schaepe, bewohnt.
Jede freie Minute verbrachte der junge Aram, der in Wien zur Schule ging, in St. Jakob. "Mein Taschengeld habe ich mir als kleiner Bub mit dem Verkauf von Schwammerln an die Restaurants in St. Jakob verdient", erzählt der Weltenbummler. Jeder im Ort wusste: Der Aram, der berüchtigste Schwammerlklauber ist wieder im Dorf! Er kannte nicht nur jeden Platz mit vielen Pilzen, sondern kennt heute auch jeden Gipfel in der umliegenden Bergwelt. "Zuletzt war ich auf der ,Weißspitze', der Blick über das Tal ist einfach atemberaubend."
Bei diesen Wanderungen darf auch die Einkehr in eine der Schutzhütten nie fehlen, gibt es dort doch leckere Schlipfkrapfen, üppige Speckteller oder köstliche Würste mit Bauernbrot. Ein kulinarisches Gustostückerl vermisst der Osttiroler in seiner neuen karibischen Heimat ganz besonders: Blutnudeln. Und das Schifahren. Diese Sehnsucht möchte er bald stillen und den türkisblauen Traumstrand vor seiner Arbeitsstätte mit einer Reise in die Deferegger Bergwelt tauschen. "Diese Naturbelassenheit in Osttirol kann noch einmal zum touristischen Segen werden", ist Zerunian überzeugt.














