Hier funktioniert das Modulsystem
Sitzenbleiben ist bald weitgehend passé: Ab 2017 wird bundesweit die Modulare Oberstufe eingeführt. Dazu gibt es viele Fragen. In steirischen Pilotschulen hat man Antworten gefunden.

Foto © Marija Kanizah
Ab 2017 wird für alle Oberstufenschüler und -lehrer vieles gänzlich anders sein als heute: Schließlich kommt mit dem vor Kurzem von der Bundesregierung beschlossenen Modulsystem eine neue Art des Lernens in die Klassenzimmer ab der zehnten Schulstufe. Wie das funktionieren kann, stellen ein paar Schulen in der Steiermark schon lange unter Beweis.
Pilotschulen
Eine dieser Pilotschulen ist das Oberstufengymnasium der Ursulinen in Graz. Dort beschäftigt man sich mit den Fragen, die zum neuen System auftauchen, schon seit vier Jahren - und hat praktikable Lösungen gefunden. "Im Prinzip haben es alle sehr gut aufgenommen, Schüler, Lehrer und Eltern", sagt Direktorin Sr. Anna Kurz. Auch wenn es anfangs viel zu erklären gab - und es viel mehr Arbeit für die Lehrer bedeutet.
Bei den Ursulinen findet der Unterricht, wie auch im bundesweiten Modell vorgesehen, in semesterweisen Modulen statt. Eine ganze Schulstufe mit allen Fächern zu wiederholen, ist grundsätzlich nicht vorgesehen. "Sitzenbleiben" ist weitgehend passé, man bleibt auch bei einer negativen Beurteilung im Klassenverband. Schließt ein Schüler nach der zweiten Wiederholungsprüfung ein Modul nicht positiv ab, muss er es wiederholen. Aber eben nur dieses und nicht das ganze Jahr. Positive Noten bleiben auf jeden Fall erhalten.
Wie das funktionieren kann? "Die Module bauen nicht zwangsläufig aufeinander auf", erklärt Kurz. "Aber natürlich müssen die Schüler ein negatives Modul so schnell wie möglich ausbessern." Das passiere sogar schneller als im herkömmlichen Schulwesen. "Denn auch das Halbjahreszeugnis ist verbindlich", so die Direktorin. Intensives Lernen ist dafür notwendig.
Fünfer bis zur Matura mitschleppen kann man bei den Ursulinen nicht. "Muss ein Schüler ein Modul wiederholen, bekommt er einen eigenen Stundenplan", so Kurz. "Das ist ein enormer administrativer Aufwand, aber positive Noten bleiben so erhalten." Die ganze Klasse muss nur im Ausnahmefall wiederholt werden: wenn jemand drei Module im gleichen Fach oder vier in unterschiedlichen Fächern negativ abgeschlossen hat.
Im bundesweit beschlossenen System darf ein Schüler ebenfalls ein Mal in seiner Oberstufenkarriere mit drei Fünfern aufsteigen - auf Beschluss der Klassenkonferenz. Dennoch müssen alle Module schnellstmöglich positiv abgeschlossen werden. Zur Matura darf man höchstens ein negatives Modul mitnehmen.
Max darf aufsteigen
Ein Beispiel: Max geht in die sechste Klasse (zehnte Schulstufe) eines Oberstufengymnasiums. Im zweiten Semester schließt er das Mathematik-Modul negativ ab. Er darf nun nach einer Lernphase eine Semesterprüfung über den Stoff ablegen. Ein Lehrer steht ihm als "Lernbegleiter" zur Seite. Max schafft auch die Semesterprüfung nicht. Dennoch darf er in die nächste Klasse aufsteigen und hat die Möglichkeit, noch zwei Mal zur Prüfung anzutreten. Seine positiven Noten bleiben ihm erhalten.
Features
Fakten
Ab dem Schuljahr 2017/2018 wird die Modulare Oberstufe österreichweit flächendeckend umgesetzt.
Erfahrungen damit haben neben den Ursulinen in Graz auch die steirischen Schulen HLW Deutschlandsberg und BHAK Weiz. Dort gibt es schon seit Jahren kein klassisches Sitzenbleiben mehr.









