Windkraft im Gebirge stößt auf Gegenwind
Auf Moschkogel und Steinriegel sollen weitere Windräder kommen. Gutachten bestätigen den Rückgang der Raufußhühner. Diese Gutachten werden jetzt kritisiert.

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Im Stuhleck-Gebiet weht der Wind, der ungehindert aus dem östlich gelegenen Alpenvorland kommt, heftig und konstant. Seit einigen Jahren laufen zwei Windkraftanlagen in diesem Gebiet, die diese Energie nutzen: Auf dem Moschkogel sind es fünf Windräder, auf dem nahe gelegenen Steinriegel zehn.
Ausbaupläne. Und weil's so gut läuft, haben beide Betreiber Ausbaupläne. Auf dem Steinriegel, der auf der Weizer Seite liegt, sollen sieben weitere Windräder hinzukommen, beim Windpark Moschkogel auf Mürztaler Seite will man um zwei Räder aufstocken.
Bewilligung fraglich. Aber ob der Ausbau bewilligt wird, ist fraglich. Jährliche Erhebungen weisen nämlich einen deutlichen Rückgang von Birk- und Auerwild bei der Windkraftanlage nach. Jetzt aber werden diese Erhebungen angezweifelt.
Zur Vorgeschichte: Bei der naturschutzrechtlichen Bewilligung im Jahr 2004 wurde die Auflage erteilt, alljährlich den Bestand von Auerhahn und Birkhahn rund um die Windkraftanlage zu erfassen. Den Auftrag erhielt eine Wildbiologin der Wiener Universität für Bodenkultur.
Drastischer Rückgang. Diese konstatierte etwa im Jahr 2007 einen drastischen Rückgang der Auerhahnen - schränkte aber selber ein, dass nicht alle Gebiete untersucht wurden. Bei Birkwild wurde an einem Tag gezählt, an dem Regen und schlechte Sicht herrscht - auch hier wurden deutliche Rückgänge festgestellt.
Gutachten. Weil dieses Gutachten entscheidend für die Bewilligung zweier weiterer Windräder auf dem Moschkogel sein kann, hat Robert Lotter, Geschäftsführer der "Viktor Kaplan-Akademie für Zukunftsenergien" in Mürzzuschlag, eine Überprüfung dieses Gutachtens in Auftrag gegeben.
Die Kaplan-Akademie betreibt den Windpark Moschkogel, und Lotter beauftragte die Firma "Ökoteam" in Graz mit einer "Evaluierung" des Gutachtens. Ökoteam stellte "gravierende Mängel" fest: Man zweifelt die Zählergebnisse an - und selbst wenn diese stimmen sollten, sei nicht erwiesen, dass die Windkraft für den Rückgang an Birk- und Auerwild verantwortlich ist.
Gutachten hinterfragt.Lotter: "Es sieht so aus, als müsste man die Gutachten der letzten Jahre massiv hinterfragen." Ihn stört auch, dass Johann Schrotthofer, Obmann des Jagdschutzvereins Mürzuschlag und erklärter Gegner des Windparks, bei der Zählung mitgearbeitet hat.
g"Gößere Zusammenhänge". Schrotthofer wehrt sich dagegen, hier einen Konflikt zwischen ihm und Lotter zu konstruieren: "Das hat nichts mit uns beiden zu tun, es geht auch nicht um ein paar Hahnen auf dem Moschkogel, hier geht's um viel größere Zusammenhänge." Schrotthofer beruft sich auf die kürzlich abgehaltene Tagung von Wildbiologen (siehe rechts). Man dürfe den Lebensraum gefährdeter Arten nicht weiter zerstören.
Solide wissenschaftliche Basis. Lotter betont, dass er durchaus die Probleme sieht. Aber man müsse die Sache auf eine solide wissenschaftliche Basis stellen. Und die ist für ihn mit den bisherigen Gutachten einfach nicht ausreichend gegeben.
Features
MOSCHKOGEL:
In Betrieb seit Juli 2007, erzeugen die fünf Windräder im Jahr 21 Millionen Kilowattstunden Strom.
Die Leistung beträgt je 2,3 Megawatt pro Windrad, das entspricht insgesamt 15.640 PS.
Die Säulen ragen 65 Meter in die Höhe, die Räder haben 71 Meter Durchmesser.
STEINRIEGEL:
In Betrieb seit Herbst 2005 auf der Rattener Alm, bestehend aus zehn Windrädern.
Die Leistung beträgt 1,3 Megawatt pro Windrad, macht insgesamt 17.700 PS.
Die Größe der Räder ist ähnlich wie am Moschkogel, beide Anlagen liegen auf 1580 Metern Seehöhe.








