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Zuletzt aktualisiert: 21.10.2010 um 21:16 UhrKommentare

Ohne jedes Extrawürstel

Weststeirer absolvierte trotz schwerer Sehbehinderung HTL-Kolleg in Weiz.

Stefan Hausegger lässt sich nicht kleinkriegen. Nicht vom Stress, der mit einer Reife- und Diplomprüfung verbunden ist. Nicht von der Jobsuche. Und auch nicht von der Tatsache, dass er nur zehn Prozent von dem sieht, was andere Menschen sehen können: Der 21 Jahre junge Mann aus Stallhofen (Bezirk Voitsberg) gilt als vollblind.

Das aber hat Hausegger nicht davon abgehalten, nach Absolvierung der Fachschule für Datenverarbeitung am Odilieninstitut in Graz an der HTBLA Weiz weiterzulernen - einer Schule, die eigentlich nicht auf den Unterricht von stark sehbehinderten Schülern ausgerichtet ist.

Im Herbst hat er nun nichtsdestotrotz die Diplomprüfung am viersemestrigen Kolleg für Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Betriebsinformatik erfolgreich abgelegt - und das ohne "Extrawürstel", wie Friedrich Gamillscheg, Abteilungsvorstand am Kolleg, bestätigt.

Aber Extrawürstel hat Stefan Hausegger noch nie gebraucht. "Meine Eltern haben mich nie irgendwo zurückgehalten", sagt er. Das beweist schon ein Blick auf seine Hobbys: Radfahren, Schifahren, Fußball spielen.

Wie Hausegger den Schulalltag trotz Seheinschränkung bewältigen konnte? Auf die Tafel sah er mithilfe eines Monokulars, eine Art Fernglas für ein Auge. Tests und Schularbeiten wurden für ihn zum Teil in größerer Schrift ausgedruckt. Die meiste Zeit aber verbrachten die angehenden Betriebsinformatiker in der Schule ohnehin vor dem Computer - "und da kann man eh alles beliebig vergrößern", sagt Hausegger.

Aber auch an den großen Maschinen im Werkstättenunterricht hat er mitgearbeitet. "Am Anfang haben wir ihm schon genau über die Schulter geschaut - aus Sicherheitsgründen", sagt Gamillscheg. "Mein Vater ist Tischler, ich bin solche Maschinen gewöhnt. Wenn ich mich langsam herantaste, geht es schon", sagt Hausegger. Langsam herantasten will er sich nun auch an die Arbeitswelt - am liebsten im Netzwerkbereich. Weil kleinkriegen lässt er sich sicher nicht.

SONJA SCHREI

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