Bezirk Voitsberg

Land hält Asylquartier nicht für familientauglich

Rostige Duschkabine, aus dem Tisch ragende Schraube, abgewohntes Mobiliar: Laut Prüfung durch das Land erfüllt Quartier in Söding-St. Johann nicht den Standard und sei „für Familien ungeeignet“. Von Katharina Pillmayr

Land hält Asylunterkunft nicht für familientauglich
Land hält Asylunterkunft nicht für familientauglich © Katharina Pillmayr
 

"Was ich dort erlebt habe, habe ich noch nie in einer Unterkunft für Asylwerber gesehen“, berichtet ein Informant, der das Quartier kennt, der Kleinen Zeitung. „Die Duschwand ist rostig. Von einer Tischkante steht eine Schraube heraus. An manchen Stellen bröckelt Farbe von den Wänden, die Flecken auf dem Laminatboden haben sich längst hineingefressen“, schildert er.

Zudem sei es dreckig und der Teppich auf der Stiege sei grau und klebrig. In dem Haus in der Gemeinde Söding-St. Johann, das früher als Bordell genutzt wurde, leben derzeit 25 Personen, darunter auch mehrere Kinder.

Nach den Recherchen der Kleinen Zeitung reagierte auch das Büro der für Asylangelegenheiten zuständigen Landesrätin Doris Kampus. Es erfolgte eine unangemeldete Prüfung des Quartiers, bei der festgestellt wurde: „Die Unterkunft ist nicht wünschenswert und für Familien ungeeignet.“ Zum Gesamteindruck heißt es jedoch: „Die Kontrolle durch das Referat für Flüchtlingsangelegenheiten hat ergeben, dass es keine gravierenden Mängel gegeben hat. Herausstehende Nägel sind für Kinder jedoch gefährlich. Auch ist das Mobiliar zu großen Teilen sehr stark abgenutzt.“ Die anderen Schilderungen des Informanten werden seitens des Landes ebenfalls bestätigt.

Andrea Kratzer Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Erwin Dirnberger
Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Erwin Dirnberger © Andrea Kratzer


Bürgermeister Erwin Dirnberger sagt, ihm sei nichts über Missstände bekannt, das Land habe dem ÖVP-Landtagsabgeordneten „nichts mitgeteilt“. Auch nicht, dass die Unterkunft überprüft werden sollte.

Hausmeister

Der Quartiergeber, der nicht namentlich genannt werden will, kann die Ergebnisse der Kontrolle nicht nachvollziehen: „Das ist alles nicht richtig. In dem Haus ist laufend etwas zu machen. Ich habe die Dusche in den letzten eineinhalb Jahren schon drei Mal saniert. Der Teppich wird zwei Mal im Jahr schamponiert. Und die Schraube beim Tisch steht deshalb heraus, weil der Tischfuß abmontiert wurde und jetzt verschwunden ist.“

Der Eigentümer hat, wie er sagt, schon mehrere Staubsauger, Waschmaschinen und Herdplatten auswechseln müssen, die Sitzgarnitur sei von den Flüchtlingen demoliert worden. Den Vorwurf, sich nicht zu kümmern, lässt er nicht gelten: „Wenn ich nicht auf das Haus schauen würde, hätte ich doch nicht extra jemanden (Anm.: es gibt in diesem Haus einen Hausmeister) angestellt."

Wenn ich nicht auf das Haus schauen würde, hätte ich doch nicht extra jemanden angestellt. 

Der Quartiergeber

Für die Unterbringung und alle Reparaturen, die anfallen, reiche das Geld, das er vom Land für die Unterbringung der 25 Asylwerber bekomme, nicht aus, er müsse dazuzahlen. Ein Quartiergeber erhält zwölf Euro pro Kopf und Tag. Das wären in diesem Fall rund 9000 Euro monatlich – für die Unterbringung in der Unterkunft mit Selbstversorgung.

Nach der Prüfung wurde der Inhaber des Quartiers vom Land aufgefordert, die „Missstände zu beseitigen und dafür zu sorgen, dass die Wohnsituation verbessert“ wird. An ihn ergeht eine schriftliche Kopie des Kontrollberichts, innerhalb von 14 Tagen muss er die Auflagen erfüllen und „das Quartier auf Vordermann bringen“. Nach den bisherigen Sanierungen werde er das auch jetzt wieder machen, erklärt er.

Verlässlicher Quartiergeber

Der Quartiergeber sei verlässlich, „ich bin überzeugt, dass er die Missstände schleunigst beseitigen wird“, betont Dirnberger. Geschieht dies nicht, könnte es zu Konsequenzen kommen. „Allgemein gesprochen: Wenn ein Quartier nicht funktioniert, wird es nicht nachbelegt und zugesperrt“, erklärt ein Sprecher der Landesrätin. „Da es sich um Landesquartiere handelt, muss man schauen, dass diese in Ordnung sind und bleiben“, führt der Sprecher weiter aus. Es gebe laufende Kontrollen, aber auch anlassbezogen werde geprüft.

Als man das Gebäude als Quartier für Asylwerber ausgewählt hat, erachtete das Land als positiv, dass das Haus schon länger bestehe, ein Hausmeister da sei und es eine gute Anbindung an den Bus gebe. Auch vermittelte der „Quartierbetreiber den Eindruck, bemüht zu sein“. Von Vorteil sei zudem die Nähe zur Volksschule, in der Deutschkurse abgehalten werden. Dass die Bewohner sehr gut Deutsch sprechen, sei bereits bei Befragungen im Zuge ihrer Asylverfahren positiv aufgefallen.