Konflikt um Schuldirektor entbrannt
Am Beispiel der Hauptschule Pischelsdorf: Das Schulsystem sieht keine Möglichkeit vor, einen bestellten Schulleiter, der mit seinem Team nicht zurande kommt, wieder abzuberufen.

Foto © KanizajSujetbild
Ein drastisches Beispiel für die Unfähigkeit unseres Schulsystems, auf Unzulänglichkeiten zu reagieren, spielt sich derzeit in der Oststeiermark ab.
Es geht um den Direktorsposten an der Hauptschule in Pischelsdorf. Johann Jandl hat seit dem Jahr 2007 die Leitung inne. Nun soll er definitiv gestellt werden. Ein Aufschrei der Eltern und Lehrer folgte, und dieser Aufschrei gelangte hinauf bis in die hohe Politik: Die grüne Klubobfrau Ingrid Lechner-Sonnek machte sich zur Anwältin der Betroffenen und fordert Landesrätin Elisabeth Grossmann, Landesschulratspräsident Wolfgang Erlitz und Vize Elisabeth Meixner auf, die Bedenken von Eltern und Lehrern ernst zu nehmen. "Ich ersuche Sie, die Situation an der Schule nicht weiter zu verschärfen, den bisherigen Leiter nicht endgültig zu bestellen und die Stelle neu auszuschreiben."
Jeder gegen jeden
Der Schulleiter steht seit Jahren unter Beschuss. Die Streitigkeiten umfassen alle Ebenen. Lehrer empfinden den Direktor als "autoritär" und führungsunfähig und lassen sich versetzen. Eltern melden ihre Kinder nicht mehr an der Schule an, weil es den Lehrkörper auch nach außen hin wahrnehmbar "zerreißt". Die Bezirksschulinspektorin wurde von der Zuständigkeit für die Schule befreit, weil der Schulleiter sie mit Mobbing-Vorwürfen konfrontierte. Ihre Vorwürfe gegen ihn hielten dem Disziplinarverfahren nicht stand, das Verfahren wird mit Freispruch enden.
Die der Definitiv-Stellung vorangehende Abstimmung im Schulforum ging mit 11 zu 2 Stimmen gegen den Schulleiter aus. Dennoch scheint das Auslaufen der Befristung, wie es für jeden Direktor nach den ersten vier Jahren vorgesehen ist, fix.
Landesschulinspektor Hermann Zoller hospitiert die Schule seit Monaten persönlich. Auch er scheiterte an der Befriedung des Konflikts. Er sieht die Sache nüchtern: Er sei jedem einzelnen Vorwurf nachgegangen. Keiner habe sich als so stichhaltig erwiesen, dass man daraus behördlich die mangelnde Befähigung als Schulleiter ableiten und ihn als Schulleiter abziehen könne.
Gleichzeitig sei es offenkundig, dass der Direktor Schwächen habe, aber auch die Lehrer problematisch agierten und die Schule feststecke in ihrer Entwicklung. Der Direktor hätte die volle Rückendeckung der Bezirksschulinspektorin gebraucht. Man werde das gesamte Team weiter intensiv begleiten müssen, das sei bereits fix geplant.
Änderung nicht in Sicht
Dass der Direktor von sich aus aufgibt, scheint ausgeschlossen, der Konflikt somit auf Jahre prolongiert. Für das System leiten Zoller und auch Landesschulrats-Vizepräsidentin Elisabeth Meixner daraus den Vorschlag ab, Direktoren künftig nicht gleich zu "bestellen", sondern vorerst auf Zeit mit der Leitung einer Schule zu "betrauen" - insbesondere dann, wenn Zweifel an der Eignung oder an der Konstellation bestehen. Dann wäre es nämlich ein Leichtes, diese Betrauung zurückzunehmen, wenn sich diese Zweifel bestätigen.
Im Falle Pischelsdorf liegt der Ball jetzt bei Landesrätin Elisabeth Grossmann. Jandl selbst sieht die Mehrheit der Eltern und Lehrer hinter sich. Er glaubt fest daran, die Lage in den Griff zu bekommen: "Wenn ich einmal definitiv gestellt bin und es keinen Sinn mehr hat, gegen mich zu mobilisieren, wird sich alles klären."








