Begegnungsabend in Maria Lankowitz

Auf der Flucht dem Tod begegnet

Nach Köflacher und Voitsberger Vorbild fand nun auch in Maria Lankowitz ein Begegnungsabend mit den Flüchtlingen statt. Um Vorurteile abzubauen und aufzuklären. Durchaus mit Erfolg. Von Katharina Pillmayr

© Katharina Pillmayr
 

"Ich bin auch ein Ausländer. Als ich vor neun Jahren nach Maria Lankowitz gekommen bin, war es für mich nicht leicht. Heute fühle ich mich wohl." Mit diesen Worten eröffnete Pater Josua Gonsior den Begegnungsabend. "Es tut weh, wenn Menschen Abstand nehmen, sobald sie uns sehen", wird einer der Flüchtlinge später erzählen. "Warum ist das so? Ich bin ein Mensch wie jeder andere, ich habe nur eine andere Farbe." Um Vorurteile abzubauen und aufzuklären, wurde nun – nach Köflach und Voitsberg – in Maria Lankowitz, wo 17 Asylwerber untergebracht sind, ein Begegnungsabend organisiert.

Die Ausgangslage der Flüchtlinge wurde mithilfe eines Films gezeigt und Eva Eckhard vom Beratungszentrum Zebra hat über "Asylwesen in Österreich" gesprochen. Den Männern aus Syrien, Afghanistan und Libanon gehen die Bilder sichtlich nahe. Einige kämpfen mit den Tränen. Auch den Menschen im Publikum ist das beklemmende Gefühl anzusehen. Nach dem Film beginnt die Diskussion. „Warum sind nur die Männer hier?“, will ein Gast wissen. "Der Weg ist sehr gefährlich. Wir waren tagelang zu Fuß unterwegs", erklärt Basel.

Tod als Wegbegleiter

Rawezh Salim, ein Bautechniker, der seit 18 Jahren in Österreich lebt und "nebenbei Dolmetsch studiert" hat, übersetzt. "Aber das geht doch nicht. Man kann Frauen und Kinder nicht alleine lassen", ruft eine Zuhörerin empört. "Wir mussten durch Wälder, das Meer überqueren, trafen auf Banditen. Unsere Familien haben wir zuvor an sichere Orte gebracht", versucht ein Syrer die kopfschüttelnde Frau zu besänftigen. "Wir sind vor dem Tod aus unserer Heimat geflüchtet – und sind ihm auf der Flucht wieder begegnet", schildert ein anderer.
"Wir wollen ein Leben ohne Angst führen, ein friedliches Miteinander und uns in die Gesellschaft integrieren. Ein erster Schritt ist, Deutsch zu lernen, wir wollen auch eine Arbeit finden oder unsere eigenen Berufe ausüben."

Derzeit befinden sich die Flüchtlinge in der Grundversorgung, das heißt, sie erfüllen die Kriterien Hilfs- und Schutzbedürftigkeit. Monatlich bekommen sie 150 Euro, ihr Arbeitsmarktzugang ist eingeschränkt, erlaubt sind nur gemeinnützige Beschäftigung, Saisonarbeit und Erntehilfe. Die Freibetragsgrenze liegt bei 110 Euro pro Monat (alles darüber muss gemeldet werden). Die Flüchtlinge hoffen nun auf Asyl, damit sie ihre Familien (auf eigene Kosten) nachholen können.

Auf der schwarzen Liste

"Wie ist euer Status – nach der Flucht – in eurer Heimat? Steht ihr auf schwarzen Listen", fragt Pater Josua. "Natürlich. Eine Rückkehr ist unmöglich." Sie seien vor dem Krieg und dem Dienst bei der Miliz oder einer Gruppierung geflohen. "Jeder, der eine Waffe halten kann, wird verpflichtet. Wer nicht will, muss flüchten", berichtet Basel. "Die Radikalen missbrauchen Gott, deuten die Worte im Koran um und schüren Hass", erklärt ein Syrer. Zuspruch aus dem Publikum: "Überall, wo Krieg ist, kann kein Glaube dahinter sein." Pater Josua fordert, die Verfahren zu verkürzen: Man müsse "dort, wo Unmenschliches passiert, schnell handeln". Zum Ausklang beten Flüchtlinge und Gäste das "Vaterunser" – in zwei Sprachen. "Es gibt nur einen Gott – und der will Frieden, egal, wo jemand wohnt", schließt Pater Josua.

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