Voitsberg

Die Eselsohren sterben nicht aus

Die Stadtbücherei Voitsberg wird heuer 60 Jahre alt, seit 40 Jahren steht sie unter der Leitung von Brigitte Sturm. Wir haben nicht nur mit ihr, sondern auch mit einer treuen Leserin gesprochen. Von Rainer Brinskelle

Brigitta Sturm in ihrem Lieblingsbereich, der Kinder- und Jugendabteilung mit unzähligen Bilderbüchern
Brigitta Sturm in ihrem Lieblingsbereich, der Kinder- und Jugendabteilung mit unzähligen Bilderbüchern © Rainer Brinskelle
 

Mit ein bisschen Wehmut erinnert sich Ingeborg Blümel an die Anfangszeiten der Voitsberger Stadtbücherei, die von 1958 bis 1976 im rund 700 Jahre alten Stadtturm untergebracht war und damals rund 2200 Bände beherbergte. „Allein über die Wendeltreppe in die Bücherei zu gehen war beeindruckend“, erzählt die 74-Jährige, die sich zumindest ein Buch pro Woche ausleiht und liest. „Dort hat es noch nach Büchern gerochen. Aber es war auch verstaubt“, lacht sie.

Heute, 60 Jahre nach der offiziellen Gründung der Stadtbücherei Voitsberg, ist das freilich anders. In den nach Themen sortierten Regalen befinden sich mehr als 19.600 penibel geordnete Medien (vom Buch bis zur DVD). „Zum Glück habe ich ein fotografisches Gedächtnis. Wenn ein Buch falsch eingeordnet ist, sehe ich das sofort“, sagt Brigitta Sturm, die heuer ebenfalls ein Jubiläum feiern darf.

Sie übernahm die Bibliothek 1976 nach dem Umzug ins Volkshaus, wo die Bücher bis 2001 untergebracht waren. Sturms Vorgänger war Helmut Glaser, der später als Bürgermeister die Geschicke der Stadt Voitsberg lenkte.

Zwar habe sich in den vier Jahrzehnten, seit Sturm die Bibliothek leitet, viel geändert, eines sei aber gleich geblieben. „Es gibt noch immer Leser, die Eselsohren in die Bücher machen“, erzählt Sturm, die das Privileg genießt, ihr Hobby als Beruf ausüben zu dürfen.

Nachbarschaft

An die Zeit zwischen 1976 und 2001, als die Bibliothek im Volkshaus untergebracht war, erinnert sich Blümel gerne – auch wegen der geografischen Lage: „Ich habe nebenan gewohnt und bin mit den Hausschlapfen in die Bücherei gegangen“, lacht die gebürtige Maria Lankowitzerin. „Ich bin halt ein Bücherwurm. Oft gehe ich ins Bett und lese, schaue auf die Uhr und es ist plötzlich ein Uhr nachts.“ In ihrer Kindheit habe sie an Karl-May-Büchern einen Narren gefressen, später las sie gerne Krimis, nun sind es historische Romane.

Rainer Brinskelle Ingeborg Blümel in der historischen Ecke der Stadtbücherei Voitsberg
Ingeborg Blümel in der historischen Ecke der Stadtbücherei Voitsberg © Rainer Brinskelle

Besonders zufrieden sei Blümel mit dem „großartigen Service“ des Bücherei-Teams und erzählt, wie sie im vergangenen Jahr unbedingt den jüdischen Roman „Die Hochzeit der Chani Kaufman“ von Eve Harris lesen wollte, nachdem sie im Fernsehen eine Rezension gesehen hatte. „Nach drei Wochen bekam ich den Anruf aus der Bücherei, dass das Werk angekauft wurde“, freut sich Blümel. Sie hat seit 2001, als mit dem Bibliotheks-Umzug in die Musikschule auch die Entlehnung digitalisiert wurde, genau 712 Werke entlehnt.

Die Ähnlichkeit der Bücher

„Insgesamt werden es einige Tausend gewesen sein“, meint Sturm, die pro Jahr sogar rund 1000 Bücher liest: vom belletristischen Werk über Sachbücher bis hin zu Bilderbüchern. Aber mit einer Einschränkung: Bei Romanen lese sie nur Einleitung und Schluss sowie den Klappentext, zu ähnlich seien sich viele Werke.

Sturms Verdienst ist es, dass die Bücherei auch im digitalen Zeitalter floriert, so wurden im vorigen Jahr knapp 30.000 Entlehnungen verbucht, wobei die Bibliothek mehr als 3000 eingeschriebene Leserinnen und Leser zählt, von denen 600 zumindest ein Medium pro Jahr ausleihen.

Stolz ist die Bibliothekarin nicht nur auf die Kinderbuchabteilung, sondern auch auf die Zusammenarbeit mit den Bibliotheken Bärnbach und Köflach. Wer in einer der Büchereien eingeschrieben ist, kann an allen drei Standorten Werke entlehnen.

Die rund 1700 Medien, die von der Stadtbücherei Voitsberg jährlich angeschafft werden, bezieht man allesamt in der Bezirksstadt: „Die Bücher kaufen wir in der Buchhandlung Lesezeichen, die DVDs bei Libro“, betont Sturm, die sich bei ihrem Team und den zahlreichen freiwilligen Helfern für die Unterstützung bedankt.

 

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