Aus einem E-Mail wurde ein Hilfsprojekt
Bei einem Praktikum in Ghana sah eine junge Weizerin, was es heißt, in Armut zu leben. Ihr Hilferuf via E-Mail in die Heimat erzeugte ein unglaubliches Echo. Vieles kam seitdem in Bewegung.

Foto © Privat
Manchmal reicht ein einziges E-Mail und eine Lawine der Hilfsbereitschaft wird ausgelöst. Bei Sarah Kotopolus, einer jungen Frau aus Thannhausen, war das der Fall. Als Studentin für Soziale Arbeit an der Linzer Fachhochschule arbeitete sie, gemeinsam mit zwei Studienkolleginnen - Julia Weberbauer aus Schärding und Tamara Pottfay aus Steyr - im Rahmen eines Kurzpraktikums in einem Waisenhaus im ärmeren Norden Ghanas mit.
Dort stießen die drei auf Armut und Not. So muss zum Beispiel der Leiter des Waisenhauses - ein Lehrer, der selbst eine elfköpfige Familie zu versorgen hat - ohne staatliche Unterstützung auskommen. Sein Monatseinkommen von 140 Euro muss auch für "seine" 45 Waisenkinder im Alter
von drei bis 15 Jahren reichen. Unter tristen Verhältnissen leben die Kinder dort in einem Haus, das aus allen Nähten platzt und nur notdürftig ausgestattet ist. "Mit einer Schale Reis am Tag, mit Regenwasser aus der Tonne, mit einer Garnitur Gewand müssen die Waisenkinder auskommen. Sie können auch nur sporadisch unterrichtet werden und es gibt nur ein Schulbuch für alle", schildert Sarah Kotopulos ihre ersten Eindrücke.
15.000 Euro
Schon am Tag ihrer Ankunft war das Essen ausgegangen und es gab kein Geld, um neues einzukaufen. So startete Sarah Kotopolus von einem Internetcafe aus via E-Mail einen Hilferuf an Freunde und Bekannte in der Heimat. Dieser verbreitete sich wie ein Lauffeuer und entwickelte sich zu einer großartigen Solidaraktion. Schon bald standen 15.000 Euro zur Verfügung.
Mit diesem Geld konnten die drei Studentinnen spontan "erste Hilfe" leisten und ein Landwirtschaftsprojekt starten. Eine Maisfarm war schon vorhanden, eine Bohnenfarm wurde neu errichtet. 50 Hühner, 20 Schafe, 15 Ziegen und zehn Kühe wurden angeschafft und ein Hirte beschäftigt. Zum ersten mal konnten die Kinder in Betten schlafen. Und es gab auch noch Geld zur Anschaffung eines alten, noch fahrtüchtigen Autos, das vor allem als Transportmittel zum nächsten, weit entfernt liegenden Krankenhaus oder in die nächste Stadt eingesetzt wird.
Weder Strom noch Trinkwasserversorgung
"Bisher stand als Transportmittel für schwer erkrankte Kinder lediglich ein Fahrrad zur Verfügung", berichtet Sarah Kotopolus. Eine Schneiderin im Dorf Guabuliga, in dem es weder Strom noch eine Trinkwasserversorgung gibt, wurde mit dem Nähen von Schuluniformen beauftragt. Darüber hinaus konnten mit dem Geld auch Schulmaterial und Bücher angeschafft werden.
Aber der Hilferuf zog noch weitere Kreise als diese spontane Hilfsaktion. Die Österreicherin Christin Forstinger, die als Juristin in der Schweiz tätig ist und damals ebenfalls den Hilferuf erhielt, war auch spontan dazu bereit, mitzuarbeiten. Gemeinsam mit den drei Studentinnen gründete sie heuer im März den Verein "Braveaurora", ein Verein zur Unterstützung und zum Ausbau von Waisenhäusern in Afrika. Das Ziel ist es, so weitere wichtige Vorhaben, wie den Neubau des Waisenhauses, den Ankauf von Inventar und die Anschaffung von Moskitonetzen, Medikamenten sowie einer Wasserfilteranlage zu verwirklichen und den Kindern eine geregelte Schulbildung zu ermöglichen.
Features
Kommentar
Fakten
Sarah Kotopolus ist 21 Jahre alt. Nach der Matura am Weizer Gymnasium arbeitete sie in einem Jugendzentrum, als Betreuerin in einem Asylantenheim für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge und in einer Wohngemeinschaft für minderjährige Mütter und Schwangere.
Seit 2007 studiert Kotopolus das Fach "Soziale Arbeit" an der Fachhochschule in Linz. Sie liebt Musik und wurde an der Musikschule Weiz in Jazzgesang und Gitarre ausgebildet.
Informationen darüber, wie man das Hilfsprojekt "Braveaurora" ("Tapfere Morgenröte") unterstützen und wohin man seine Spenden richten kann, gibt es im Internet.









