Straße findet Stadt
Ab 30. Juli macht das Straßentheaterfestival "La Strada" wieder Graz bunt. Und nimmt dabei die Stadt und gesellschaftliche Veränderungen ins Visier.

Foto © Festival La StradaViele vertraute Namen und Gesichter machten heuer die Höhepunkte des Figuren- und Straßentheater-Festivals aus
Für ein paar mehr ist immer Platz. Das "La Strada"-Prinzip, auf Grazer Straßen tausendfach erprobt, wird am Freitag auf der Kasemattenbühne wirksam: "Faces & Places", Eröffnungsproduktion des Festivals, ist in den letzten Tagen von elf auf 40 Mitwirkende angewachsen.
Der Premierenstimmung wird das Gedrängel auf der Bühne nicht schaden - schließlich soll die Show aus Musik, Film und Theater ein Tanzfest für Tausende werden. Das vielschichtige Stück über schräge Lebenswege eingewanderter Musiker hat sich der Grazer Jazzer Günter Meinhart ausgedacht. Dass es den Auftakt des Festivals bildet, ist Programm, sagt Intendant Werner Schrempf: " Schon ein Drittel unseres Festivalprogramms besteht aus Eigen- und Koproduktionen, das wollen wir auch herzeigen." Tatsächlich hat sich die Straßenkunst aus Graz längst zum Exportschlager entwickelt: Allein 2009 waren "La Strada"-Eigenprojekte 32-mal auf Festivals in ganz Europa zu sehen.
121 Vorstellungen
Graz, Stainz und Weiz erleben in den nächsten Tagen 121 Vorstellungen des Figuren- und Straßentheaterfestivals, darunter einen streng geheimen Straßenchor, eine ausgeflippte Schwarzfahrercombo und eine Stadtteilwanderung auf der Suche nach der Seele des Annenviertels. "Die aktuelle Generation der Straßenkünstler", sagt Schrempf, "hat erkannt, dass das Publikum das Programm sowieso mitentwickelt. Also werden die Leute selbst zum Thema, wie sie leben, was sie zu erzählen haben. Genau das interessiert auch uns." Schließlich sei das Publikum in 13 Jahren "La Strada" anspruchsvoller geworden. Am Freitag haben Tanztheater und Performance auf der Straße genauso ihr Publikum wie Comedy und Pantomime. Beides hat "La Strada" im Gepäck: Wüstendurchsegler und Straßenballett, musikalische Gurus, clowneske Maschinenritter und parodistischen Zirkus.
Insgesamt 22 Vorstellungen sind eintrittspflichtig; ein alter Streitpunkt. Manche finden, das mit rund einer halben Million Euro subventionierte Festival sollte komplett gratis sein. "Aber genau diese Vorstellungen finanzieren sich aus den Eintritten zur Gänze selbst", argumentiert Schrempf, die Nachfrage nach Top-Acts wie der "Familie Flöz" oder "Theater Meschugge" sei entsprechend groß.
Zentral bleibt aber die Straße, die Stadt. Künftig vielleicht noch intensiver als in den letzten 13 Jahren: Ein "Creation Center" als Brutstätte neuer Projekte ist in Planung. "Das Abenteuer Gesellschaft wird mehr und mehr unser Thema", sagt Schrempf. "Wie leben wir zusammen, was bedeutet die Beweglichkeit, die Europa uns anbietet? Für solche Fragen soll Graz ein Zentrum werden."









