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Zuletzt aktualisiert: 07.08.2009 um 19:46 UhrKommentare

Ein Kofferraum voll Brot aus Passail

Irak, Ghana, Holland und mehrere Nachbar-länder von Österreich: Eine Weizerin zieht seit 30 Jahren von einem Land ins nächste. Die aktuelle Station: Saudi-Arabien.

Foto © AP/Sujet

Sie leben und arbeiten seit 30 Jahren im Ausland. Seit zwei Jahren sind Sie in Riyadh, Saudi-Arabien. Eine andere Welt?
HELGA HUFNAGL-GUSSMACK: Ja, aber es ist nicht so schlimm, wenn man mit der richtigen Einstellung hinfährt. Man muss das Land so akzeptieren, wie es ist. Besonders für eine Frau ist es aber sicher nicht immer leicht.

Inwiefern?
HUFNAGL-GUSSMACK: Ich habe zum Beispiel ein Auto gekauft, aber gesprochen haben sie nur mit meinem Mann. Ich wurde nicht einmal angeschaut. Es gibt Frauen, die damit nicht zurecht kommen, aber ich toleriere es. Ich will und kann das Land nicht ändern.

Ist es denn nicht so, dass Frauen dort gar nicht fahren dürfen?
HUFNAGL-GUSSMACK: Ich darf eigentlich nur zu Fuß gehen. Nur bei uns im Compound darf ich fahren. Das kann man sich vorstellen wie ein kleines Dorf, das von einer hohen Mauer umgeben ist und bewacht wird. Dort haben wir auch Freizeitmöglichkeiten, die es draußen nicht gibt. Und es herrscht westlicher Dresscode.

Wie kleiden Sie sich "draußen"?
HUFNAGL-GUSSMACK: Mit einer Abaya, einer Art schwarzen Mantel, und einem Tuch um den Hals, mit dem ich meine Haare bedecken kann. Saudische Frauen sind aber komplett verschleiert.

Macht sich die Religion im Alltagsleben auch sonst bemerkbar?
HUFNAGL-GUSSMACK: Die Religion dominiert alles. Zum Beispiel wird fünf Mal am Tag gebetet, da sperren die Geschäfte für eine halbe Stunde zu. Der Supermarkt wird verriegelt. Da muss man halt schauen, dass man früh genug draußen ist. Bei uns im Büro ist das zwar nicht so, aber grundsätzlich dürfen im Fastenmonat Ramadan auch Ausländer bis Sonnenuntergang nichts essen und trinken und nicht einmal Kaugummi kauen. Da fahren dann alle vor Hunger noch wilder mit Autos nach Hause als sonst.

Das heißt, der Verkehr ist arg?
HUFNAGL-GUSSMACK: Ein Wahnsinn. Die Straßen sind in eine Richtung vierspurig plus zwei Spuren Service Road. Man braucht das Auto aber auch, weil es keinen öffentlichen Verkehr gibt. Dafür tankt man ein 60-Liter-Auto um zehn Euro voll. Ich sag immer, es ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten - positiv wie negativ.

Wann hat Sie eigentlich das Reisefieber gepackt?
HUFNAGL-GUSSMACK: Ich habe früher als Sekretärin in der Elin gearbeitet und bekam immer wieder Montageberichte aus aller Welt zu lesen. Da hat das Fernweh eingesetzt und mich hat's einfach gejuckt. Also hab ich mich beworben. Als erstes ging ich nach Bagdad, was ich heute selber mutig finde für eine junge Frau damals. Dann kamen Accra in Ghana, Den Haag, Ljubljana, Bratislava, Bonn, Berlin, Zürich und jetzt Riyadh.

Wo war es für Sie am schönsten?
HUFNAGL-GUSSMACK: Alles hat Vor- und Nachteile. Ghana zum Beispiel war wunderschön, nur hab ich dort dann die Revolution miterlebt und dann hatte ich auch noch Gelbsucht. In Slowenien hab ich dafür wieder genau den Krieg erwischt. Es ist nicht immer alles Sonnenschein.

Und Riyadh ist auch ein Extrem?
HUFNAGL-GUSSMACK: Ja, schon allein vom Klima her - 45 Grad im Schatten. Dann überlegt man es sich als Frau sicher noch gründlicher, noch dazu, wenn man die Familie mitnimmt. Aber von uns allen war der Wille da, dieses Extrem zu probieren.

Wie lässt sich so ein Leben überhaupt mit Familie vereinbaren?
HUFNAGL-GUSSMACK: Meinen Mann habe ich über die Arbeit kennen gelernt. Und unserem Sohn versuchen wir schon zu vermitteln, wo er eigentlich zu Hause ist, indem wir möglichst oft herkommen. Alle drei, vier Monate kommen wir wieder gern nach Weiz.

Was vermissen Sie am meisten?
HUFNAGL-GUSSMACK (lacht): Die gute steirische Luft, den Regen und Brot aus Passail. Einen Kofferraum voll davon hab ich noch überallhin mitgenommen.

INTERVIEW: SONJA SCHREI

Fakten

In Preding geboren, lebt Helga Hufnagl-Gußmack als Bedienstete des Außenministeriums seit 30 Jahren im Ausland.

Für jeweils mehrere Jahre war sie in Bagdad (Irak), Accra (Ghana), Den Haag, Ljubljana, Bratislava, Bonn, Berlin und Zürich und nun in Riyadh (Saudi-Arabien).

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