"Am besten der gesamte Kessel"
Geht es nach dem Land, sollen Arzberg, Hohenau und Passail fusionieren. Neudorf und Stenzengreith können sich Partner suchen. Aber was wollen die Bewohner?

Foto © Ulla PatzSie sind geteilter Meinung: Gertrude Geßlbauer, Daniela Pammer
Den ersten Menschen, so war die Vorgabe meiner Kollegen, den ich treffe, muss ich fragen. Fragen, wie er über eine Gemeindezusammenlegung denkt. Aus Arzberg, Hohenau, Passail, Neudorf und Stenzengreith müsse jeweils einer kommen. Also los!
"Hohenau" steht an der Tafel und meine Augen sind mehr bei den Häusern als auf der Straße. Kein Mensch zu sehen. Doch, halt! Johann Pieber schlendert zu seinem funkelnden Oldtimertraktor und schon stehe ich vor ihm, glücklich: Was hält er von der Gemeindezusammenlegung? Dafür ist er! "Am gescheitesten gleich der ganze Kessel, von St. Kathrein bis Fladnitz und Tulwitz", sagt er. Foto geschossen und weiter nach Passail.
Im Café Niederl sind viele Menschen. Etwa Daniela Pammer und Gertrude Geßlbauer. "Im Sinne des Sparens und verantwortungsvollen Umgangs mit dem Budget", sagt die Passailerin Pammer, "fände ich eine Fusion nicht schlecht". "Aber die Schule kommt weg, der Ort stirbt. Sparen sollen die Politiker bei ihren Dienstautos", meint Geßlbauer, die Arzbergerin. Auch am Tisch daneben ist man unterschiedlicher Meinung. Sabine Macher, Passailerin, ist dafür. Ihre Tischnachbarin, die ihren Namen nicht nennen mag, dagegen. Dafür wiederum ist Margarethe Neuhold, eine Neudorferin, die gerade beim Supermarkt in Passail einkauft. Gleich der ganze Kessel solle fusionieren, sagt sie.
Das meint auch Jürgen Schreck, ein Hohenauer. "Die Strukturen", sagt er, "gehören vereinfacht." Er sei aber nur dann für eine Fusion, wenn das auch eine Ersparnis bringe.
Daran glaubt Peter Kollmann, der zweite Mensch in Arzberg, den ich sehe (der erste wollte nicht reden), nicht. Passail und Arzberg würden nicht zusammenpassen: "Passail hat für das Umland nichts übrig und finanziell steht es auch nicht so gut da wie wir", sagt er.
Weiter nach Stenzengreith: Schöne Gegend, schöne Häuser, aber die Menschen scheinen alle ausgeflogen zu sein. Bis auf Franz Niederl. "Wenn's was bringt", sagt er, "bin ich nicht dagegen". Als Plenzengreither tendiere er Richtung Passail: "Dort haben wir Schule, Geschäfte." Und außerdem: Das Zusammenleben mit Stenzengreith habe ohnehin nicht klaglos funktioniert.









