Begegnungsabend in Voitsberg

Ein Kreuz aus Bombensplittern

250 Zuhörer folgten der Einladung zum Begegnungsabend mit Flüchtlingen in Voitsberg. Bekannte Vorurteile wurden mit Fakten widerlegt. Von Rainer Brinskelle

Dietmar Böhmer, Erich Linhardt, Jan Saria und Martin Rapp von der Pfarre (von links) mit dem Kreuz aus Bombensplittern
Dietmar Böhmer, Erich Linhardt, Jan Saria und Martin Rapp von der Pfarre (von links) mit dem Kreuz aus Bombensplittern © Rainer Brinskelle
 

Eine Viertelstunde vor Beginn ist der kleine Saal im "Haus des Lebens" der Pfarre Voitsberg bereits zum Bersten gefüllt. 250 Interessierte drängen sich letztendlich in den Raum, um aus erster Hand Informationen und Berichte über Schicksal, Lebensunterhalt und Integration von Asylwerbern zu bekommen.

Der Abend beginnt gleich mit einem Eklat: Ein Unbekannter hatte ein Foto aufgelegt. Darauf steht die Frage, weshalb man solchen Menschen überhaupt Asyl gewähren soll? Das Publikum reagiert mit kollektivem Kopfschütteln auf den Angriff.

"Warum wir die Flüchtlinge unterstützen?" Dechant Erich Linhardt von Pfarre Voitsberg klärt zu Beginn auf: "Weil wir daran glauben, dass vor Gott jeder Mensch gleich ist." Deshalb bittet Linhardt auch um Unterstützung vonseiten der Bevölkerung. 220.000 Syrer sind durch den Bürgerkrieg bereits zu Tode gekommen, 12 Millionen sind auf der Flucht, 3,7 Millionen davon im Ausland, bringt Dietmar Böhmer, Kurator der evangelischen Pfarre Voitsberg, zu Beginn ein paar Fakten aufs Tapet. Sabina Dzalto, Leiterin der Flüchtlingsunterbringung bei der Caritas, ergänzt: Im Bezirk Voitsberg sind etwas mehr als 200 Flüchtlinge untergebracht, vier Prozent der 4900 Asylwerber in der Steiermark. 30 davon wohnen in der Stadt Voitsberg.

40 Euro Taschengeld

Über die "Einkünfte" eines Asylwerbers klärt Dzalto auf: So würden einem Selbstversorger-Flüchtling in der Grundversorgung 150 Euro Verpflegungsgeld und Grundnahrungsmittel sowie 40 Euro Taschengeld pro Monat zustehen. Für Bekleidung gebe es drei Mal jährlich 50 Euro, für schulpflichtige Kinder zudem im Nachhinein – gegen Rechnungsvorlage – eine Schulkostenrefundierung von 200 Euro.

Im Gegensatz dazu herrscht Anwesenheitspflicht in den zugewiesenen Quartieren. Zudem werde die Hilfsbedürftigkeit regelmäßig überprüft. "Es könnte ja sein, dass ein Flüchtling im Lotto gewinnt. Das ist aber noch nie vorgekommen", sorgt Dzalto für Schmunzeln im Publikum.
Mit Mythen über die Flüchtlinge räumt Barbara Plavcak vom interkulturellen Beratungs- und Therapiezentrum "Zebra" auf: "Ein Land kann sich nicht aussuchen, ob es Flüchtlinge aufnimmt oder nicht. Österreich hat die Genfer Flüchtlingskonvention unterschrieben." Damit habe man sich, wie 146 weitere Staaten, zur Aufnahme bekannt.

Frauen als Opfer

"Warum sind eigentlich nur Männer hier?", eröffnet ein Mann in azurblauem Hemd die Publikumsfragen. "Niemand, der seine Frau und seine Kinder ernsthaft liebt, schickt diese bei einer Flucht vor", antwortet Dzalto. Zumal 90 Prozent aller Frauen auf der Flucht Opfer von sexueller Gewalt werden. Flüchtlinge würden ohnedies zwei Traumata durchmachen: ein Trauma bei beim Verlassen der Heimat und ein weiteres beim Warten auf das Ergebnis des Asylverfahrens.

"Und für die Nachholung der Angehörigen zahlen wir mit?", hakt der Mann nach. Gerda Jansche, die stellvertretende Leiterin des Flüchtlingsreferates des Landes, kennt die Antwort: "Erst wenn der Betroffene als Flüchtling anerkannt wird, kann er Ehepartner und minderjährige Kinder nachholen – auf eigene Kosten." Das Land müsse nur beim Visum behilflich sein. "Und wie soll er sich das leisten können?", will ein anderer wissen. "Wer anerkannt ist, hat Zugang zum Arbeitsmarkt – und kann Geld verdienen", bringt es Jansche auf den Punkt. Ein Großteil der Zuhörer gab Zwischenapplaus.

Was einen weiteren Zuhörer in Unbehagen versetzt. "Wenn alle Asylwerber auf unseren Arbeitsmarkt drängen, bleiben für uns doch keine Jobs mehr übrig!" Eine Wortmeldung, die Jansche sichtlich verärgert: "Was wollen Sie jetzt?", fragt die Flüchtlingsreferentin ins Publikum. Auf der einen Seite wolle man nicht, dass uns Asylwerber auf der Tasche liegen, auf der anderen Seite sei man dagegen, dass sie ihr eigenes Geld verdienen, Steuern zahlen.

Zum Abschluss der Veranstaltung überreichte Integrationsbotschafter Jan Saria, der selbst aus Syrien geflüchtet war, ein Kreuz an Linhardt: Das Symbol haben die in Voitsberg untergebrachten Asylwerber aus Bombensplittern hergestellt.

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Danke für Ihr Verständnis.

office1
8
1
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Zu viele

Es sind einfach zu viele geworden, deshalb wollen wir nicht mehr mehr.
Es ist zu viel für Österreich, die Steiermark.

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vjestica
1
2
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zu viele?

was sollen dann die nachbarländer der kriegsgebiete sagen?

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