Zwischen Polsterzipf und Plaudertaschen
An Geschichten mangelt es in Nitscha keinesfalls, vor allem, wenn die Gemeinde zum Erzählcafé ruft. Dann wird bei Kaffee und Kuchen aus dem Nähkästchen geplaudert.
S ind es die verpönten südafrikanischen Vuvuzelas, die wie ein Bienenschwarm aus dem Gemeindesaal Nitscha zu hören sind? Läuft da gar ein Fernseher mit der Übertragung des aktuellen Spiels der Fußballmeisterschaft? Nein - das Summen stellt sich sofort als die Summe der Gespräche einer gemütlichen Runde heraus, die sich zum Erzählcafé getroffen hat. Ein Blick aus den großzügigen Fenstern verrät: Sommerlich ist das Wetter keinesfalls. Bei novemberlichem Nieselregen lassen sogar die Bäume ihre Blätter traurig hängen.
Sonnige Stimmung
Doch im Gemeindesaal ist sonnige Stimmung, alle tragen Leiberl in den Farben des Regenbogens und die Gedanken drehen sich nur um ein Thema: "Ferien und der erste Urlaub". Die WM wird natürlich nicht ganz außer Acht gelassen und so liest Organisator Bertram Riegler ein humorvolles Gedicht zum Thema vor. "Willst du noch einen Polsterzipf?", flüstert Aloisia König leise. Nach dem Gedicht wird gelacht, geklatscht und losdiskutiert. Die Polsterzipfe, Erdbeeren von Maria Leinweber und anderen Mehlspeisen werden immer weniger und auf den Tellern türmen sich schon die grünen Erdbeerblätter.
Schwätzen
Fast wie in der Schule sagt Bertram Riegler mit lauter Stimme plötzlich: "Bitte, einer nach dem anderen. Wenn einer redet, sind alle anderen still!" Und schon sprudeln die Geschichten und alte Erinnerungen werden wieder lebendig. Die einen waren gar nie auf Urlaub, die anderen sind drei Stunden zu Verwandten nach Markt Hartmannsdorf gegangen, wieder andere erinnern sich noch gut an das Wallfahrten nach Fieberbründl. "Das war damals wie eine Weltreise", bestätigen viele. In der linken hinteren Ecke wird leise gemurmelt. Und wieder ist ein Polsterzipf weg.
Viel Arbeit
Doch hauptsächlich war es die Arbeit, die in den Ferien im Vordergrund stand: Viele mussten "heindln" oder beim Dreschen helfen. "Danach durften wir zur Belohnung nach Gleisdorf baden gehen", wird erzählt.
"Das Erzählcafé gibt es seit vorigem Herbst. Ich lade alle Teilnehmer persönlich ein und so läuft es ganz gut", sagt Riegler. Zum Schluss wird - mit Begeisterung - ein Gemeindefilm von 1980 angeschaut. Und plötzlich sind alle Polsterzipfe weg.
Features
ERZÄHLCAFÈ
Einmal pro Monat, jeweils an einem Donnerstag von 14 bis 16 Uhr, wird im Gemeindeamt Nitscha das Erzählcafé veranstaltet.
Aktuelle Themen werden hier bei Mehlspeisen und Kaffee besprochen.
Ein Unkostenbeitrag von einem Euro ist in die Kaffeekasse zu zahlen.
Die Themen sind so abwechslungsreich wie das Leben selbst: Von Urlaub und Ferien bis zu Traditionen und Brauchtum rund um die Liebe und das Heiraten wurde im Gemeindesaal schon allerhand besprochen.
Gemeinderat Bertram Riegler leitet die Diskussion und ist für die Organisation des Erzählcafés zuständig.
Information und Anmeldung unter Tel. 03112/20 80 oder auf der Homepage "www.nitscha.at".







