Eigentlich kommt Don Gil aus Kaindorf
Die Erfolgsgeschichte des Herrenausstatters "Don Gil" trägt die Handschrift eines gebürtigen Kaindorfers. Sogar Starfotograf Helmut Newton drückte für die Modekette auf den Auslöser seiner Kamera.

Foto © BrugnerScheibelhofer vor der ehemaligen Don Gil-Filiale in Wien, verkauft an Swarovski
Er ist einer, der bis an seine Grenzen geht - der heute 70-jährige Adolf, "Adi", Scheibelhofer, zumindest wenn es ums Geschäft geht. Eigentlich sollte der Erstgeborene einer Kaufmannsfamilie aus Kaindorf den elterlichen Gemischtwarenladen übernehmen. Nach dem Tod des Vaters stellte er sich auch folgsam hinter das Verkaufspult.
Da die Mutter seine Modernisierungsideen aber abwürgte wurde er Vertreter für Männerhosen - mit dem Wunsch, ein eigenes Geschäft aufzusperren. Mit einem Partner eröffnete er 1970 in Wien Favoriten das erste Geschäft. Wie den Laden nennen? Man erinnerte sich des Theaterklassikers "Don Gil von den grünen Hosen". Ein Volltreffer, wie sich herausstellte, mauserte sich "Don Gil" doch zur Topmarke in der heimischen Herrenmode. Scheibelhofer schaffte das mit dem richtigen Gespür für Trends und einer Riesenportion Fleiß.
Am Höhepunkt seines Erfolges führte Scheibelhofer zwölf Modegeschäfte in bester Lage in mehreren Landeshauptstädten. Der Jahresumsatz belief sich auf rund 36 Millionen Euro. Ein weiterer Expansionsschritt lag zwingend auf der Hand. Das hätte einer Großinvestition bedurft, vor der Scheibelhofer zurückschreckte, um nicht ganz vor der Arbeit aufgefressen zu werden. 1991 verkaufte er Palmers seinen Anteil. Im Nachhinein gesehen der beste Zeitpunkt. "Ich hätte es nicht besser treffen können", sinniert Scheibelhofer. Heute haben bei Don Gil italienische Finanzinvestoren das Sagen.
Furore
Mit 50 fühlte sich Scheibelhofer aber noch zu jung zum Nichtstun. Von Palmers verlangte er, ein Geschäft in Wiener Nobellage eigenständig weiterführen zu können. Dort trickste er gehörig auf. Zu seinen Kunden gehörten die jungen Trendsetter Wiens ebenso wie der gut situierte Herr. Über den Ladentisch wanderte hochpreisige Ware bester Qualität. Auf der Suche nach dem Besonderen ließ Scheibelhofer einen exklusiven Wintermantel - außen Kaschmir, innen Pelz - in einer Stückzahl von 120 produzieren. Wie bewerben? Scheibelhofer kontaktierte Fotografen-Ikone Helmut Newton. Für mehr als 20.000 Euro hüllte Newton ein Nacktmodel in den Mantel und ließ sie, ihren livrierten Chauffeur daneben stramm stehend, lasziv posieren. Im Hintergrund die Staatskarosse des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Das Sujet machte Furore, die Mäntel wurden alle verkauft" - je nach Pelzart zu 2000 Euro aufwärts.
Danken will Scheibelhofer Mentaltrainer Baldur Preiml. "Ich war einmal sehr materialistisch, weil ich meinen Eltern etwas beweisen wollte. Durch Preiml änderte sich das. Sonst hätte ich mich von meinen Geschäften nicht lösen können. Heute lebe ich einfach. Mode spielt keine wichtige Rolle mehr."
Features
Zu Person
Adolf Scheibelhofer, 1939 in Kaindorf geboren, Kaufmannssohn. Hauptschule Pischelsdorf und die kaufmännische Berufsschule in Feldbach.
In Dornbirn einjährige Ausbildung zum Textilkaufmann.
Er lebt in Wien mit einem Wochenendsitz in Dienersdorf.








