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Zuletzt aktualisiert: 29.08.2009 um 19:29 UhrKommentare

Ein ganzes Haus aus Stroh gebaut

Auf Nachhaltigkeit setzt die Familie Rauth in St. Margarethen/Raab: Sie baut ihr Wohnhaus aus Stroh.

Holzständer und Holznägel halten die Wände aus Strohballen. Diese wiegen rund 300 Kilogramm

Foto © BreitlerHolzständer und Holznägel halten die Wände aus Strohballen. Diese wiegen rund 300 Kilogramm

Ich werde strampeln und trampeln, ich werde husten und prusten und dir dein Haus zusammen pusten", sagte der Wolf zum Schweinchen im Strohhaus. Und tatsächlich, das Haus hielt dem Pusten nicht stand und fiel zusammen. So das Märchen. In Wirklichkeit handelt es sich bei Stroh um ein Material, das immer mehr als Alternative zu konventionellen Baustoffen erachtet wird. In unseren Breiten findet man nur selten Strohhäuser. Ein Beispiel gibt es etwa in Zöbing in der Gemeinde St. Margarethen/Raab, wo Nicole und Helmut Rauth ein Haus bauen, bei dem Außenwände und Dach aus Stroh bestehen werden.

"Wir bauen das Haus mit einer Holzständerkonstruktion", erklärt der Zimmermann Andreas Stephanitz. Zwischen die Ständer kommen die rund 300 Kilo schweren Strohballen, die mit Holznägeln verbunden werden. Allein für die Wände werden 19.000 Kilo Stroh verwendet. Stroh als Baustoff habe wesentliche Vorteile gegenüber anderen Materialien, sagt Architekt Johann Pronegg, der die technische Oberleitung des Projektes über hat. So haben die Außenwände, was den Wärmedämmwert angeht, Passivhaus-Standard. Weiters stecke in Stroh weniger so genannte graue Energie. "Das ist die Energie, die bei der Herstellung des Baumaterials aufgewendet werden muss", erklärt Pronegg. Bei Stroh sei das kein Thema. Dazu komme noch die Nachhaltigkeit eines Strohhauses: "Damit überlässt man den Nachkommen keine großen Entsorgungskosten", sagt Pronegg. Falls das Haus abgerissen werden sollte, könne man das Stroh ganz einfach kompostieren.

Aber warum kommt man auf die Idee, ein Strohhaus zu bauen? "Wir waren bei einem Vortrag in Riegersburg und das hat uns überzeugt", antworten Helmut Rauth und sein Schwiegervater Walter Promitzer, grünes Urgestein im Bezirk Weiz, einhellig. Nach einer kurzen Recherche fand man Johann Pronegg aus St. Margarethen/Raab und Virko Kade, der in Riegersburg eines Strohballen- und Lehmbaufirma betreibt. Beide haben Erfahrungen im Bau von Strohhäusern.

Und wie verhält es sich im Falle eines Brandes? "Das Haus wird außen mit Kalk und innen mit Lehm verputzt, dann hat es einen Feuerwiderstand von F90", erklärt Stephanitz, "das bedeutet, dass es im Falle eines Vollbrandes erst nach 90 Minuten durchbrennt. Das ist so wie bei ganz normalen Familienhäusern."

ROBERT BREITLER

Haus aus Stroh

Strohhäuser werden in den USA seit rund 120 Jahren gebaut - anfangs aus Mangel an Holz, heutzutage wegen der bauphysikalischen Eigenschaften.

Die Strohballen in St. Margarethen sind 70 Zentimeter stark. Der U-Wert (Wärmedämmwert) beträgt 0,08 W/(m2K).

Bei entsprechender Anleitung können Strohhäuser gut in Selbstbauweise gebaut werden.

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