Erneuerbare Energien auch in der Steiermark in aller Munde
Weniger Verbrauch, mehr Bioenergie: So lauten die politischen Vorgaben. Doch in Wahrheit hängfen wir immer stärker an Öl und Gas.

Foto © Ulla PatzWindenergie wie hier auf der Rattener Alm beim Stuhleck bietet nur begrenzte Potenziale
Nicht nur Landeshauptmann Franz Voves hat den Steirern im letzten Wahlkampf ein "energieautonomes" Land versprochen. Auch international haben wir uns verpflichtet, weniger Energie zu verbrauchen und auf alternative Formen umzusteigen. Das europaweite Ziel "20-20-20" sieht etwa vor, dass der gesamte Energieverbrauch bis 2020 um ein Fünftel sinkt.
Energieverbrauch erhöht. An hehren Zielen mangelt es also nicht. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Man könnte fast sagen: Je lauter die Politik vom Energiesparen redet, desto mehr Energie verschwenden die Bürger. Allein in den zehn Jahren von 1995 bis 2005 hat sich der Energieverbrauch der Steirer um 20 Prozent erhöht, nämlich von 185 auf 222 Petajoule.
Steigerung. Betrachtet man den Einsatz von erneuerbaren Energieträgern, dann bietet sich auf den ersten Blick ein erfreuliches Bild: Im Zeitraum 1995 bis 2005 gab es hier eine Steigerung von 34 auf 41 Petajoule. Weil aber eben auch der Gesamtverbrauch im gleichen Zeitraum mit derselben Geschwindigkeit zunahm, ist der Anteil der erneuerbaren Träger nicht gewachsen. Nach wie vor stagniert dieser Anteil bei rund 20 Prozent.
Mehr Gas, mehr Öl. Wie dieser Anteil der "Ökoenergie" in absehbarer Zeit überhaupt steigen kann, ist völlig ungeklärt. Denn sichere Steigerungen gibt es in nächster Zeit vor allem bei den fossilen Energieträgern: Werden wirklich die Gaskraftwerke in Mellach und in Graz (mit zusammen 1200 Megawatt Leistung) errichtet, dann macht die Abhängigkeit der Steiermark vom Gas einen weiteren Sprung nach oben. Schon derzeit stammen 70 Prozent des steirischen Gases aus Russland, nur knapp 15 Prozent fließen aus dem Inland, der Rest aus Norwegen.
Verbrauchskurve. Auch beim Öl weist die Verbrauchskurve leider steil nach oben, was größtenteils am weiterhin zunehmenden Autoverkehr liegt. Hier wirken sich die problematischen Siedlungsstrukturen des Landes (flächenhafte Besiedelung anstelle einer funktionierenden Raumordnung) fatal aus. Alle Experten sagen, dass nur ein drastisch verändertes Konsumentenverhalten und weit reichende technische Neuerungen (verbrauchsarme Motoren, Leichtbau, Elektroauto) die Lage verbessern könnten. Appelle, auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen, fruchten vorerst nur sehr begrenzt. Die Beimischung von Biotreibstoff klingt zwar gut, wird an den Relationen aber nichts ändern.
Bio-Heizungen als Hoffnung. Mehr Hoffnung sehen die Energieexperten bei der Heizenergie. In diesem Sektor ist der Umstieg von fossil auf erneuerbar am leichtesten möglich. In erster Linie ist der Wechsel von Heizöl-Einzelfeuerungsanlagen zu mit Biomasse betriebenen Orts- oder Fernwärmenetzen gemeint. Nach Schätzung der Landwirtschaftskammer könnte mehr als ein Drittel des in Privathaushalten verfeuerten Öls bis 2020 durch Biomasse ersetzt werden. Weitere neun Prozent könnten durch zusätzliche Nutzung der Solarenergie eingespart werden. Kaum Möglichkeiten für einen solchen Umstieg werden dagegen im Bereich der industriellen Produktion gesehen.
Wasserkraft. Auf das Streitthema Wasserkraft wird man künftig zwar ebenfalls setzen können, die noch verfügbaren Potenziale im Land sind aber begrenzt. Derzeit werden 12,2 Petajoule an steirischer Wasserkraft genutzt. Zwar wäre theoretisch ein Ausbau um zusätzliche rund acht Petajoule möglich, dieser Vollausbau ist aber schon aufgrund der gültigen Umweltauflagen unrealistisch. Wahrscheinlicher ist, dass man letztlich nur die Hälfte wird nützen können.
Energieerzeugung.
Andererseits könnten gerade die vielen Kleinwasserkraftwerke noch weit effizienter bei der Energieerzeugung werden. Das Thema Effizienz muss doppelt angegangen werden: Sowohl bei der Erzeugung als auch beim Vermeiden von Verschwendung schlummern die wohl größten Potenziale. Allein die forcierte Wärmedämmung könnte unseren Energieverbrauch um mehr als fünf Prozent senken.
Features
Klimabilanz
Zwar wurden in Österreich 2007 weniger Treibhausgase ausgestoßen als im Jahr davor, von den Kyoto-Zielen ist man jedoch weit entfernt.
Laut der Mitte Jänner von Umweltminister Nikolaus Berlakovich (Bild) präsentierten Klimabilanz liegt Österreich bei einem Ausstoß von 88 Millionen Tonnen CO2 noch 19,2 Millionen Tonnen über dem angestrebten Ziel.








