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Zuletzt aktualisiert: 23.11.2010 um 20:00 UhrKommentare

Neue Methode gegen Klärschlamm

Weniger Klärschlamm und somit weniger Kosten - das erreichte Sigfried Bonstingl, Wärter der Kläranlage in St. Margarethen an der Raab, durch den Einsatz von Mikroorganismen.

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Quelle © Foto: KLZ Digital Österreichweit einzigartige Methode in Kläranlage

Die Gemeinde St. Margarethen an der Raab wächst und wächst. Fast 4000 Einwohner zählt die Kommune im Süden des Bezirks. Eigentlich eine gute Nachricht, doch: "Vor rund eineinhalb Jahren haben wir gesehen, dass die Kapazität unserer Kläranlage an ihre Grenzen stößt", erzählt Bürgermeister Johann Glettler. Für die Erweiterung der Anlage wäre eine Millionen-Investition nötig gewesen, wenn Klärwärter Sigfried Bonstingl nicht einen Einfall gehabt hätte: den Einsatz von Mikroorganismen.

"Ich habe von den Mikroorganismen in einer Zeitschrift gelesen und mir gedacht, die könnten wir ja auch mal ausprobieren", erinnert sich Bonstingl. Und seit er den Amtsleiter zum Ankauf eines 1000-Liter-Tanks mit diesen Organismen überreden konnte, tröpfelt die Lösung ins Klärwasser. "Pro Tag sind das dann rund 25 Liter", so Bonstingl. In der Lösung sind aber nicht nur die Mikroorganismen selbst, sondern sie bekommen für ihre Arbeit auch noch ein "Lunchpaket" aus Zuckerrohrmelasse mit.

Lukas Hader von der Firma Multikraft, die diese Mikroorganismen züchtet und vertreibt, erklärt: "Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Milchsäurebakterien, Hefen und Fotosynthesebakterien. Diese beschleunigen die Umsetzung organischer Materialien und verhindern Fäulnis. Noch dazu ist also alles rein biologisch."

Von Anfang an war der Einsatz erfolgreich: "Es gibt kaum mehr Geruch, Fettabscheider ist auch keiner nötig und es bildet sich kein Schlamm mehr an der Oberfläche des Klärwassers", sagt Bonstingl. Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, dass man sich so auch den Einsatz weiterer Chemie erspart.

Doch damit nicht genug. Da gerade die Entsorgung des Klärschlamms viel Geld kostet, gab Bonstingl die Mikroorganismen auch auf den Klärschlamm. "Anfangs hat sich nicht viel getan, dann habe ich eine eigene Methode angewandt, die doch funktioniert hat. Was eigentlich nirgends steht, wie man das machen soll", sagt Bonstingl sichtlich stolz. Auch Hader bestätigt, dass diese Methode in St. Margarethen österreichweit einmalig sei.

60 Prozent weniger

Und das Ergebnis: Der Klärschlamm reduzierte sich in den Silos um mehr als 60 Prozent. "Das bedeutet für unsere Gemeinde eine große Ersparnis. Pro Jahr gaben wir rund 40.000 Euro für die Entwässerung und Entsorgung des Klärschlamms aus", zeigt sich Bürgermeister Glettler erfreut. Zusätzlich ist die Methode auch klimafreundlicher, weil weniger Treibgase wie Methan und Lachgas entstehen.

ROBERT BREITLER

EFFEKTIVE MIKROORGANISMEN

Vor etwa 30 Jahren wurde auf Okinawa (Japan) eine Mischung von Mikroorganismen entwickelt, die in den unterschiedlichsten Bereichen wie etwa in der Landwirtschaft, der Tierhaltung, bei Abwasseraufbereitung oder Kompostierung Anwendung finden.

Die verwendete Mischung ist eine braune Flüssigkeit und besteht aus verschiedenen Arten von Mikroorganismen, die in der Natur gesammelt und dann gezüchtet werden. Dabei setzt man auf Gentechnikfreiheit.

Die Mikroorganismen sollen eine positive Rolle in Bezug auf Pflanzenwachstum, Bodenfruchtbarkeit und fermentativem Abbau spielen.

Die wichtigsten Mikroorganismen, die eingesetzt werden, sind Milchsäurebakterien, Hefen und Fotoysnthesebakterien.

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