Arbeitsmarkt

Was der Jobverlust alles auslöst

Die Arbeitslosigkeit Älterer und Menschen mit Behinderung ist hoch wie nie. Fünf Betroffene verlassen auf der Suche nach einem Job die anonyme Masse. Von Rainer Brinskelle

 Ziel ist es, auf Einzelschicksale aufmerksam zu machen und Betroffenen unkompliziert zu helfen.
Ziel ist es, auf Einzelschicksale aufmerksam zu machen und Betroffenen unkompliziert zu helfen. © Rainer Brinskelle
 

Die Stimmen klingen heiser, die Hände zittern: Man merkt den zwei Männern und drei Frauen an, dass es ihnen nicht leicht fällt, über die Hindernisse auf ihren Lebenswegen zu sprechen. „Mir wird immer gesagt, ich sei auf dem Arbeitsmarkt ,unbrauchbar’“, schildert Andrea Hreben (49). „Die Arbeitslosigkeit hat viel Negatives ausgelöst. Ich habe nicht einmal in der Familie Verständnis gefunden, wie soll ich das dann in der Öffentlichkeit bekommen“, bringt es die gelernte Einzelhandelskauffrau und Pflegehelferin auf den Punkt.

Rainer Brinskelle Sind auf Arbeitssuche: Andrea Hreben, Renate Reinprecht und Barbara Loitzl (von links)
Sind auf Arbeitssuche: Andrea Hreben, Renate Reinprecht und Barbara Loitzl (von links) © Rainer Brinskelle

Beschäftigung zu haben ist nicht nur aus finanzieller Sicht wichtig, sondern sie bringt auch Anerkennung und gibt psychische Stabilität. So wie Hreben geht es vielen Menschen: Im November waren im Bezirk Voitsberg 492 über-50-Jährige auf Arbeitssuche, um neun Prozent mehr als ein Jahr davor. Um das zu ändern, hat Sabine Wittmann, Geschäftsführerin der Gemeinnützigen BeschäftigungsgesmbH Best, Unternehmer, Politiker und Betroffene zu einem Adventfrühstück in das Haus des Lebens in Voitsberg eingeladen.

Unkompliziert helfen

„Wir wollen Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, ein Gesicht geben“, schildert die Initiatorin. Ziel ist es, auf Einzelschicksale aufmerksam zu machen und Betroffenen unkompliziert zu helfen. „Hauptsächlich geht es um Hilfe zur Selbsthilfe, indem wir den Leuten am Arbeitsmarkt eine Chance geben“, sagt Wittmann.

Hauptsächlich geht es um Hilfe zur Selbsthilfe, indem wir den Leuten am Arbeitsmarkt eine Chance geben. 

Sabine Wittmann, Best-Geschäftsführerin

Die möchte auch der gelernte Maurer Manfred Bergmann (52) bekommen, der wegen Bandscheiben-Problemen seinen Job verloren hat und noch bis 31. Dezember bei Best arbeiten kann. „Ich will im Bereich Lagertätigkeiten arbeiten, ich habe auch den Staplerschein.“ Barbara Loitzl ärgert sich über den Umstand, dass es auf „Bewerbungen keine Rückmeldungen gibt“.

Eine Chance bekommen

Besonders schwer haben es Menschen, die körperliche Einschränkungen haben, so wie Renate Reinprecht (49), die zu 60 Prozent invalid ist. „Ich habe vier Kinder und deswegen Angst, wie ich über die Runden kommen soll. Ich wünsche mir einfach, dass Menschen mit Behinderung eine Chance bekommen.“ Dasselbe fordert der Beschäftigungslose Karl Scherz (58), der in ärztlicher Behandlung ist und im Frühjahr wieder fit sein möchte: „Vor 14 Tagen habe ich mein Auto verkauft, weil ich irgendwie über die Runden kommen muss.“

Manfred Bergmann und Karl Scherz (von links) wollen endlich wieder arbeiten gehen
Manfred Bergmann und Karl Scherz (von links) wollen endlich wieder arbeiten gehen Foto © Rainer Brinskelle

Michael Bukoschegg vom Psychosozialen Zentrum weist auf die hohen Leistungsanforderungen und den Anstieg an Mobbingfällen hin: „Im Steiermarkschnitt haben wir im Bezirk Voitsberg eine besonders hohe Nachfrage nach unserem Angebot.“ Es gebe auch eine direkte Verbindung zwischen Dauer der Arbeitslosigkeit und Ausbruch psychischer Erkrankungen: „Betroffenen geht die Kraft aus.“
Die Organisatorin Sabine Wittmann hofft nun, dass sich Unternehmer ein Herz nehmen und den Betroffenen helfen.

Kommentare (6)

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alejulval
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selber auf

arbeitssuche gehen .Das Ams bringt wenige Leute in Fa. unter ich weis nicht warum aber zwei Bekannte haben arbeit selbr gefunden. Beim AMS haben sie diese irgendwie abgefertigt damit sie nicht Streß bekommen.

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Kreutzbruck0
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Arbeit

in unseren Zeiten ist ohnehin nur Ursache für den Klimawandel. Oder will wer Jobs wie "Produzent von Plastik Figuren für Überraschungseier"? Solange dieses System gültig ist, sollten wir es bekämpfen. Dazu benötigt es allerdings keine Leute, die unbedingt jemanden brauchen, der ihnen sagt, was sie zu tun haben, sondern Wissen und Lernwillen. 'Raus aus der Abhängigkeit, Lebenskosten einschränken, sich Kurse und Schulen selber bezahlen, Rad fahren.

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baron1
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als pflegehelferin keine arbeit zu finden ? das ist sicher ein druckfehler ausser man kann wegen einer krankheit dies nicht mehr ausüben.

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evergreen
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niemals resignieren -

- u.jeden tag zum ams u.die dort nerven bis zum geht nicht mehr...

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evergreen
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jaja -

- wir haben jetzt viele neue FACHKRÄFTE!!!!

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evergreen
0
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beim ams -

- bin ich jeden tag gewesen - kommen sie in 3mon.wieder heißt es,dann stelle bei einer leihfirma. das ist wohl die einzige möglichhkeit wieder zu arbeiten u.bin dann von der reellen firma übernommen worden versuchen sie es mal auch damit.

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