"Jeder soll das machen, wozu er geeignet ist"
Erwin Eggenreich, Direktor der Polytechnischen Schule Weiz, über Chancen der Jugendlichen und die Reformbedürftigkeit der Schule.

Foto © Ulla PatzErwin Eggenreich, Direktor der Polytechnischen Schule Weiz
Herr Direktor, wie viele Lehrlinge werden Ihrer Erfahrung nach zu Schulende einen Lehrberuf haben?
ERWIN EGGENREICH: Wir haben rund 90 Schülerinnen und Schüler und erfahrungsgemäß werden zwischen 80 und 90 Prozent einen Lehrplatz haben.
Auch in Krisenzeiten wie jetzt?
EGGENREICH: Es wird natürlich schwieriger, aber in unserer Region ist das noch nicht wirklich ein Problem. Sogar Betriebe, die es derzeit nicht so leicht haben, nehmen Lehrlinge auf, weil sie wissen, dass sie Fachkräfte brauchen, wenn es wieder bergauf geht.
Was ist mit den restlichen 10 bis 20 Prozent, die im Sommer noch keine Stelle haben?
EGGENREICH: Meist sind das die, die einfach selbst Probleme haben. Mädchen sind oft zu sehr regional oder berufsmäßig fixiert, bei Burschen liegt es vor allem an ihrem Verhalten und der Leistung.
Was machen diese Jugendlichen nach der Schule?
EGGENREICH: Es gibt Kurse, wo sie weiter vorbereitet werden (siehe nächste Seite, Anm. der Redaktion). Was wir aber dringend bräuchten, wären mehr überbetriebliche Lehrwerkstätten als zusätzliches Angebot.
Was wären Ihrer Ansicht nach die idealen Voraussetzungen für die Lehrlingsausbildung?
EGGENREICH: Die Facharbeiter-Ausbildung in Österreich ist ein Garant gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Das zeigt sich im EU-weiten Vergleich. Das wird noch besser, wenn ab Februar, März die Lehre plus Matura kommt. An die Lehre wird ein halbes Jahr angehängt und man hat die Matura. Sie ist der AHS-Matura gleichwertig. Das Land Steiermark macht dies selbst und beauftragt das BFI und die WIFI, Kurse abzuhalten. Jeden Freitag geht der Lehrling in die Schule. Ziel ist, dass etwa zehn Prozent der Lehrlinge die Matura machen.
Was wäre vom Schulsystem her notwendig, damit Jugendliche besser vorbereitet sind?
EGGENREICH: Spätestens in der sechsten oder siebenten Schule
müsste in einer gemeinsamen Schule - wie der neuen Mittelschule - der Gegenstand "Berufslaufbahn" eingeführt werden, damit sich die Kinder besser einschätzen lernen - wo liegen meine Chancen, Interessen, Begabungen? Wichtig ist die Gleichwertigkeit von Lehre und Schule. Jeder soll das machen, wozu er am besten geeignet ist. Heute ist es so, dass die Schule höher bewertet wird, vom Ansehen her.
Sechste, siebente Schulstufe, das sind die Zwölf-, Dreizehnjährigen. Ist das nicht spät?
EGGENREICH: Ja, früher wäre es noch besser. Wir informieren auch schon bei Elternabenden in der Volksschule über die Fragen der späteren Berufswahl. Und dort sage ich auch immer: "Fast alle höheren Schulen nehmen heute jeden Schüler auf. Aber die einstigen Elinbetriebe, also Andritz, Siemens und EBG, die nehmen nicht jeden."
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Fakten
Offene Lehrstellen: Im Bereich des Arbeitsmarktservice' (AMS) Weiz 21 offene Lehrstellen, beim AMS Gleisdorf 13 offene Lehrstellen. Die Angebote gehen durch alle Branchen, in Weiz viele offene Stellen vor allem in der Gastronomie.
Lehrstellensuchende. In Weiz sind 54, in Gleisdorf 20 Lehrstellensuchende vorgemerkt. Viele von ihnen stehen erst ab dem Schulende im Sommer zur Verfügung.







