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Zuletzt aktualisiert: 12.09.2009 um 19:58 UhrKommentare

"Wollen keine kriegsführende Region sein"

Einmal Weiz, einmal Hartberg oder bleibt alles beim Alten? Wie wird das Regionalmanagement in Zukunft geführt? Obmann und Geschäftsführer im Interview.

Franz Majcen, Obmann des Regionalmanagements Oststeiermark (RMO) und Horst Fidlschuster (rechts), Geschäftsführer des RMO

Foto © PatzFranz Majcen, Obmann des Regionalmanagements Oststeiermark (RMO) und Horst Fidlschuster (rechts), Geschäftsführer des RMO

Heiß werden derzeit die Diskussionen um eine Verlegung des Regionalmanagements Oststeiermark (RMO) diskutiert. Herr Majcen, für Sie als Landtagsabgeordneter aus dem Bezirk Fürstenfeld, ist eine Verlegung aus Ihrer Sicht wünschenswert?

FRANZ MAJCEN: Ich habe mich in der Sache nie als Fürstenfelder gesehen. Als das RMO gegründet wurde, haben wir eine geografische Mitte der vier Bezirke gesucht, das war Großwilfersdorf. Mit der Großregion gibt es eine neue geografische Zusammensetzung (der Bezirk Feldbach fällt künftig weg, Anm. der Redaktion). Das hat natürlich zur Folge, dass auch darüber diskutiert wird.

Ihr Weizer Parteikollege, der Abgeordnete Erwin Gruber, verlangt eine Standortverlegung nach Weiz.

MAJCEN: Weiz kann sagen, ich will das haben und Weiz ist auch die größte Gruppe. Die Frage ist, was sagen die anderen dazu? Und wie werden die Aufgaben aufgeteilt? Ich könnte mir vorstellen, die RegioNext-Geschichte in Weiz abzuwickeln und die EU-Agenden in Großwilfersdorf zu belassen.

Vernünftig und kostengünstig erscheint diese Lösung aber nicht.

MAJCEN: Theoretisch ist das unvernünftig, aber ich bin politisch ein Realist. Wenn der Sprecher der stärksten Gruppe für seine Vorstellungen eine Mehrheit findet, dann ist es halt so.

Erwin Gruber will ja keine Teilung, er will alles in Weiz außer den Tourismusverband, den will er in Hartberg sehen.

MAJCEN: Vom Tourismusverband habe ich kein Zeichen bekommen, dass er aussiedeln wird. Zu den Kosten: Erwin Gruber hat gesagt, für RegionNext-Projekte würden seine Gemeinden auch mehr zahlen. Also, ich kann mir das für die Fürstenfelder Gemeinden nicht vorstellen.

Wer bestimmt nun, wenn die Großregion gebildet wird?

MAJCEN: Es muss ein neuer Vorstand gewählt werden, das macht die Regionalversammlung - bestehende aus den Bürgermeistern aller 118 Gemeinden plus die Abgeordneten aus den drei Bezirken. Wie viele Leute im Vorstand drinnen sind, wissen wir ja selber noch nicht. Das Regionalmanagement muss, meiner Ansicht nach, danach auch einen neuen Vorstand wählen. Dieser wiederum beschäftigt sich wiederum mit der Personalfrage.

Horst Fidlschuster ist ja nicht ganz unumstritten.

MAJCEN: Wenn der Vorstand sagt, ich will einen Neuen haben, kann er das tun. Aber man wird Argumente suchen müssen. Leute mit Erfahrung und hoher Qualifikation nur für die Botschaft "Alles ist neu" einzuwechseln, da wird man sehen, was man davon hat. Wir wollen ja auch keine kriegsführende Region sein, wir wollen was weiterbringen. Das Regionalmanagement Oststeiermark ist nachweislich steiermarkweit ganz vorne dabei, wenn es darum ging, Förderungen zu lukrieren.

HORST FIDLSCHUSTER: Mir wurde Loyalität meinem Vorsitzenden gegenüber vorgeworfen. Ich empfinde das als Kompliment und werde jedem Vorsitzenden gegenüber loyal sein, wie ich es auch meinen Mitarbeitern gegenüber bin.

Gruber sagt, die Aufgaben des RMO werden sich ändern, wenn die EU weniger Mittel ausschüttet.

MAJCEN: Wir wissen nicht, wie es ab 2014 aussieht. Aber wir werden es uns nicht leisten können, die, die da sind, nicht in Anspruch zu nehmen. Insgesamt aber werden die Aufgaben des EU-Regionalmanagements mehr.

Was wäre das zum Beispiel?

MAJCEN: Als neue Aufgabe wird dazukommen die Begleitung, bzw. Geschäftsführung und Organisationsabwicklung der Großregion. Das Raumordnungsgesetz sagt, dass sich Großregionen dazu eines Regionalmanagements bedienen müssen! Dazu kommen die EU-Förderprogramme in Wirtschaft, Beschäftigung, Grenzlandförderung und Leader.

Die Leaderregionen bedienen sich des RMO ja nur mehr teilweise. Wird das RMO durch das Erstarken der Leaderregionen bedeutungslos?

FIDLSCHUSTER: Die Leaderregionen sind nur ein kleiner Teil unserer Aufgaben. Wenn es heißt, in den Gemeinden sei die Arbeit des RMO nicht spürbar, liegt das nicht daran, dass wir nicht wollen, sondern daran, dass es von der EU kaum Förderungen für einzelne Gemeinden gibt.

Wird der neue Obmann des RMO Erwin Gruber und nicht mehr Franz Majcen heißen?

MAJCEN: Es ist nicht unbedingt gesagt, das Erwin Gruber der Obmann wird. Die Weizer sind zwar die größte Gruppe, andererseits waren wir Fürstenfelder auch nie die größte Gruppe. Ich war nur von Anfang an dabei und habe die Abgeordneten damals einberufen. Ich war sozusagen der Begründer des RMO.

Stünden Sie wieder zur Verfügung?

MAJCEN: Das hängt ganz davon ab, wie die Diskussion verläuft.

INTERVIEW: ULLA PATZ, ROBERT BREITLER

Das RMO

Gründung. Gegründet 1996 mit einem Mitarbeiter (Horst Fidlschuster) als Verein.

Mitarbeiter. Neun in Großwilferdorf, vier zusätzlich in der Qualifizierungsagentur, wo das Regionalmanagement Oststeiermark (RMO) mehrheitlich beteiligt ist. Geschäftsführer ist Horst Fidlschuster

Sitz. Großwilfersdorf

Region. Zuständig derzeit für die vier Bezirke Feldbach, Fürstenfeld, Hartberg und Weiz.

Leistungen. Gesamtprojektvolumen seit 1996: 103,5 Millionen Euro durch Förderungen von EU, Land und Eigenmitteln. Das sind im Schnitt 600.000 Euro pro Gemeinde.

Mitgliedsbeiträge. Von jeder Gemeinde jährlich 44 Cent pro Einwohner. Pro Jahr gesamt: 109.000 Euro.

Gemeinden: 173

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