Vom deutschen Dach auf den Acker
Bisher interessierten sich Gottfried Huber und Hans Meister nur für Dächer in Deutschland. Jetzt aber haben sie ein Auge bzw. eine Fotovoltaikanlage auf die Heimat "geworfen".

Foto © Ulla PatzNoch wird an der riesigen Fotovoltaikanlage gearbeitet. Rechts im Bild sieht man schon die ersten montierten Module, die sich bald über die gesamten Halterungen ziehen werden
Dieses Fleckchen Erde hat schon öfter für Verwunderung gesorgt: Es begann mit einer Stiege, die ins Nichts führt, mitten im Acker gleich neben der B 54 vor Pischelsdorf, wenn man aus Richtung Gleisdorf kommt. "Nomadin" heißt dieses Kunstprojekt und geht auf Richard Frankenberger zurück. Vor Kurzem wurde gleich daneben eine Kuppel errichtet, der Klangdom - auch mitten im Acker. Und jetzt? Was passiert jetzt? Ein Haufen silberfarbener Gestänge, Halterungen für irgendwas, schmiegt sich an den Berg. Wieder ein Kunstprojekt?
Nein, das wird eine Fotovoltaik-Feldanlage, wie sie die Region noch nicht gesehen hat. "Überhaupt ist sie, unseres Wissens nach, die größte private Feldanlage in der Steiermark", sagt Hans Meister.
Meister, ein Pischelsdorfer und pensionierter Lehrer, hat mit dem Hirnsdorfer Landwirt Gottfried Huber schon einige Erfahrungen in dieser Sparte. Seit 2007 betreiben die beiden ein Unternehmen, genannt "SUNwork". In der Region ist das Unternehmen weniger bekannt. Kein Wunder, sind die beiden doch bisher nur in Deutschland unterwegs gewesen.
Dort hat das Unternehmen bereits sechs Anlagen in Betrieb. Alle auf Dächern im Raum Passau und Buchloe. Warum Deutschland? "In Deutschland ist alles viel einfacher als in Österreich, dort brauchst du nur die Fläche und dann kannst du die Anlage montieren", sagt Hans Meister. In Österreich sei die Förderlage kompliziert und die Abwicklung sehr bürokratisch. "Da kann es schon sein, dass du zwei Jahre Vorlaufzeit brauchst, um ein Projekt verwirklichen zu können", sagt Meister.
Ganz einfach war es allerdings auch in Deutschland nicht. Da die Anlagen eine Lebenszeit von rund 30 Jahren haben, mussten sich die Betreiber die Dachfläche für diesen Zeitraum sichern. Und: "Viele haben uns gefragt, woher wir kommen. Als wir sagten: ,Aus Österreich', meinten einige: ,Wenn ihr das könnt, können wir das selber auch'", erzählt Meister.
Heimat
Warum aber jetzt plötzlich eine Anlage in der Steiermark? Meister ist im Kulmland Sprecher der Arbeitsgruppe "Energie". "Unser Leitthema ist ,Energiekultur' und wir wollten hier schon länger etwas machen", sagt Meister.
Dass dieses "etwas" im Entstehen ist, kann man derzeit beobachten. Die 1300 Quadratmeter Modulfläche werden auf die Befestigungselemente geschraubt, und die Anlage fertiggemacht. Stolz ist Meister darauf, wie sich die Halterungen an das Gelände anschmiegen und den Verlauf des Hügels nachvollziehen. "Die Anlage ist so etwas wie die Visitenkarte beim Eintritt ins Kulmland", sagt Meister. Wie viel die Partner investiert haben, wollen sie nicht sagen. Aber: Die Versicherungssumme liege bei 360.000 Euro.
Ab August sollte die Anlage Strom erzeugen. Von oben, von der Nomadin, kann man dabei zuschauen und zwischendurch kann man sich im Klangdom verkriechen, um selbst ein wenig Energie zu laden.
Features
FAKTEN
Die Fotovoltaikanlage von Hans Meister und Gottfried Huber befindet sich an der B 54 zwischen Gleisdorf und Pischelsdorf.
Leistung: 200 Kilowatt Peak. Damit könnten, so die Betreiber, 70 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden.
Modulfläche: 1300, Bodenfläche rund 5000 Quadratmeter.








