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Zuletzt aktualisiert: 25.07.2009 um 23:17 UhrKommentare

"Wir waren Hippies im Herzen"

Ö3-Stimme, Musiker, DJ: Für Eberhard Forcher ist Osttirol noch immer Heimat. Obwohl er nie lange Haare tragen durfte. Den Lehrerjob tauschte er gegen ein Jahr Experiment Amerika.

Café Westend, Wien: Forcher trifft Christian Wetternig zum Interview

Foto © FindenigCafé Westend, Wien: Forcher trifft Christian Wetternig zum Interview

Ein Lienzer Kollege hat mir verraten, dass Sie mit ihm die Hippie-Zeit in Osttirol verbracht haben. Ist da ordentlich die Post abgegangen?

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Eberhard Forcher über Osttirol

EBERHARD FORCHER: Ha, mein Hauptproblem damals war die Frisur! Mein Vater hat nicht erlaubt, dass ich lange Haare trage. Nach den Friseurbesuchen war ich immer total frustriert. Damals waren lange Haare ein Renommee. Und es waren auch die Langhaarigen, die zu dieser Zeit die beste Musik geschrieben haben. Es war immer eine coole Sache, wenn im Sommer die Motorradfahrer nach Lienz gekommen sind, da ist die ganze Stadt zusammengelaufen. Die Biker waren für mich der Inbegriff von Freiheit. Wir waren keine extremen Hippies, sondern Hippies im Herzen.

Sie haben den Lehrerberuf an jenem Tag an den Nagel gehängt, an dem die Pragmatisierung anstand und sind nach Amerika gegangen. Eine Bauch-Entscheidung?

EBERHARD FORCHER: Eher eine Herzens-Entscheidung. Ich habe in Innsbruck die Pädag besucht, danach in Wien in einer Sonderschule unterrichtet. Zu dieser Zeit war ich unsterblich in eine Amerikanerin verliebt. Das war auch der Grund, warum ich in die USA gehen wollte. Die Beziehung ist dann zwar gescheitert, ich bin dennoch nach Amerika, wollte das durchziehen. Ich habe mir vorgenommen, dort ein Jahr zu überleben. In den USA habe ich mir die erste Gitarre gekauft und ein paar Griffe gelernt. Bei meiner Rückkehr hab ich gewusst: Ich kann nur noch gewinnen.

Und das haben Sie auch, es war der Durchbruch als Musiker. Hat Sie ihr Vater jemals auf der Bühne gesehen?

FORCHER: Ja, er war einmal mit dabei, als ich in Lienz gespielt habe. Er war dann schon stolz auf die Zeitungsberichte, die über mich erschienen sind.

Können Sie sich noch an Ihre erste Radiosendung erinnern?

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Forcher über anstehende Projekte

EBERHARD FORCHER: Natürlich! Die "Ö3-Musicbox" war für mich damals die ultimative Radiosendung. Als ich aus den USA zurückkehrte, hab ich mich einfach beim Sender gemeldet. Schließlich hatte ich in Amerika einige coole Musiker-Interviews gemacht. Zu meiner Überraschung durfte ich noch am selben Tag ins Studio und an einer Sendung teilnehmen.

Und Ihre erste Geschichte, die Sie fürs Radio gemacht haben?

EBERHARD FORCHER:Ich glaub, die war mit Georg Danzer, den ich schon damals sehr geschätzt habe. Und das ist so geblieben.

Sie sind den Österreichern vor allem als Moderator von "Solid Gold" und "Forchers Friday Music Club" bekannt. Wie schaut eigentlich Ihr Arbeitsalltag aus?

EBERHARD FORCHER: Das Radio ist ja nur ein kleiner Teil meiner Arbeit. Mein zweites Standbein ist die Medienmusik.

Medienmusik, also Signations und "Kennmelodien" von Fernseh- und Radiosendungen. Welche gibt es beispielsweise von Ihnen?

EBERHARD FORCHER: Zum Beispiel die ganzen Signations bei den Sportsendungen. Aber auch von Starmania, vom Volksanwalt und von "Menschen und Mächte" entstammen unserer Feder.

Sie sind auch oft als DJ in ganz Österreich unterwegs - kann man Sie als Workaholic bezeichnen?

EBERHARD FORCHER: Nein, das bin ich nicht. Ich kann mir meine Arbeit gut einteilen. Wenn ich Lust habe, dann hackle ich voll rein. Wenn nicht, dann nicht.

Welche Beziehung hat der Wiener Eberhard Forcher noch zu Osttirol?

EBERHARD FORCHER: Meine Familie lebt in Osttirol, also mein Vater und meine zwei Schwestern. Meine Mutter ist voriges Jahr verstorben. Wobei ich meine Schwester Andrea als Lebensmensch bezeichnen möchte. Sie ist wie eine Seelenverwandte für mich. Und die Landschaft in Osttirol ist ganz besonders. Du fährst da rein, es fällt alles von Dir ab, das ist ein Gefühl des Nachhause-Kommens.

Ich hab Folgendes gelesen:

Wenn Sie sich eine Schlagzeile über sich selbst aussuchen könnten, dann sollte Sie "Coole Sau" lauten. Stimmt das? Wie würde die Geschichte zu dieser Schlagzeile aussehen?

EBERHARD FORCHER: Ja, das stimmt. Und in der Geschichte möchte ich mich gut wiedergegeben sehen. So, dass ich als ganze Persönlichkeit erkannt werde. Dass Menschen tief hinein schauen können und ihnen trotzdem gefällt, was sie sehen.

CHRISTIAN WETTERNIG

Zur Person

Eberhard Forcher wurde am 16. August 1954 in Lienz geboren. Nach der Matura am Lienzer Gymnasium absolvierte er die Pädag in Innsbruck, danach nahm er eine Lehrerstelle an einer Sonderschule in Wien an.

Ausgewandert

Am Tag seiner Pragmatisierung packte er die Koffer und ging für ein Jahr nach Amerika. Dort ist er zum bekennenden Punk konvertiert. 1980 Rückkehr nach Österreich. Sein Ziel: Innerhalb weniger Tage eine eigene Band auf die Beine zu stellen. Und das gelang. Durchbruch mit seiner Band "Tom Pettings Herzattacken". Es folgten zahlreiche weitere musikalische Erfolge.

Karriere

Parallel dazu startete er seine Karriere bei Ö3. Ausgangspunkt war die legendäre "Musicbox". Danach ging es weiter zum bekannten "Treffpunkt Ö3". Es folgten der "Nachtexpress", die "Radiothek", "Radiodrom" und die erste Comedysendung auf Ö3 "Radio Gaga". Noch heute moderiert Eberhard Forcher die Sendungen "Solid Gold" und "Forcher's Friday Music Club". "Ich könnte mir nie vorstellen, ohne Musik zu leben", sagt der gebürtige Lienzer.

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