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Zuletzt aktualisiert: 26.09.2009 um 21:06 UhrKommentare

Arbeitsplatz Straße, Lokale oder Stadtpark

Er arbeitet seit rund sechs Jahren als Streetworker in Weiz, sie seit mehr als zwei Jahren. Wolfgang Stanzenberger und Anita Traußnig über ihren Arbeitsplatz "Straße" und über ihre Arbeit mit Jugendlichen.

Frau Traußnig, Herr Stanzenberger, was machen Streetworker eigentlich in Weiz?

Anita Traussnig: Dienstags und donnerstags sind wir am Nachmittag in Weiz unterwegs, freitags und samstags abends, im Schnitt von 18 bis 23 Uhr. Wir bewegen uns hauptsächlich auf öffentlichen Plätzen - dem Skaterpark, am Bahnhof, im Stadtpark, am Weizberg, in Lokalen...

Da trefft ihr immer die gleichen Leute?

Anita Traussnig: Im Frühling und im Herbst kommen immer Neue dazu - heuer waren es sehr viele.

Wolfgang Stanzenberger: Wir machen aufsuchende Jugendarbeit, gehen auf Jugendliche zu. Natürlich muss man schauen, dass man nicht aufdringlich ist - wir bewegen uns ja in deren Lebensraum.

Worüber redet ihr mit den Jugendlichen?

Wolfgang Stanzenberger: Wir erzählen über unser Angebot - Freizeitaktivitäten, Workshops, Beratung, Begleitung zur BH oder Polizei, also zu unangenehmen Terminen.

Anita Traussnig: Wenn es etwas gibt, wo unsere Kompetenzen aufhören, vermitteln wir sie weiter an Beratungsstellen.

Wolfgang Stanzenberger: Auch da bieten wir Begleitung an.

Wie reagieren Jugendliche, wenn ihr einfach zu ihnen hingeht?

Wolfgang Stanzenberger: Unterschiedlich, oft skeptisch am Anfang, weil sie nichts mit uns anfangen können. Wir könnten ja auch Spitzel sein.

Von wem?

Anita Traussnig: Naja, wir sind halt so untypisch, wir sind Erwachsene.

Wolfgang Stanzenberger: (lacht): Und ich bin der Älteste im Stadtpark.

Kommen die Jugendlichen nach dem ersten Kontakt auf euch zu?

Wolfgang Stanzenberger: Manche sieht man nie wieder, manche oft. Unser Angebot basiert auf Freiwilligkeit. Und es steckt ganz viel Beziehungsarbeit dahinter. Wenn du eine gute Beziehung hast und ein Jugendlicher hat Probleme, dann rennt's. Wir spielen ihnen oft den Ball zu. Ich sage: "Mir fällt auf, dass..., willst du darüber reden?" Und wir ziehen uns zurück, wenn wir nicht gewollt werden.

Anita Traussnig: Wichtig ist, dass wir gemischtgeschlechtlich auftreten.

Wolfgang Stanzenberger: Und zu zweit. Manche Dinge aber lassen sich halt besser von Frau zu Frau oder Mann zu Mann bereden. Auch für uns ist es gut, wenn wir zu zweit auftreten um zu reflektieren.

Mit welchen Problemen werdet ihr hauptsächlich konfrontiert.

Anita Traussnig: Ich würde eher "Themen" als "Probleme" sagen. Wir führen da eine Statistik. Alkohol, Drogen, Freizeit, Musik, Sport, Beziehungen oder Familie kommen immer wieder vor.

Diese Statistik zeigt auch, dass in Beratungsgesprächen vorwiegend das Thema "Beziehung/Sexualität" angesprochen wird. Redet man da lieber allein mit euch und nicht vor den Freunden?

Anita Traussnig: Ja, oft. Da haben wir dann unser Büro im Jugendhaus.

Wolfgang Stanzenberger: Oder wir suchen uns ein verstecktes Winkerl, damit ja keiner was mitkriegt. Was sie uns sagen, ist natürlich vertraulich.

Im Sommer seid ihr auf der Straße. Wo seid ihr im Winter?

Wolfgang Stanzenberger: Wir haben im grauen Turm beim Gericht ein Winterquartier, dort sind wir drei Mal pro Woche.

Anita Traussnig: Das ist ein Ort, wo man quatschen kann, Spiele spielt oder Tees ausprobieren kann. Wir haben dort Alkoholverbot.

Wolfgang Stanzenberger: Das mit den Teesorten ist spannend - da setzen wir uns mit Genuss auseinander.

Warum sind Jugendliche überhaupt auf der Straße, am Schwobn, am Bahnhof?

Wolfgang Stanzenberger: Zum Teil, weil sie es zu Hause nicht aushalten,...

Anita Traussnig: ...zum Teil, weil sie einfach Freunde treffen wollen.

Von welcher Altersgruppe reden wir da?

Anita Traussnig: Etwa 14 und plus 20.

Suchen manche Jugendliche auch Freundschaft zu euch?

Anita Traussnig: Das kann schon vorkommen, es gibt manchmal mehr Nähe, manchmal weniger.

Wolfgang Stanzenberger: Es entsteht ja auch eine Vertraulichkeit und es erfordert viel Fingerspitzengefühl, rüberzubringen, dass das unser Job ist. Manchmal sagen sie: "Warum erzähl' ich dir das eigentlich, du machst ja nur deinen Job?" Da kommt fast der Vorwurf, gefühllos zu sein.

Ist das hart für euch?

Wolfgang Stanzenberger: Wir machen ja einen Helferberuf, der setzt eine gefestigte Persönlichkeit voraus, sonst kannst du das nicht machen. Und es gibt ja auch die Supervision.

Wenn ihr euch in Weiz bewegt, müsst ihr Vorbilder sein?

Anita Traussnig: Sicher haben wir eine gewisse Vorbildwirkung.

Wolfgang Stanzenberger: Man muss einfach menschlich sein.

Anita Traussnig: Und authentisch bleiben vor allem.

ULLA PATZ

Streetwork in Weiz

Streetworker arbeiten nicht hauptsächlich in einem Büro, sondern dort, wo sich ihre Zielgruppe, Jugendliche, aufhält: im öffentlichen Raum und in Lokalen. Dazu kommen Kontaktzeiten und Sprechstunden im Büro im Weizer Jugendhaus.

Ziel. Langfristiges Ziel ist eine Förderung der Persönlichkeitsentwicklung. Gespräche sind freiwillig und vertraulich.

Zielgruppe sind 12- bis 22-Jährige, die aufgrund ihrer Lebensumstände - etwa angespannte Familienverhältnisse, Problemen in der Schule oder am Arbeitsplatz, Sucht, etc. - Hilfe brauchen.

2008<7strong> hatten die Weizer Streetworker mit knapp 4000 Jugendlichen Kontakt bei der Arbeit im öffentlichen Raum - weit mehr als die Hälfte waren Burschen.

Herkunft. Die Betreuten kamen zu 60 Prozent aus Weiz, der Rest aus Umgebungsgemeinden und Umgebungsbezirken.

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