Deutschkurse

Täglicher Unterricht wäre notwendig

Sprachkurse für Asylwerber werden derzeit heiß diskutiert. In Köflach wurde der Kurs im Kunsthaus beendet. Lehrkräfte werden gesucht. Von Rainer Brinskelle und Andrea Kratzer

Für Deutschkurse werden freiwillige Helfer gesucht
Für Deutschkurse werden freiwillige Helfer gesucht © Rotes Kreuz Steiermark
 

Über das Angebot an Deutschkursen für Asylwerber im Bezirk Voitsberg wird derzeit viel diskutiert. Auslöser war das Ende der Kurse im Kunsthaus in Köflach, das für viele Beteiligte überraschend kam.
„Während der Dienstzeit und auf Kosten des Steuerzahlers geht das nicht. Aber wir bieten gern die Räumlichkeiten der Bibliothek kostenlos dafür an, wenn das jemand in seiner Freizeit machen will“, kontert der Köflacher Bürgermeister Helmut Linhart auf entsprechende Kritik. Bisher habe aber noch niemand danach gefragt. „Die Kurse sind noch von Wilhelm Zagler als Kommissär genehmigt worden, ich habe davon nichts gewusst.“

Seither sucht man in Köflach eifrig nach einer neuen Herberge. Derzeit wird nur ein Kurs von der Pfarre abgehalten. „Wir suchen auch Ehrenamtliche, die Sprachkurse abhalten“, sagt Dietmar Böhmer, Kurator der Evangelischen Pfarre Voitsberg. Mit der von ihm initiierten Plattform „MenschenRechteReligion“ koordiniert er die Flüchtlingshilfe im Bezirk Voitsberg. „Derzeit sind rund 25 Personen ehrenamtlich in die Organisation und die Abhaltung von Deutschkursen involviert“, erzählt Böhmer.

Sprachkurse bieten momentan die Evangelische und die Katholische Kirche sowie die Adventistengemeinde in Voitsberg an. In Krems werden Asylwerber in ihrer Unterkunft unterrichtet, in Rosental und im Oberstufenrealgymnasium Mio in Voitsberg sowie in Edelschrott werden Flüchtlinge beim Erlernen der Sprache ebenso unterstützt. „Was wir machen, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Eigentlich wäre es notwendig, die Menschen täglich drei Stunden zu unterrichten“, erklärt Sarah Egger vom Mio, die Asylwerbern ehrenamtlich Deutsch beibringt.

Mangel an Helfern

Tatsächlich kommen die Flüchtlinge gerade einmal auf ein bis zwei Deutschstunden pro Woche. Ein Problem sei, dass gerade zu Jahresende viele Ehrenamtliche beruflich so gefordert seien, dass sie ihr Engagement zurückschrauben müssten. Sollte die Unterbringungsquote von 1,5 Prozent Asylwerber im Vergleich zur Einwohnerzahl erfüllt werden, könnten demnächst ohnehin weitere Flüchtlinge in den Bezirk kommen, wodurch der Bedarf an Helfern steigt.

Böhmer ortet zudem eine Hemmschwelle, weil sich manche nicht dazu qualifiziert sehen, einen Deutschkurs abzuhalten. „Natürlich wäre eine pädagogische Ausbildung von Vorteil. Aber hier geht es nicht um ein hochakademisches Angebot, sondern in Wahrheit um einen Konversationskurs, damit die Asylwerber Kontakt zu unserer Bevölkerung haben“, erklärt Böhmer. Es werden aber auch Menschen gesucht, die mit den Asylwerbern spazieren gehen oder einfach Zeit verbringen. Auf der Webseite menschenrechtereligion.eu kann man mit Böhmer Kontakt aufnehmen, wenn man sich engagieren möchte.

Spendenaktionen

Derzeit sind auch einige Spendenaktionen in Vorbereitung. In der Evangelischen Kirche soll Anfang Dezember ein Benefizkonzert stattfinden. Und Schülerinnen und Schüler vom BG/BRG Köflach basteln Adventkränze. „Mit dem Reinerlös aus dem Verkauf wird Lehrmaterial für die Deutschkurse angeschafft“, erklärt Gudrun Finder, Direktorin des BG/BRG Köflach. Der Impuls dafür sei von den Schülern gekommen. Es gehe darum, ein Zeichen zu setzen. Fünf Asylwerber werden derzeit am BG/BRG in der Oberstufe unterrichtet. „Sie lernen im Klassenverband Deutsch, das funktioniert wirklich sehr gut“, so Finder.