Steirer sind im Handwerk eine Weltmacht
Vier steirische Junghandwerker kämpfen bei den Berufsweltmeisterschaften in London um Medaillen. Sie matchen sich mit den 1000 besten Fachkräften der Welt.

Foto © Henry Browne | worldskillsEinzug der österreichischen Junghandwerker - sie zählen zu den "Top-Stars" der 1000 Teilnehmer aus aller Welt
Lageplan, ohne den geht hier gar nichts. Eine riesige, zwei Kilometer lange Werkbank tut sich vor dem Besucher auf. Zwei Hallen, die sich jeweils 1000 Meter in die Länge ziehen. Es wird geschraubt, gefräst, gehämmert, gebacken, gekocht, geschnipselt, gerührt und gemauert. Und noch vieles andere mehr.
Die Berufsweltmeisterschaften in London sind ein Event der Superlative. Im Excel-Center, das sich über 400.000 Quadratmeter erstreckt, haben sich dieser Tage die 1000 besten Jungfachkräfte der Welt ihren Arbeitsplatz eingerichtet. Worldskills, das ist ein Wettkampf, bei dem sich seit 1961 alle zwei Jahre Junghandwerker in mehr als 50 Berufssparten um Medaillen matchen.
Sogar Premier Cameron ist da
Mittendrin sind auch vier junge Steirer. Lisa Robausch, Thomas Gaugl, Andreas Schaffer und Thomas Schäffer - sie sind Teil des 28-köpfigen Teams Austria, das in London auf Medaillenjagd geht. Die Stimmung im Team ist gut, die Motivation groß. Vier Tage lang wird an den Aufgabenstellungen der international besetzten Wettkampfleitung gearbeitet. Und das vor einem riesigen Publikum, in einer Stadt, die, ein Jahr vor den Olympischen Sommerspielen, vom Worldskills-Virus befallen zu sein scheint. Sogar auf den traditionellen roten Doppeldecker-Bussen werden die Wettkämpfe beworben. Jeder der Teilnehmer untermauert in seiner persönlichen Handwerks-Arena, warum er zu den Besten der Welt zählt -umringt von Schaulistigen, darunter auch Prinzessin Anne und Premierminister David Cameron, und permanentem Blitzlichtgewitter. Österreichs Jungfachkräfte zählen hier zu den "Top-Models" der Fotografen. Das hat mit der Historie zu tun, Österreich zählt in der Geschichte von Worldskills zu den erfolgreichsten Nationen. Vor allem die Steirer haben schon viele Weltmeister in ihren Reihen. Das hat aber auch mit der international viel beachteten Lehrlingsausbildung zu tun. Im Handwerk ist Österreich eine Weltmacht.
In den Londoner Hallen prallen aber auch Welten aufeinander. Im Eingangsbereich: die feinsinnige Welt der Floristen, in der an Gestecken und Blumenarrangements gearbeitet wird.
Hier ist die 19-jährige Lisa Robausch, Floristin aus St. Ruprecht, in ihrem Element. Voll konzentriert lässt sie sich auch vom Umgebungslärm der Landschaftsgärtner nicht beeindrucken.
In seine Arbeit vertieft ist auch Thomas Gaugl (21), Maurer aus Mönichwald. Er kniet sich buchstäblich in seine Aufgabe hinein, rutscht zwischen seiner Scheibtruhe und dem "Werkstück", eine Mini-Ausgabe der Londoner Tower Bridge, hin und her. Nur wenige Schritte weiter plaudert Andreas Schaffer (20), Zimmerer aus St. Blasen, mit Interessierten. Im Hintergrund seine Laube, an der er dieser Tage in London baut. "Läuft ganz gut", zeigt er sich zuversichtlich. Das ganze Drumherum, der Lärm, die Zuschauer, all das quittiert er mit einem knappen "Da ist schon ordentlich was los, aber ich find's gut hier".
Geräusche und Gerüche
Es ist ein bunter Mix an Berufen. Von A wie Anlagenmechaniker bis Z wie Zimmerer. Nicht nur Geräusche, sondern auch Gerüche dominieren die Hallen. Dafür mitverantwortlich ist der 20-jährige Koch Thomas Schäffer aus Bruck an der Mur. 25 Küchen wurden hier installiert, in denen sich die Jungköche auszeichnen können.
Ob die Steirer auch in London über Medaillen jubeln, wird sich Sonntagnacht bei der großen Siegerfeier zeigen.









