Psychische Belastung nimmt stark zu
Arbeiterkammer Lienz verzeichnete 2008 Steigerung bei Beratungen. Druck am Arbeitsplatz wird größer, immer mehr Erwachsene tappten in die Kostenfalle Internet.

Foto © Pranter-KreuzerAK-Leiter Wilfried Kollreider kämpft für die Rechte der Arbeitnehmer
Die Sorgen der Osttiroler Arbeitnehmer, die sich im vergangenen Jahr an die Arbeiterkammer (AK) Lienz gewandt haben, sind breit gestreut. Waren im Jahr 2007 noch 4.800 Beratungsgespräche zu verzeichnen, stiegen diese 2008 auf 5400 an. Auch Auswirkungen der Finanzkrise waren zu spüren.
Vor allem Interventionen im Arbeitsrecht sind im vergangenen Jahr in der AK Lienz um 28 Prozent in die Höhe geschnellt. Von Prüfungen von Endabrechnungen und Mehrleistungszuschlägen bei Teilzeitbeschäftigungen bis hin zu Beratungen von Wiedereinstellungszusagen spannte sich der Bogen. Auffallend häufig kamen 2008 psychische Belastungen zum Tragen. "Der entstandene Druck für Arbeitnehmer muss nicht unbedingt vom Arbeitgeber ausgehen. Es sind prinzipielle Stressfaktoren, unter anderem aufgrund der wirtschaftlichen Situation", weiß Wilfried Kollreider, AK-Geschäftsstellenleiter in Lienz, der aus Erfahrung berichten kann, dass viele Arbeitgeber damit nicht umgehen können.
Dubiose Geschäfte. Aber auch dubiose Geschäftemacherei im Internet machte den Osttirolern 2008 zu schaffen. Für scheinbar kostenlose Websites, flatterten plötzlich Rechnungen ins Haus. "Immer mehr Erwachsene tappen in diese Kostenfallen", erklärt Kollreider, der im Bereich Konsumentenschutz nach dem Börsencrash auch viele Beratungen zum Thema Fremdwährungskredite durchführte.
Letzte Chance. Intensivste Beratungen führte die AK in den vergangenen Wochen bezüglich des Finanzdienstleisters AWD und der Immofinaz-Aktie durch. Allein 100 potentiell Geschädigte sprachen bei der AK Lienz vor. Noch bis heute besteht die Möglichkeit sich einer in Aussicht gestellten Sammelklage des Vereins für Konsumenteninformation anzuschließen. "Es besteht kein finanzielles Risiko, wenn man sich daran beteiligt", so Kollreider. Die AK Lienz stockt weiters ihre Mitarbeiter auf, um den akuten Beratungsbedarf abzudecken.
Features
Fakten
Insgesamt intervenierte die Arbeiterkammer Lienz 2008 in 529 Fällen
Arbeitsrecht. 308 Interventionsfälle (+28 Prozent)
Konsumentenschutz. 263 Interventionen (-10 Prozent)
Beratungsgespräche. 5400 (+12 Prozent) Beratungsgespräche
Arbeitsrechtliche Interventionen. Die AK Lienz erkämpfte im vergangenen Jahr insgesamt 385.000 Euro für ihre Mitglieder
Bei Insolvenzen wurden vergangenes Jahr 116 Arbeitnehmer vertreten. Dabei konnte ein Betrag von 415.000 Euro für die Betroffenen erkämpft werden.













