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Zuletzt aktualisiert: 19.03.2008 um 21:57 Uhr

Aufgewachsen im Gendameriehaus

Österreichweit ist die Zahl der Frauen im Polizeibereich in eineinhalb Jahren um 47 Prozent gestiegen. Susanne Mörth, Polizistin in Weiz, bewährt sich seit zehn Jahren in der früheren Männerdomäne.

Polizistin Susanne Mörth im Gespräch mit der <i>Kleinen Zeitung</i>

Foto © KKPolizistin Susanne Mörth im Gespräch mit der Kleinen Zeitung

Für die Dauer des Gesprächs mit der Kleinen Zeitung ist es die Polizistin Susanne Mörth, die in die Rolle der Befragten schlüpfen darf. Immerhin kommt das in ihren Beruf sehr selten vor: "Seltsam. Eigentlich stelle sonst immer ich die Fragen", meint sie souverän mit einem Lächeln auf den Lippen.

Radikaler Bruch. Die 38-Jährige ist eine, wie sie selbst meint, "Spätberufene". Vor zehn Jahren stellte sie sich der Herausforderung des Polizeiberufs und wagte einen ersten Schritt in die Männerdomäne. Die Jahre davor arbeitete sie als Kanzleileiterin in einem Rechtsanwaltsbüro. Der Berufswechsel war für sie damals ein radikaler Bruch, jedoch "die absolut richtige Entscheidung", meint sie im Nachhinein.

Wunschtraum. "Ich bin selbst in einem Gendarmeriehaus aufgewachsen, da mein Vater den Beruf ausübte. Die Arbeit bei der Polizei, besonders beim Kriminaldienst ist schon immer mein Wunschtraum gewesen", so Mörth. Da stellt sich natürlich die Frage, warum sie nicht schon viel früher die Entscheidung getroffen hat, den Weg zu gehen, der ihr bestimmt war? Der Grund dafür ist einfach, aber heute fast unvorstellbar: "In meinen Jugendjahren, wo sich die Frage nach der Ausbildung und dem Beruf gestellt hat, war es für Frauen schlichtweg nicht möglich zur Polizei zu gehen", so Mörth.

Grenzdienst. Nur vereinzelt wurden Frauen ausgebildet, deren Aufgabenstellung sich in der Regel auf Amtshandlungen mit Frauen und Kindern und die Bearbeitung von Sexual- und Misshandlungsdelikten beschränkten. Susanne Mörth begann ihre Karriere beim Grenzdienst in Spielfeld und wechselte im Jahr 2002 zur Polizeiinspektion Weiz. Dort hat sie ein vielfältiges Aufgabenfeld, angefangen vom In nen- über den Streifendienst, bis hin zum Kriminaldienst. Als Mitglied eines Teams fühlt sie sich als Frau von ihren männlichen Kollegen vollkommen akzeptiert und gleichberechtigt. "Die Zusammenarbeit ist wirklich sehr gut, es gibt natürlich kleine Reibereien und Diskussionen unter Kollegen, wie es überall der Fall ist. Aber das hat überhaupt nichts mit der Tatsache zu tun, dass ich eine Frau bin. Hier gibt es keinen Unterschied", so die Polizistin.

Akzeptanz erringen. Gleichzeitig beurteilt sie die Lage der Frauen im Polizeiberuf realistisch und räumt ein, dass es mancherorts, in Einzelfällen nicht so reibungslos abläuft und Frauen sich die Akzeptanz als gleichwertige Kollegin wohl noch immer erringen müssen. Generell stehen Frauen aber alle Möglichkeiten offen, auch innerhalb der Polizeihierarchie Karriere zu machen.

Schwierige Situationen. Mit dem Privatleben sei der Beruf bei all den Wochenend- und Nachtdiensten natürlich schwer zu vereinbaren, gesteht sie. "Man sollte sich natürlich gut überlegen, worauf man sich einlässt. In unserem Beruf ist man zudem oft mit schwierigen Situationen und Gewalttätigkeiten konfrontiert. Da braucht man ein dickes Fell. Mir war damals vollkommen bewusst, was auf mich zukommt, da ich ja die Arbeit von meinem Vater kannte", sagt Mörth.

Routine im Beruf. Mit der Zeit habe sie in ihrem Beruf Routine bekommen, "was nicht heißen soll, dass ich abgestumpft bin und mich gewisse Dinge nicht mehr berühren, so ist das nicht", meint sie. Einschneidende Erlebnisse verarbeitet sie, indem sie darüber spricht und sich mit ihren Arbeitskollegen austauscht. Susanne Mörth fühlt sich als Polizistin in Weiz jedenfalls sehr wohl. Natürlich wisse man nie so genau, in welche Richtung man sich orientiert und wie man sich entwickelt. Aufstiegschancen gibt es. "Das wäre aber eventuell mit einem Wechsel des Dienstortes verbunden. Aber ich bin hier beruflich und privat sehr glücklich. Ich sehe meine Zukunft hier in Weiz."


Fakten

Die Arbeitsgruppe für Gleichbehandlungsfragen im BMI hat vor kurzem ihren Jahresberichtverlautbart:
Die Zahl der Frauen im Polizeibereich ist auf 2925 angestiegen. In der Steiermark sind von den insgesamt 3359 Exekutivbediensteten in der Steiermark 353 weiblich, das sind 10,51 Prozent.

Fakten

Auch in Führungspositio-
nen
sind Frauen vertreten. In der Steiermark gibt es eine leitende Beamtin, eine Inspektionskommandantin und zwei Fachbereichsleiterinnen im Landespolizeikommando.

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