Wo die Seele frei wird
Ingeborg Hofbauer (49) aus Waisenegg begab sich auf einem noch wenig bekannten Pilgerweg auf die Spuren des Heiligen Franz von Assisi. Kurz nach ihrer Rückkehr berichtet sie über ihr spirituelles Unterwegssein.

Foto © PrivatIngeborg Hofbauer begab sich auf die Spuren des Heiligen Franz von Assisi
Während der Rucksack mit jedem Schritt schwerer auf den Schultern lastet und ein stechender Schmerz in alle Glieder fährt, wird auf wundersame Weise der Kopf frei für klare Gedanken. Urlaub, gepaart mit spirituellen Erfahrungen: Pilgern ist in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden.
Entspannen. "Es ist eine besondere Art des Entspannens, Loslassens und Leerwerdens. Das Bedürfnis nach dieser Form des Urlaubens ist irrsinnig groß", meint Ingeborg Hofbauer aus Waisenegg. Die 49-jährige Unternehmensberaterin, die sich ein zweites Standbein als Coach und Pilgerbegleiterin aufgebaut hat, weiß, wovon sie spricht. "Im Sommer begleite ich mit meinem Kollegen eine Gruppe am galizischen Teil des Jakobsweges. Es gab gleich 17 Anmeldungen. Die Welt der Extreme, in der wir heute leben, bewirkt immer Gegenströmungen. Das zeigt sich hier ganz besonders", sagt Hofbauer.
Spirituelle Reisen. Auch privat begab sie sich schon mehrmals auf spirituelle Reisen. Von ihrer letzten ist sie erst vor wenigen Tagen zurückgekommen. "Ich bin mit meiner Freundin Daniela einen Teil des Franziskusweges von La Verna bis nach Assisi gegangen. Er sucht jene Orte auf, an denen der Heilige Franz von Assisi gewirkt hat", erzählt die 49-Jährige.
800-jähriges Jubiläum. Den Impuls dazu gab ein Buch der Italienerin Angela Maria Geracchioli. "Der Weg, den sie beschreibt, ist noch wenig bekannt. Er wurde zum 800-jährigen Jubiläum des Franziskanerordens neu markiert. In Italien erhofft man sich dadurch einen Pilgeransturm", erklärt Hofbauer. Die Entscheidung, die Reise anzutreten, fiel nach einem Seminar, das sie im vergangenen Herbst hielt, als die Wirtschaftskrise über die Welt hereinbrach: "Die Leute hatten Angst, ihr Zweit-Auto zu verlieren und sich dieses und jenes nicht mehr leisten zu können. Zu meiner Freundin habe ich dann am Telefon gesagt: ,Ich halt den Wahnsinn nicht mehr aus, ich muss wieder pilgern gehen'. Sie hat sich dann spontan entschlossen, mich zu begleiten", so Hofbauer.
Urvertrauen. Nun beschritten die beiden von La Verna aus den 160 Kilometer langen Weg nach Assisi. "Es war eine ganz besondere Erfahrung. Das Gehen macht den Kopf frei für Gedanken, für die man sonst keine Zeit hat und lernt wieder, für ganz einfache Dinge dankbar zu sein, wie etwa für einen Windstoß, wenn man gar keine Kraft mehr hat, weiterzugehen", erzählt Hofbauer.
Spirituelle Wanderung. Auf ihrer spirituellen Wanderung durch Olivenhaine, Wälder und Blumenwiesen durchquerten die beiden Frauen sogar den Tiber. "Auch die Einheimischen haben uns mit einer besonderen Herzlichkeit empfangen. Am Jakobsweg gibt es das nicht mehr", weiß Hofbauer. "Wir fühlten uns die ganze Zeit sehr beschützt. Man gewinnt ein gewisses Urvertrauen wieder zurück." Bis zu ihrer nächsten Reise taucht Ingeborg Hofbauer nun wieder voll und ganz in die Arbeitswelt ein. "Jene Gelassenheit und den Frieden der Orte, die wir besucht haben, versuche ich mir im Herzen zu bewahren und in Gedanken immer wieder herzuholen."








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