Leckerbissen unter der weißen Decke
650 ausgewachsene, runde Schafe und eine dichte Schneedecke. Wo ist das Futter? Wanderschäfer Hans Breuer weiß genau, wo sich die Leckerbissen für seine Herde verstecken.
Es ist jedes Mal ein Spektakel, wenn Wanderschäfer Hans Breuer mit seiner Schafherde durch die Lande zieht. Kürzlich zog er über Gasen, Piregg, Miesenbach in den Pöllauer Kessel. Denn dort warten für die rund 1000 Schafe wahre Leckerbissen. Allein, man sieht sie nicht.
Aber im Kopf des Wanderschäfers sind sie gespeichert. "Ich habe im Kopf rund 500 Wiesen und kenne einen Großteil der Bauern. Viele warten schon auf uns und lassen im Herbst Futter stehen", sagt Breuer.
Er sitzt in seinem winzigen Wohnwagen. Allein zu ihm vorzudringen ist schon eine Kunst - ist doch der kleine Wagen vom Boden bis zum Dach angeräumt. Kein Wunder, wohnen hier doch derzeit neben Breuer die Australierin Melissa, der Franzose Johann und die Japanerin Kei. Sie sind freiwillige Helfer, für die Breuers Alltag ein kurzfristiges Abenteuer ist. Fix in Breuers Team sind drei weitere Schäfer und drei Hunde.
Schnee und Kälte sind für Breuer und seine Herde kein Problem. "Unter der Schneedecke ist grünes Gras, durch den Schnee konserviert", sagt er. Nur finden müssen die Schafe die Leckerbissen. Da kann es schon sein, dass Breuer ihnen erst einmal zeigen muss, was unter der weißen Decke liegt. "Die stärksten Schafe drängen vor und machen eine Spur, wo die Herde grast", sagt Breuer.
Der Pöllauer Kessel sei das ideale Winterquartier. "Hier liegt meistens nicht so viel Schnee." Wenn es aber eng wird, füttert Breuer Heu zu. "Für so viele Schafe muss man eine 200 Meter lange Heuspur legen, an der sie beidseitig stehen und fressen", sagt er. In den letzten zehn Wintern habe er allerdings nur drei Wochen zufüttern müssen. Kälte macht den Tieren nichts aus. "Sie haben ein dickes Fell und keinen Zipp, durch den es zieht."
Die Kälte setzt eher den Menschen zu. Breuer hat zwar einen mit Holz beheizbaren Bauwagen, aber keinen Platz. "Vielleicht hat jemand im Pöllauer Raum Platz dafür?", fragt er.
Features
WANDERNDE HERDE
Mit rund 650 Mutterschafen und 350 Lämmern oder Jungschafen ist Hans Breuer derzeit im Pöllauer Kessel unterwegs.
Über's Jahr zieht Breuer je nach Wetter folgende Route: von der Ranten Schafalm, wo die Herde der Jura-Schafe den Sommer über weidet, geht es Richtung St. Peter/Kammersberg, weiter über Judenburg und Oberaich über den Eisenpass nach Zlatten. Weiter zieht die Herde durch die Breitenau über das Straßegg nach Gasen und von dort über Haslau und Piregg Richtung Miesenbach und Pöllauer Kessel. Im Frühjahr geht es zurück auf die Alm.








