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Wo Kunst auch einmal ins Wasser fallen kann
Im Juni wird der heurige Kunstpreis "Kunstmediator 2010" an den aus St. Kathrein/Hauenstein stammenden Johann Baumgartner für seine Arbeit im Raiffeisenhof Graz verliehen.
Haben Sie sich bei einer Vernissage schon einmal nasse Füße geholt? Und das, obwohl sie eine Duschhaube am Kopf hatten? Klingt verwirrend, ist aber durchaus möglich, wenn man eine Vernissage im Kunstbad des Bildungshauses Raiffeisenhof in Graz besucht. Denn bei der Ausstellung "SeenSucht" von Sonja Joseph 2009 mussten zumindest hungrige Gäste ins Wasser steigen: Johann Baumgartner, Kulturverantwortlicher des Raiffeisenhofes, hatte das Buffet im Becken des aufgelassenen Hallenbades knöcheltief unter Wasser gesetzt.
Wer sich an den gebotenen Köstlichkeiten laben wollte, setzte sich also eine Duschhaube auf und marschierte ins Wasser. "Das war das erste Mal, dass sich am Buffet keine Schlange gebildet hat", sagt Baumgartner lachend. Die Gäste nahmen's gelassen. Die einen krempelten die Hosenbeine auf und zogen die Schuhe aus, andere marschierten einfach mit den Schuhen durchs Wasser.
Für diese Aktion aber wird Baumgartner, der aus St. Kathrein am Hauenstein stammt und heute in Gleisdorf lebt, die Auszeichnung zum "Kunstmediator 2010" (siehe Infokasten) nicht bekommen. Eher dafür, wie selbstverständlich er zeitgenössische Kunst im Bildungshaus der steirischen Landwirtschaftskammer eingebaut hat.
Kunst überall
An vier verschiedenen Ausstellungsplätzen laufen zum Teil parallel Ausstellungen. Derzeit etwa kommt man in der Hofgalerie an Werken von Paul Mangold - besser bekannt als Kinderbuchillustrator - vorbei, im Tiefparterre läuft eine Fotoausstellung, und im Hofgarten bereiten Künstlerinnen und Künstler gerade eine Ausstellung vor, bei der verfremdete Siloballen einen skurrilen Skulpturenpark entstehen lassen. Das Kunstbad, einst ein Hallenbad und jetzt aufgelassen, wird ebenfalls für Ausstellungen und Aktionen genutzt.
Immerhin 50.000 Bildungshungrige kommen jährlich an den Kunstwerken von jungen, steirischen oder internationalen Künstlern vorbei. Nicht nur die Vernissagen, Lesungen, Konzerte oder Theateraufführungen sind gut besucht, auch der Andrang der Künstler ist groß: "Derzeit haben wir 300 auf der Warteliste", sagt Baumgartner.
Parteipolitik, sagt der ehemalige JVP-Landesobmann, habe in der Kultur nichts zu suchen. Er frage nicht nach der politischen Einstellung eines Künstlers, der ausstellen möchte. Ein Beweis? "Zur ersten Ausstellung, die ich organisierte, kam der ganze KPÖ-Gemeindeklub. Da sagte mir der Künstler, er sei Mitglied der KPÖ", erzählt Baumgartner.
Features
VERMITTLER IN SACHEN KUNST
Seit 2003 vergibt die IG Galerien (Interessensgemeinschaft Galerien für zeitgenössische Kunst) die Auszeichnung "Kunstmediator" für besondere Verdienste in der Vermittlung von Kunst.
Heuer geht dieser Titel an den aus St. Kathrein am Hauenstein stammenden Bildungsreferenten und Kulturverantwortlichen des Bildungszentrums Raiffeisenhof, Johann Baumgartner. Am 17. Juni wird dieser Kunstpreis feierlich im Raiffeisenhof Graz verliehen (19.30 Uhr).
Prominente Preisträger davor waren etwa Helmut A. Gansterer (Chefredakteur Trend), Lioba Reddeker (Geschäftsführerin Basis Wien) oder Karlheinz Schmid und Gabriele Lindinger (Herausgeber der Kunstzeitung).
ZUR PERSON
Johann Baumgartner, Jahrgang 1968, wuchs in St. Kathrein am Hauenstein auf; lebt in Gleisdorf, verheiratet, zwei Kinder.
Ausbildung. Agraringenieur, Kommunikationstrainer und Erwachsenenbildner.
Bis 1999 Landesobmann der JVP, seit 15 Jahren im Raiffeisenhof, seit 2003 Kulturverantwortlicher, seit 2007 in leitender Funktion als Bildungsreferent.





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