Die Steiermark bleibt die "Feinstaub-Hochburg"
Die kalte Jahreszeit treibt die Luftbelastung nach oben. Im Winter bekommt die A 9 wieder einen dauerhaften "Luft-100er". Landesrat holt sich indes Tipps bei anderen EU-Regionen.

Foto © Fuchs/SujetDie Feinstaub-Saison steht vor der Tür
Die Schonzeit beim Feinstaub ist vorbei. Kaum hat die kalte Jahreszeit eingesetzt, steigt die Luftbelastung in Graz und in Teilen der Süd-, West- und Oststeiermark kräftig an. Durch die Inversionswetterlage - ein kalter Nebelsee liegt im Tal, während sich die Luft auf den Bergen erwärmt - sind die Feinstaubwerte zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder deutlich über die Grenzwerte geklettert.
Graz überschritt die Schwelle von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft gestern um die Hälfte, die Weststeiermark sogar um fast zwei Drittel. An der bundesweiten Spitze der Überschreitungstage liegt heuer laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) Leibnitz (53 Tage), gefolgt von Graz-Don Bosco (51), Wien (46) und Graz Süd (42). Zulässig wären laut EU-Richtlinie 35 Überschreitungstage pro Jahr, nach nationaler Gesetzgebung sogar nur 25 Tage. Die Lage ist damit ähnlich schlecht wie im Vorjahr.
100er wiederbelebt
Unterdessen rüstet sich Umweltlandesrat und Umweltzonengegner Gerhard Kurzmann (FPÖ) für seine erste Feinstaubsaison mit neuem "Luftreinhalteprogramm". Das beinhaltet diverse Förderungen für sauberes Heizen; in Graz hat die Fernwärmeoffensive ja bereits eingesetzt.
Ganz ohne Einschränkungen kommt auch der Nachfolger von Manfred Wegscheider (SPÖ) nicht aus. So wird der erst heuer aufgehobene "Gartenschau-100er" auf der A 9 in der Feinstaubsaison (Dezember bis März) reaktiviert. Eine vorübergehende Maßnahme, bis der A 9-Abschnitt Schwarzlsee (Schachenwald) bis Kalsdorf wie die restliche "Luft-100er"-Strecke zwischen Peggau und Leibnitz mit Verkehrsbeeinflussungsanlagen ausgerüstet ist.
Verordnet werden soll zudem ein Verbot von Festbrennstoffzweitheizungen in Graz und den südlichen Randgemeinden (Feldkirchen bis Seiersberg). Dort sollen alte Öfen nach drei Tagen mit hoher Belastung (mehr als 75 Mikrogramm Feinstaub) kalt bleiben. Ob die Regelung so bald zum Tragen kommt, ist offen. Tatsächlich kommt es äußerst selten an drei Tagen in Serie zu so hohen Werten. Die Steirer sollen zudem verpflichtet werden, in belasteten Gebieten ab 1. März 2012 mit "Heizöl extra leicht" zu heizen. Natürlich nur, wenn das technisch möglich ist.
Ins Fadenkreuz nimmt man zudem Schwerfahrzeuge, die vor 1992 zugelassen worden sind und gewisse Abgasnormen nicht erreichen. Ab 1. Februar 2012 will das Land etappenweise Fahrverbote verhängen. Die Stunde schlägt ebenso veralteten Dieseltaxis: Sie sollen ab Februar 2012 keinen Standplatz mehr im Großraum Graz benutzen dürfen.
Um zu erfahren, welche Maßnahmen andere feinstaubgeplagte Regionen Europas treffen, reist Kurzmann morgen nach Brüssel. Politiker von London bis Piemont tauschen dort ihre Erfahrungen im Kampf gegen die Luftbelastung aus. Künftig will man bei der Luftreinhaltung überregional zusammenarbeiten.








