Gorbatschow am Hintern kratzen
Schafe beruhigen, Schweine amüsieren und Esel bewegen: Wie heilsam Tiere sein können, zeigt der Verein "Guat leb'n".

Foto © ÖKLDas Füttern, Streicheln, Pflegen und Spielen mit den Tieren am Bauernhof kann vielerlei positive Effekte haben
Kaum ist der Eiserne Vorhang offen, ist Gorbatschow auch schon weg. Er kommt aber gerne wieder zurück. Um sich genüsslich im Schlamm zu wälzen. Um sich von seinem Freund Hans Brückler am Hintern kratzen zu lassen. Oder um aus dessen Mund ein Grissini zu knabbern.
Gorbatschow ist nicht der ehemalige sowjetische Präsident. Gorbatschow ist ein Hängebauchschwein. Und Fernsehstar - im Schweinefernsehen auf dem Therapiebauernhof "Guat leb'n" in Leska bei Weiz. Stolz zeigt Hans Brückler, der landwirtschaftliche Leiter des Bauernhofs, das Schweinehäuschen mit der Fensteröffnung. "Unser Schweinefernsehen. Hier ist immer Programm. Die Kinder können den Schweinen stundenlang zuschauen", sagt er.
Positive Wirkung
In der Tat haben Gorbatschow, Lottchen, Venus und Isidor hohen Unterhaltungswert. "Schweine sind lustige Tiere. Und das überträgt sich auf die Menschen", sagt Walburga Siebenhofer, die Geschäftsführerin des Vereines. Und genau darum geht es auf dem Therapiebauernhof: Die zusätzlich als Tiertrainer ausgebildeten Therapeuten und Pädagogen nutzen die unterschiedlichen Charaktereigenschaften der Bauernhoftiere in ihrer Arbeit mit Menschen mit Behinderungen, psychischen Problemen oder Verhaltensauffälligkeiten.
So fängt die verschlossene Sabine beim Ball spielen mit den Schweinen laut zu lachen an. Dominik, der nicht so gut mit anderen kann, muss beim Bürsten der Kälber mit anderen zusammenarbeiten. Die hyperaktive Verena kommt beim Kraulen der friedlichen Schafe ein wenig zur Ruhe. Und Pauli hat beim Spazieren führen der Esel gelernt, den Strick zu halten, kann seither auch einen Löffel halten und endlich selbstständig essen.
Geprüft und zertifiziert
Zwei Pferde, fünf Esel, neun Schafe, drei Katzen, fünf Hühner und die vier Hängebauchschweine leben auf dem Therapiebauernhof. Der gemeinnützige Verein "Guat leb'n" hat seine Arbeit von den mobilen Dienstleistungen Familienentlastung, Wohnassistenz und Freizeitassistenz auf die Tiergestützte Pädagogik und Therapie ausweitet.
Kürzlich wurde er als österreichweit erster dieser Betriebe zertifiziert. Geprüft wurden die Sicherheit am Hof, die Gesundheit und Haltung der Tiere und das Tiertraining selbst. Schließlich müssen die Tiere speziell ausgebildet werden. "Damit sie nicht nervös werden, wenn ein Rollstuhl auf sie zukommt oder wenn es einmal lauter ist", erklärt Siebenhofer. Es sei eben ein behutsames Miteinander von Mensch und Tier. Hinternkratzen und Grissini-Bussi inklusive.









