An der Basis der steirischen SPÖ brodelt es
Über das "Gesudere" aus Donawitz lachte ganz Österreich, doch die Frustration der Genossen an der steirischen Basis geht tief ins rote Herz hinein.

Foto © APAVoves wird beim Präsidium der SPÖ in Wien dabei sein
Am 16. Juni findet keine Landesregierungssitzung statt. Grund ist (auch) die tiefe Krise in der Bundes-SPÖ. Landeshauptmann Franz Voves muss nach Wien, nachdem sein Vorschlag, die Krisensitzung des Präsidiums schon vorher im kleinen Kreis vorzubereiten, von Wiens mächtigem Bürgermeister Michael Häupl abgeschmettert wurde mit den Worten: "Wir werden die offenen Fragen gemeinsam lösen oder gar nicht."
Abgesagt. Das Präsidium der SPÖ tagt seit zwei Jahren praktisch ohne den Vorsitzenden der steirischen SPÖ, da zeitgleich immer die Landesregierung berät. Diesmal fügte es sich, dass zwei andere Landesräte ebenfalls verhindert sind und die Regierungssitzung daher im Einvernehmen von SPÖ und ÖVP abgesagt wurde.
Voves in Wien. Voves ist also am Montag in Wien dabei. Darüber, ob es dort zur Palastrevolution kommen wird, gehen die Meinungen auseinander. An der Parteibasis ist man sich darüber einig, dass Parteichef Alfred Gusenbauer einen schlechten Start hatte und schwach weitermachte. Die Basis leidet an ihrer Führung, weiß aber keine Alternative.
Keiner nur für Gusi. Auffallend ist, dass sich keiner mehr ausdrücklich stark macht nur für einen Kanzler Gusenbauer. Mit der Feststellung von SPÖ-Landtagspräsident Siegfried Schrittwieser, wonach es Zeit sei, eine Entscheidung zu treffen - für Gusenbauer oder gegen ihn -, scheint hier ein Damm gebrochen zu sein. Voves hatte die innerparteiliche Diskussion mit der Infragestellung der Glaubwürdigkeit des Kanzlers eröffnet.
Ständiges "Sudern". Es gibt aber auch mahnende Appelle an die eigene Adresse. Voves-Stellvertreter Kurt Flecker stellt trocken fest: "Die Diskussion wäre vermeidbar gewesen, hätten nicht so viele naive Funktionäre die Arbeit der anderen Parteien erledigt." Gemeint ist das ständige "Sudern" in den eigenen Reihen über die Regierungspolitik, die sich meist direkt an der Person Gusenbauer kristallisiert. Insbesondere Wiens Ex-Bürgermeister Helmut Zilk sei offenbar bereits "politisch besachwaltet" und habe herhalten müssen, Infrastrukturminister Werner Faymann als Nachfolger ins Spiel zu bringen, ätzt Flecker.
"Messer im Bauch". Insider glauben nicht daran, dass am Montag wirklich etwas passiert. Außer Faymann gibt es keine Alternative, auch nicht aus der Steiermark. Und Faymann wäre als Verräter gebrandmarkt, würde er das Messer umdrehen, das laut Voves bereits "im Bauch" des Kanzlers steckt.








