Der lange Leidensweg einer Künstlerin
Am 5. Mai startet in Weiz eine Ausstellung mit den Werken von Sonja Ladstätter. Die Weizer Künstlerin wird dort allerdings nicht zu sehen sein. Sie leidet an einer unheilbaren Krankheit.

Foto © Herwig HeranSonja Ladstätter arbeitete in ihrem Kunstschaffen mit den unterschiedlichsten Maltechniken
Der erfolgreichen Weizer Künstlerin Sonja Ladstätter (47) ist unter dem Titel "Gegen die Schwerkraft" eine Ausstellung in der Galerie Weberhaus in Weiz gewidmet. Die von Wilhelm Fink organisierte Werkschau startet am 5. Mai mit einer Vernissage.
Sonja Ladstätter ist es aber nicht mehr möglich, selbst dabei zu sein. Denn sie ist ans Bett gefesselt und leidet schon seit vielen Jahren an der unheilbaren Nervenkrankheit "Chorea Huntington".
In ihrer aktiven Zeit als Künstlerin befasste sie sich intensiv mit der Malerei, malte dynamisch, expressiv, zwischen gegenstandslos und gegenständlich und war sehr erfolgreich. Zu ihren letzten Arbeiten zählen ein Kreuzweg-Zyklus, der im Wiener Schottenstift zu sehen ist, und die Bilderserie "Farbspuren".
Zurückgezogen
Danach ließ ihre Krankheit keine koordinierten Bewegungen mehr zu. Sie musste Pinsel, Stifte und Staffelei weglegen. Den Lehrberuf konnte sie nicht mehr ausüben. So zog sie sich immer mehr zurück, während die Krankheit immer weiter voranschritt, bis sie ständig auf Hilfe angewiesen war.
Seit mehreren Jahren wird sie daher von ihrer Mutter liebevoll zu Hause betreut und lebt jetzt einsam in ihrem Zimmer - umgeben von zahlreichen ihrer Bilder. Dort findet man auch das Bild aus ihrer Schulzeit am BG Weiz, für das Ladstätter beim europäischen Schülerwettbewerb den Hauptpreis gewonnen hatte. Nur noch wenige Freunde und Bekannte kommen sie besuchen. Familienangehörige und die Geschwister kümmern sich um die schon stark von ihrer Krankheit Gezeichnete. Das Tageslicht, das nach dem Zurückschlagen der Vorhänge täglich in ihr Zimmer leuchtet, und der Ausblick auf die Natur, scheinen ihr noch große Freude zu bereiten. Mitteilen kann sie sich schon lange nicht mehr.
Glückliche Jugend
Mutter Margit Ladstätter ist Tag und Nacht für ihre Tochter da und erzählt gerne über Sonjas glückliche Jugend, deren Liebe zu Kunst und Gesang, über die Zeit am Salzburger Mozarteum, wo Sonja als erste Steirerin ihr Studium der Bildnerischen Erziehung und Werkerziehung abschloss, oder darüber, wie Sonja als einzige Frau die Wiener Sängerknaben unterrichtet hat. Sie schildert auch Sonjas Kampf gegen ihre Krankheit, gegen die ihre Tochter mit intensivem Malen ankämpfte. Sie hofft, dass die Bilder ihrer Tochter weiter zu den Betrachtern sprechen und dass Sonja als vielseitige Künstlerin in Erinnerung bleiben wird.
Eines macht Margit Ladstätter betroffen: dass die geplanten Einsparungen bei behinderten Menschen diese in ihrer Lebensqualität einschränken werden.
Features
FAKTEN
Sonja Ladstätter wurde 1964 geboren.
Zwischen 1983 und 1989 studierte sie in Salzburg Bildnerische Erziehung und Werkerziehung.
Nach ihrer Zeit als AHS-Lehrerin arbeitete sie ab 2000 als freischaffende Künstlerin.








